Stand: 28.09.2018 09:36 Uhr

Mogelpackungen: Die Tricks der Hersteller

von Saskia Engels
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Wenn Hersteller bei Verpackung und Inhalt tricksen, fällt der Preisvergleich schwer.

Preiserhöhungen sind bei Verbrauchern unbeliebt - und gar nicht so selten. Oft bekommen Verbraucher davon aber gar nichts mit, weil einige Hersteller mit verschiedenen Tricks arbeiten. In einigen Fällen bleiben Packungsgröße und Preis gleich, aber Verbraucher bekommen weniger Inhalt fürs Geld. Oder die Hersteller verändern gleichzeitig Packungsgröße und Preis, damit der Vergleich mit dem alten Produkt schwerfällt. Über diese und andere Tricks informieren regelmäßig die Verbraucherzentralen: Sie stellen regelmäßig Beispiele für Mogelpackungen vor. Verboten sind die Tricks nicht, denn es gibt keine rechtlichen Vorgaben für bestimmte Füllmengen.

Verschiedene Lebensmittelprodukte

Mogelpackungen: Die Tricks der Hersteller

Markt -

Preiserhöhungen sind bei Verbrauchern unbeliebt. Deshalb versuchen einige Hersteller mit Mogelpackungen, höhere Preise zu verstecken. Markt erklärt die häufigsten Tricks.

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Neue Sorte, weniger Inhalt

Die Hersteller von Lebensmitteln wie Joghurt, Frischkäse oder Schokolade bieten immer wieder neue Sorten an. Sie unterscheiden sich oft kaum von den entsprechenden altbekannten Produkten. Dafür reduzieren manche Hersteller den Inhalt. Einige Beispiele:

  • Bei Almette Frischkäse variieren die Füllmengen zwischen 125 Gramm und 150 Gramm.
  • Beim Zott Sahnejoghurt schwankt die Menge zwischen 140 Gramm und 150 Gramm.
  • Während die klassische Milka-Schokolade 100 Gramm wiegt, sind es bei neuen Sorten oft nur 90 Gramm oder weniger.

Viele Verbraucher bemerken die versteckte Preiserhöhung nicht, weil sie die gelernten Abfüllmengen nicht bei jedem Einkauf kontrollieren.

Auf Anfrage von Markt schreibt Zott: "Im Fokus (...) steht ein Plus an hochwertigen Zutaten. Dieser Aspekt sollte in einem Preisvergleich (...) Berücksichtigung finden." Der Hersteller von Almette erklärt, es handele sich "(...) um einen komplexeren und teureren Herstellungsprozess im Vergleich zu unserer Standardrange". Milka-Hersteller Mondelez äußerte sich auf Anfrage nicht.

Light-Produkte mit weniger Inhalt

Light-Produkte enthalten weniger Zucker oder Fett als herkömmliche Lebensmittel. Oft ist die vermeintlich gesündere Variante deutlich teurer als das Original. Für Verbraucher ist der höhere Preis nicht immer auf Anhieb erkennbar: Einige Hersteller verwenden eine ähnliche Verpackung wie beim herkömmlichen Produkt, reduzieren aber den Inhalt. Einige Beispiele:

  • Eine Packung Butterkekse von Bahlsen enthält 200 Gramm. In Butterkeksen mit weniger Zucker sind es nur 150 Gramm.
  • Den herkömmlichen Käse "Natur" bietet der Hersteller Patros in einer 180-Gramm-Packung an. Bei der fettreduzierten Variante sind es nur 150 Gramm.

Bahlsen schreibt dazu: "Erstens sind die Konsumenten, die auf Ihren Zuckerkonsum achten, unserer Erfahrung nach auch Menschen, die grundsätzlich weniger Süßwaren zu sich nehmen. Eine einmal geöffnete Packung wird nicht so schnell leer gegessen. (...) So haben wir - auch auf Verbraucherwunsch - entschieden, den Leibniz Butterkeks 30 Prozent weniger Zucker in 150 Gramm anzubieten."

Der Produzent von Patros-Käse schreibt: "Bei der Produktion von Patros leicht zum Beispiel entstehen höhere Kosten als bei unserem Hauptprodukt Patros Natur aufgrund höherer Komplexität bei kleineren Stückzahlen."

Der Trick mit den Produktgrößen

Einige Hersteller verwenden unterschiedliche Verpackungen für dasselbe Produkt. Vergleicht man die Preise pro 100 Gramm, werden zum Teil große Unterschiede deutlich. Oft sind große Packungen pro 100 Gramm teurer als kleine Packungen. Einige Beispiele:

  • Den Ketchup von Heinz gibt es in Flaschen aus Glas und Plastik, jeweils in unterschiedlichen Größen. Der Ketchup in der größten Flasche ist pro 100 Gramm am teuersten.
  • Raffaelo-Pralinen von Ferrero sind in verschiedenen Kartons erhältlich. Die Füllmenge beträgt 150 oder 160 Gramm. Die Pralinen in der 160-Gramm-Schachtel kosten auf 100 Gramm umgerechnet mehr als die Pralinen in der 150-Gramm-Packung.

Gleicher Preis, weniger Inhalt

Einige Hersteller reduzieren den Inhalt, lassen aber den Preis gleich. Beispiele für diese Form der versteckten Preiserhöhung:

  • Die Chipsletten von Lorenz gab es bis vor Kurzem in einer 170-Gramm-Packung. Der Preis ist laut Verbraucherzentrale gleich geblieben, doch der Hersteller hat die Menge auf 100 Gramm reduziert.
  • Babybel hat die Anzahl der kleinen Käselaibe im Netz von sechs auf fünf reduziert - bei unverändertem Preis.
  • Ein Becher Naturjoghurt von Danone enthält nur noch 115 statt 125 Gramm - und kostet genauso viel wie vorher.

Luft in Verpackungen

Besonders im Kosmetikbereich gibt es häufig große Verpackungen, deren Inhalt eher klein ausfällt. Die Kunden sollen das Gefühl bekommen, viel für ihr Geld zu bekommen:

  • Die Hersteller von Cremes verwenden gern große Verpackungen, Podeste und schwere Glastiegel. Die Füllmenge beträgt in einigen Fällen nur 50 Milliliter. Gesetzlich ist das erlaubt, solange der Hersteller den Tiegel in Originalgröße auf der Verpackung abbilden.
  • Bei Teebeuteln verwenden einige Hersteller eine Standardgröße. Doch während viele 20 Beutel in einer Packung anbieten, sind es beispielsweise bei Yogi-Tea nur 17 Beutel.

Yogi-Tea schreibt dazu: "Da wir uns an den Varianten mit dem geringsten Dichtegrad orientieren müssen, kommt es, je nach Variante, zwangsläufig zu einem etwas unterschiedlichen Füllgrad unserer Packungen."

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 01.10.2018 | 20:15 Uhr

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