Lebensmittel: Eigenmarken-Produkte oft von Markenherstellern

Stand: 23.08.2021 16:28 Uhr

In Supermärkten und Discountern sind viele Lebensmittel-Eigenmarken zu finden, die von Markenherstellern produziert werden. Der Produzent steht oft nicht auf der Verpackung, weil nicht gesetzlich vorgeschrieben.

von Claudius Maintz

Ganz leicht ist es bei tierischen Produkten wie Milch, Joghurt, Fisch oder Fleisch: Ein ovales Identitätskennzeichen verrät, aus welchem Betrieb die Ware stammt. Dies beginnt zum Beispiel mit DE für Deutschland, PL für Polen oder DK für Dänemark. Danach folgt der Code des Bundeslandes, also HH für Hamburg, HB für Bremen, NI für Niedersachsen, MV für Mecklenburg-Vorpommern und SH für Schleswig-Holstein. Die Ziffern dahinter sind die Zulassungsnummer des Betriebs, die Buchstaben EG verraten die Herkunft aus der EU. Sind diese Zeichen auf Eigenmarke und Markenprodukt dieselben, ist auch der Betrieb identisch.

Adressen können Indiz für selben Hersteller sein

Bei anderen Produkten kann es schwieriger sein: Rewe oder auch Aldi zum Beispiel drucken den Namen des Produzenten von Eigenmarken meist auf die Packung, der Discounter Netto hingegen nicht. In anderen Fällen unterscheiden sich die Adressen nur minimal. So kann auf der Eigenmarke zum Beispiel die Anschrift eines Warenlagers angegeben sein, während auf der Markenware der Firmensitz steht. In diesem Fall können ähnliche Postleitzahlen ein Indiz sein. Bei speziellen und daher seltenen Herstellungsverfahren - wie etwa für Tiefkühltorten - gibt es nur wenige Produktionsstandorte. Liegen diese in einer Region, ist dieselbe Herkunft naheliegend.

Produzent muss nicht auf Verpackung angegeben werden

Einige Discounter und Supermarktketten verschweigen ihren Kunden den Hersteller völlig. Stattdessen steht dann nur der sogenannte Inverkehrbringer auf der Packung, also: "Hergestellt für …". Verbraucherschützer kritisieren das seit langem. Der Konsument müsse für seine Kaufentscheidung wissen, von wem die Ware stammt. Doch das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz hält die geltende Rechtslage für ausreichend. Die ermögliche es Verbrauchern, sich "immer an einen Ansprechpartner bei Fragen oder Beschwerden wenden zu können."

Hersteller von Marken im Supermarkt herausfinden

Wer vermutet, die Eigenmarke aus Supermarkt oder Discounter ist ein verstecktes Markenprodukt, hat im Geschäft selbst zunächst folgende Möglichkeiten es herauszufinden:

  • Adressen auf der Verpackung vergleichen
  • Nährwertangaben und Zutaten - stimmen sie überein?
  • Identitätskennzeichen prüfen, bei tierischen Produkten wie beispielsweise Milch
  • Etikett genau ansehen - manchmal steht der Markenartikler kleingedruckt drauf

In Internet-Datenbanken Produzenten recherchieren

Oft wickeln namhafte Hersteller die Produktion von Eigenmarken über Tochterfirmen ab. Diese heißen dann ganz anders als der Mutterkonzern - obwohl die Ware aus derselben Fabrik kommt. Im Online-Bundesanzeiger lassen sich aber zum Beispiel Geschäftsberichte und andere Dokumente einsehen, aus denen Firmenverbindungen hervorgehen. Eine Alternative dazu ist das Handelsregister im Internet. Zudem kursieren online Listen, aus denen der Mutterkonzern hervorgeht.

Eigenmarken mit leicht veränderter Rezeptur

Trotz desselben Produzenten sind meistens die Nährwertangaben auf der Packung oder die Rezepturen leicht unterschiedlich, sodass es sich streng genommen tatsächlich um zwei verschiedene Produkte handelt. Die Hersteller wollen damit ihre Marke schützen. Doch Lebensmittelchemiker verweisen darauf, dass man diese kleinen Unterschiede wegen der ebenfalls im Essen vorhandenen Aromen oft gar nicht schmeckt.

Große Preisunterschiede

Bei Milchreis und Buttermilch sind Markenprodukte oft mehr als doppelt so teuer wie die Eigenmarken vom Discounter. Dahinter steckt eine Mischkalkulation des Produzenten: Die üppige Gewinnspanne des Markenproduktes finanziert die günstigen Produkte mit, bei denen die Marge oft sehr viel niedriger ausfällt. Die Eigenmarken wiederum werden wegen des niedrigeren Preises häufiger gekauft und locken so Kunden in den Supermarkt. Für sie ist das günstigere Produkt in jedem Fall ein großer Vorteil: Es lässt sich viel Geld damit sparen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 23.08.2021 | 20:15 Uhr

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