Stand: 28.12.2018 10:24 Uhr

Haustiere vor Silvester-Krach schützen

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Böller und Raketen sind eine Tortur für Hunde und Katzen mit ihrem feinen Gehör.

Hunde und Katzen hassen Böller und Raketen. Der stinkende Schwefelqualm und der unvermittelte Explosionsdonner sind nicht nur eine Tortur für die fein entwickelte Nase und das gute Gehör, sie können starke Angst und Panik bei den Tieren auslösen. "Angst ist an sich eine sinnvolle Emotion", erklärt Tierärztin Dr. Dagmar Vogel. Freiwerdende Stresshormone sorgen für die Aktivierung des Fluchtinstinkts der Vierbeiner - in der freien Natur ein überlebenswichtiger Mechanismus.

Verängstigte Tiere zittern und schwitzen

Herrchen und Frauchen können dies gut an körperlichen Symptomen wie Zittern, einem erhöhten Puls, Schwitzen der Pfoten sowie unkontrolliertem Sabbern, Koten und Urinieren ihrer Lieblinge beobachten. Die Tiere versuchen in Verstecken oder ruhigen dunklen Räumen Schutz vor den grellen Farbeffekten und dem Krach zu suchen. Wie lässt sich der Jahreswechsel für Haustiere erträglich gestalten?

Psychopharmaka: Dosierung ist wichtig

Genau wie Menschen sprechen besonders Hunde auf angstlösende Psychopharmaka an. Die Präparate verschreibt der Tierarzt, mit der Gabe sollte schon einige Tage vor der vermeintlichen Stresssituation begonnen werden. Die Dosis wird dabei schrittweise bis zur vollen Menge erhöht - das sogenannte Einschleichen. Ist Silvester überstanden, wird das Medikament schrittweise wieder abgesetzt. Ganz wichtig: Die Gabe muss genau auf die Größe und das Gewicht des Hundes abgestimmt sein. Bei falscher oder zu geringer Dosierung kann statt einer beruhigenden Wirkung ein eher aufputschender Effekt eintreten.

Zeigt der Hund bereits Angstsymptome, kann man ihm ein spezielles Gel verabreichen, es muss über die Backentasche verabreicht werden. "Dieses Medikament hat den Vorteil, dass man es auch geben kann, wenn der Hund schon zittert", so Tierärztin Vogel.

Katzen reagieren etwas entspannter auf die Knallkörper. Medikamente seien bei den Samtpfoten selten erforderlich, so Dagmar Vogel. Die Gabe von Medikamenten ins Maul von Katzen kann außerdem schwierig sein. Deshalb am besten schon mit kleinen Kätzchen das Öffnen des Mauls trainieren, so sind sie im Erwachsenenalter daran gewöhnt.

Tiere nicht loben, sondern Rückzugsraum schaffen

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Katzen überstehen den Silvester-Abend gut, wenn sie einen ruhigen Rückzugsort haben.

Viele Halter reagieren falsch auf die Angst ihrer Tiere, indem sie diese beruhigen oder loben. "Diese sogenannte positive Verstärkung kann aber das unerwünschte Angstverhalten sogar verlängern oder intensivieren", warnt Dagmar Vogel. Es signalisiert dem Hund: Das, was ich gerade tue, ist richtig, weil mein Herrchen mich dafür belohnt.

Stattdessen sollten Halter ihre Tiere in Ruhe lassen und Rückzugsmöglichkeiten in einem abgedunkelten Raum schaffen, in dem die Knall- und Lichteffekte nicht so deutlich wahrnehmbar sind. Gut geeignet sind beispielsweise warme Kellerräume. Die Käfige von Vögeln und Kleintieren wie Hamstern oder Kaninchen abdecken und nicht in Fensternähe belassen. Auch die gewohnte häusliche Geräuschkulisse von gedämpfter Musik oder dem Fernseher kann beruhigend wirken.

Kauknochen und lange Spaziergänge können beruhigen

Wer einen Hund hat, kann mit ihm am Silvestermorgen einen längeren Spaziergang machen, rät Ellen Schütze vom Tierschutzverband Brandenburg. Dann seien die Tiere am Abend entspannter. Allerdings sollte man keinesfalls ohne Leine auf die Straße gehen. "Wenn neben dem Hund ein Knaller explodiert, ist er weg", so Schütze. Katzen, die sich viel draußen aufhalten, sollte man schon früh zurück in die Wohnung holen und bis nach Silvester nicht mehr ins Freie lassen.

Die bloße Anwesenheit des Halters wirkt ebenfalls positiv auf die Haustiere, deshalb sollten sie am Silvester-Abend nicht allein zu Hause bleiben. Zusätzlich könne man Hunden einen Knochen zum Kauen geben, so Schütze. "Das setzt Glückshormone frei und beruhigt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 27.12.2017 | 20:00 Uhr

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