Stand: 31.08.2020 10:11 Uhr

Fischstäbchen: Wie gesund ist der Kinder-Klassiker?

von Lotta Polter
Fischstäbchen in der Fabrikation © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken
Fischstäbchen bestehen zu rund 65 Prozent aus Fisch, 35 Prozent machen die Panade aus.

Fischstäbchen sind der Klassiker unter den Kinder-Gerichten: Knusprig und mit goldbrauner Panade mag sie fast jedes Kind. Einige Hersteller werben damit, dass sie 100 Prozent Filet anbieten. Allerdings, rund 35 Prozent eines Fischstäbchens macht die Panade aus. Und die hat es in sich. Die Panade erhöht den Kilokalorien-Gehalt eines einzelnen Stäbchens von 67 pro 100 Gramm auf gut 200. Denn die goldenen Brösel bestehen vor allem aus frittiertem Mehl, Gewürzen und Fett. Backfischstäbchen bestehen sogar zur Hälfte aus Panade und sind damit noch fettreicher.

VIDEO: Fischstäbchen: Wie gesund ist der Kinder-Klassiker? (7 Min)

Fischstäbchen als Omega 3-Fettsäurenquelle

Fisch enthält marine Omega-3-Fettsäuren. Das sind ungesättigte Fettsäuren, die gut fürs Herz, die Sehkraft und das Gehirn sind. Fischstäbchen sind aus Sicht der Ernährungswissenschaftlerin Heike Lemberger allerdings keine gute Omega 3-Fettquelle.

Besser wäre es aus ihrer Sicht, für Fischstäbchen, die meist Alaska-Seelachs enthalten, einen fettreicheren Fisch wie Lachs zu verwenden. Denn je fettreicher ein Fisch ist, desto mehr marine Omega-3-Fettsäuren hat er. Die Ernährungswissenschaftlerin rät zudem, einen Blick auf die Zutatenliste der Fischstäbchen zu werfen. Oftmals verwenden die Hersteller Sonnenblumenöl, ein pflanzliches Öl, das Omega-6-Fettsäuren enthält. Diese seien ein Gegenspieler der Omega-3-Fettsäuren, die gesunde Wirkung werde quasi inaktiviert.

Nachhaltige Fischstäbchen sind schwer zu finden

Die meisten Anbieter verwenden für ihre Fischstäbchen Alaska-Seelachs aus dem Nordwest- oder Nordostpazifik. Der Fisch wird mit Schleppnetzen gefangen. Zwar werben die meisten Hersteller damit, dass sie Fisch mit MSC-Siegel für nachhaltige Wildfischerei verwenden. Umweltschützern reicht das aber nicht. Thilo Maack von Greenpeace kritisiert, dass bei der Schleppnetzfischerei Meeresböden nachhaltig geschädigt und auch Beifänge in Kauf genommen werden würden.

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Alternativ findet sich auf manchen Produkten das Naturland Wildfisch Siegel. Aber auch das ist nach Meinung des Meeresbiologen nicht ausreichend für eine nachhaltige Fischerei. Er rät dazu, generell nur Fisch zu essen, dessen Bestand in Ordnung ist und der mit Langleine oder Haken gefangen wurde.

Bio oder konventionell kaufen?

Bio-Fischstäbchen sind teurer als Produkte aus konventioneller Herstellung. In einer Stichprobe von Markt kostete das günstigste Fischstäbchen von Aldi umgerechnet 13 Cent, das Bio-Stäbchen von Landur mit 41 Cent mehr als drei Mal so viel. Zudem lohnt sich ein Blick auf die Herstellerangeben. Aus biologischem Anbau kommen in der Regel nur die Zutaten der Panade, nicht aber der Fisch.

Welche Fischstäbchen schmecken am besten?

Für Markt hat Koch Frank Brüdigam verschiedene Fischstäbchen verglichen:

  • Eskimo Fischstäbchen vom Discounter Aldi für 13 Cent/Stäbchen
  • Fischstäbchen vom Marktführer Iglo für 23 Cent/Stäbchen
  • Bio-Fischstäbchen von Alnatura für 30 Cent/Stäbchen
  • Bio-Fischstäbchen von Followfish für 40 Cent/Stäbchen
  • Bio-Fischstäbchen von Landur für 41 Cent/Stäbchen

Seine Favoriten: die Fischstäbchen von Aldi und Iglo. Äußerlich hat ihm die goldene Farbe gefallen, geschmacklich der gut gesalzene, aber nicht überwürzte Fisch.

Backofen, Pfanne oder Fritteuse?

Die beste Zubereitungsart für den Koch ist die Pfanne. Das geht am schnellsten und macht eine knusprige Panade. Allerdings sollte man aufpassen, dass die Stäbchen nicht zu dunkel werden.

Ernährungswissenschaftlerin Heike Lemberger empfiehlt dagegen den Backofen, weil bei dieser Zubereitungsart kein Fett zugesetzt werden muss. Wer die Fischstäbchen zusammen mit einem Blattsalat mit Olivenöl-Essig-Vinaigrette und Kartoffeln kombiniere, komme auf eine ausgewogene Mahlzeit.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 31.03.2020 | 20:15 Uhr

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