Eine Frau drückt aus einer Flasche eine Flüssigkeit mit Mikroplastik © picture alliance / dpa Foto: Stefan Sauer

Mikroplastik in Kosmetik: Gefahr für die Umwelt?

Stand: 03.09.2021 11:17 Uhr

Viele Kosmetikartikel enthalten Mikroplastik. Dieses gelangt nicht nur in die Umwelt - es gibt auch Hinweise auf mögliche gesundheitliche Folgen bei Menschen. Untersuchungen bei Tieren lassen darauf schließen.

von Anneke Müller und Saskia Engels

In Cremes, Gels und Shampoos befinden sich häufig flüssige Kunststoffe wie Silikone. Peelings und Seifen können Acryl-Verbindungen enthalten. Über das Waschbecken gelangen die Kunststoffpartikel ins Abwasser und von dort in die Umwelt. Sie wirken dort wie ein Magnet für Schadstoffe. Diese können sich zusammen mit den Plastikteilchen im Organismus von Wasserlebewesen anreichern.

Verdacht: Mikroplastik kann Gesundheit schaden

Fast überall in der Umwelt lässt sich Plastik nachweisen. Selbst in der Arktis haben Forscher inzwischen erhebliche Konzentrationen von Mikroplastik im Meerwasser festgestellt. Über Fische und Meeresorganismen gelangen die winzig kleinen Plastikteile in die Nahrungskette. Von Miesmuscheln weiß man bereits, dass aufgenommenes Mikroplastik Entzündungen hervorruft. Außerdem verdichten sich die Hinweise, dass Mikroplastik auch für menschliche Zellen schädlich sein kann und insbesondere die Zellmembranen schädigen kann.

Viele tausend Tonnen Plastik in Abwässern

Man unterscheidet zwischen sekundärem und primärem Mikroplastik. Sekundäres Plastik entsteht beim Zerfall größerer Kunststoffteile wie zum Beispiel einer Plastiktüte im Meer. Primäres Mikroplastik wird dagegen bewusst für den Gebrauchszweck mikroskopisch klein hergestellt – zum Beispiel als Reibstoff in Peelings, Glanzpartikel in Schminke oder Filmbildner in Body Lotions. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) definiert Mikroplastik als feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe), die kleiner als fünf Millimeter sind. Umweltverbände wie der BUND und Greenpeace fordern allerdings schon lange, den Begriff auch auf flüssige, halbfeste und gelartige Kunststoffe auszuweiten. Diese Art von Plastik könne nämlich nach Ansicht vieler Wissenschaftler die gleichen Eigenschaften wie festes Mikroplastik haben und genauso umweltschädlich sein. Außerdem ist die Menge an flüssigen Kunststoffen in unseren Gewässern sehr viel größer. Allein in Deutschland gelangen jedes Jahr rund 24.000 Tonnen flüssiges Plastik in unsere Abwässer, festes Mikroplastik hingegen "nur" 920 Tonnen.

Verzicht von festem Mikroplastik in Kosmetik

Viele Kosmetikunternehmen haben sich inzwischen bereit erklärt, auf den Einsatz von festen Mikroplastikpartikeln in abwaschbaren Pflegeprodukten (rinse off-Produkte) wie Duschgels und Shampoos zu verzichten. In anderen Kosmetikprodukten (leave on-Produkte) werden sie jedoch weiterhin eingesetzt. Dies zeigt auch eine Studie von Greenpeace, die im März 2021 veröffentlicht wurde.

Kunststoffe in Kosmetik erkennen

Plastik in Kosmetikartikeln ist an diesen Bezeichnungen zu erkennen:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)
  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane

Silikone in Cremes und Shampoos

Silikone werden unter anderem in Cremes verwendet. Sie sind ein günstiger Ersatz für pflanzliche Fette und Öle und für die Industrie leicht zu verarbeiten. Silikone machen die Haut geschmeidiger. Viele Gesichtscremes bekannter Marken enthalten Silikone.

Bei einigen Shampoos werben die Hersteller damit, dass keine Silikone enthalten seien. Das Problem: Stattdessen verwenden viele Hersteller den Kunststoff Polyquaternium. Konzentriert gilt er als giftig für Wasserorganismen und ist biologisch schwer abbaubar.

Acrylat-Verbindungen in Peelings, Seifen und Duschgels

Acrylat-Verbindungen verdicken, trüben oder stabilisieren Kosmetikartikel wie Peelings, Seifen und Duschgels. Sie gelten als biologisch schwer abbaubar. Die sogenannten vernetzten Polyacrylate könne giftige Spurenstoffe enthalten, etwa das krebserregende Acrylamid.

Vorsicht bei Lippenstiften

In Lippenstiften sorgen Kunststoffe für eine cremige Textur und für Glanz auf den Lippen. Welche Kunststoffe enthalten sind, lässt sich beim Kauf meist nicht erkennen, denn die Inhaltsstoffe sind in der Regel gar nicht angegeben. Das Problem: Die Kunststoffe werden auch über den Mund aufgenommen.

Dieses Thema im Programm:

Die Tricks | 06.09.2021 | 21:00 Uhr

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