Stand: 07.10.2013 21:00 Uhr  | Archiv

Mieter-Tipps: So kommen Sie zu Ihrem Recht

Vor allem in Großstädten ist Wohnraum knapp, die Mieten steigen rasant. Oft nutzen Vermieter die angespannte Situation aus: Sie verweigern überfällige Renovierungen und Instandsetzungen, erhöhen aber die Miete bis zum Anschlag. In Hamburg und Hannover melden Mietervereine einen stark steigenden Zulauf von Hilfesuchenden. Dabei geht es häufig um die gleichen Fragen: Darf der Vermieter die Miete erhöhen? Muss er den Schimmel auf seine Kosten beseitigen? Wie bekomme ich meine Mietkaution zurück?

Schimmel: Gefährliche Flecken an der Wand

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Ein klarer Fall: Schimmel. Aber wer muss die Sanierung bezahlen - Mieter oder Vermieter?

Häufig entdecken Mieter im Herbst und Winter einen pelzigen, grün-bläulichen Belag an den Wänden: Schimmel. Denn in der feuchten Jahreszeit kriecht Nässe durchs Mauerwerk und bietet damit den idealen Nährboden für Schimmelpilze. Einige Pilzarten stehen im Verdacht, Allergien oder Krankheiten auszulösen. Also weg mit den ungebetenen Gästen - aber wer bezahlt die Sanierung?

"Die Kosten trägt derjenige, der den Schimmel verursacht hat", erklärt Susanne Schönemeier vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Hannover. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn oft behaupten Vermieter pauschal, der Mieter habe nicht richtig gelüftet und dadurch den Schimmel verursacht. Und Mieter verweisen gerne darauf, dass das Mauerwerk marode sei. Die Wahrheit liegt in der Mitte, erklärt Schönemeier:

  • Erst muss der Vermieter nachweisen, dass keine Baumängel vorliegen. Dazu ist in der Regel das Gutachten eines Sachverständigen erforderlich.
  • Erst wenn keine Baumängel vorliegen, muss der Mieter nachweisen, dass er ordnungsgemäß lüftet.

Richtig heizen und lüften - so geht's

Wer Schimmel vermeiden will, muss ordentlich heizen und für ausreichende Belüftung sorgen. Susanne Schönemeier vom Deutschen Mieterbund in Hannover erklärt, wie's geht: Die Temperatur sollte in jedem Raum zwischen 18 und 21 Grad liegen. Darunter droht Schimmel, darüber steigen die Heizkosten stark an. Lüften sollten Mieter mindestens drei Mal am Tag, und zwar mit vollständig geöffneten Fenstern und Türen in der ganzen Wohnung ("Querlüften"). Die Luftfeuchtigkeit sollte 60 Prozent nicht überschreiten. Mit einem Datenlogger (circa 80 Euro im Elektrofachhandel) können Mieter Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen, um zum Beispiel dem Vermieter regelmäßig Lüften nachzuweisen.

Und selbst dann steht der Verursacher nicht immer zweifelsfrei fest. "Wir empfehlen eine außergerichtliche Einigung, weil das Prozessrisiko für Mieter in Schimmel-Angelegenheiten oft unkalkulierbar ist", sagt Schönemeier. Ihre Tipps für eine gütliche Einigung:

  • Mieter sollten den Vermieter daran erinnern, dass Schimmel die Bausubstanz dauerhaft schädigen kann. Dadurch sinkt langfristig der Wert des Gebäudes.
  • Im Gegenzug kann der Mieter versichern, vorschriftsgemäß zu lüften und dies zum Beispiel mit Messprotokollen nachweisen.

Stellt der Vermieter auf stur, können Mieter vorschlagen, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen. Hilft auch das nicht, bleibt oft nur der Umzug in eine neue Wohnung.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.01.2015 | 20:15 Uhr

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