VIDEO: Neue digitale Krankmeldung sorgt offenbar für Probleme (2 Min)

Krankmeldung: So funktioniert die neue Online-Krankschreibung

Stand: 23.01.2023 11:10 Uhr

Der "Gelbe Schein" ist Vergangenheit. Für gesetzlich Krankenversicherte ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) seit 1. Januar 2023 deutschlandweit digital. Was ändert sich für Arbeitnehmer?

Bisher haben Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Arztpraxis drei Bescheinigungen erhalten: je eine für die gesetzliche Krankenkasse, für den Arbeitgeber und für sich selbst. Jetzt erfolgt die Krankmeldung komplett elektronisch. Durch die Digitalisierung sollen Arbeitnehmer und Kassen entlastet werden. Zudem wird die Arbeitsunfähigkeit genau dokumentiert, was für eine mögliche Auszahlung von Krankengeld wichtig ist.

Technische und organisatorische Probleme zum Start

Doch die Umstellung stellt manche Arbeitgeber und Praxen technisch und organisatorisch vor Probleme. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen schätzt, dass bei gut 20 Prozent der Praxen die Technik fehlt. Hinzu kämen Softwareprobleme und Systemausfälle. Funktioniert die Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeit nicht, muss sie in Papierform ausgestellt und verschickt werden.

Für wen gilt die digitale Krankschreibung?

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt nur für gesetzlich Krankenversicherte. Privatversicherte und Beilhilfeberechtigte erhalten die Krankmeldung weiterhin in Papierform und müssen sie an Arbeitgeber und Krankenversicherung beziehungsweise Beihilfestelle verschicken. Auch für Minijobber und Eltern kranker Kinder ändert sich nichts.

Wie kann man sich online krankschreiben lassen?

Wer jetzt von Arzt oder Ärztin krankgeschrieben wird, bekommt nur noch einen Papierausdruck für seine Unterlagen. Künftig soll es aber möglich sein, die Krankmeldung auch in der elektronischen Patientenakte speichern zu lassen. Mit dem neuen Verfahren entfällt für Arbeitnehmer die Übermittlung der Krankschreibung an Krankenkasse und Arbeitgeber. Denn nun übermittelt die Arztpraxis die Krankmeldung elektronisch direkt an die gesetzliche Krankenkasse. Von dort ruft der Arbeitgeber sie dann ab. An dem digitalen Verfahren nehmen laut Verbraucherzentrale auch Krankenhäuser teil, Privatärzte dagegen nicht.

Funktioniert die digitale Übermittlung wegen technischer Störungen nicht, druckt die Arztpraxis Ersatz-Bescheinigungen aus. Diese muss der Arbeitnehmer dann selbst einreichen, also an Krankenkasse und Arbeitgeber schicken.

Wie meldet man sich beim Arbeitgeber krank?

Wie bisher auch müssen erkrankte Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber umgehend darüber informieren, dass sie wegen Krankheit ausfallen. Weiterhin gilt auch, dass grundsätzlich ab dem vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen ist.

Welche Informationen werden übermittelt?

Die Arztpraxen übermitteln die bekannten Informationen: den Namen der versicherten Person, Beginn und Ende der Arbeitsunfähigkeit und die Angabe, ob es sich um einen Erst- oder Folgeantrag handelt. Laut Verbraucherzentrale erfährt der Arbeitgeber weder den Namen des Arztes oder der Ärztin noch welche Diagnose gestellt wurde. Die Daten sind erst nach dem Tag der Krankschreibung verfügbar und werden über abgesicherte Kommunikationsserver verschlüsselt übermittelt. Zudem erfolgt vor Weitergabe der Daten ein Abgleich mit dem Datenstand der Krankenkasse.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 04.01.2023 | 19:30 Uhr

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