Stand: 16.01.2017 18:43 Uhr  | Archiv

Etikettenschwindel: Die Gratis-Masche

von Saskia Engels

Jeder kennt sie, die Gratis-Masche: Mal sind drei Spültabs gratis, es gibt 50 Gramm Erdnüsse oder Schokocreme obendrauf, einen Schokoriegel geschenkt oder sogar eine ganze Tafel umsonst. Doch was steckt wirklich hinter den sogenannten Gratis-Geschenken? Markt hat die Angebote einiger Hersteller und die Lupe genommen.

Gratisangebot oder faules Versprechen?

50 Gramm geschenkt?

Beispiel Nutella: Bei Edeka gibt es für 2,89 Euro zusätzlich 50 Gramm geschenkt. Das normale Glas mit 450 Gramm gibt es bei Rewe für 2,79 Euro. Das größere Glas mit den zusätzlichen 50 Gramm gratis kostet im Vergleich 10 Cent mehr. Dabei sollten die zusätzlichen 50 Gramm doch gratis sein. In Wahrheit gibt es bei diesem Vergleich also nur 34 Gramm Nutella geschenkt. Von Nutella-Hersteller Ferrero heißt es dazu: "Die Gestaltung des Endverbraucherpreises obliegt ... ausschließlich dem Handel ..." Ähnlich sieht es bei Ültje aus. In der größeren Dose Erdnüsse soll es 50 Gramm gratis geben, aber die ist auch teurer. Ültje beruft sich auf die gleiche "unverbindliche Preisempfehlung" für beide Dosengrößen.

Wie teuer war das Produkt ursprünglich?

Gratis klingt für den Verbraucher zunächst einmal gut. Doch meist ist schwer nachvollziehbar, wie viel das Produkt eigentlich ohne die Extraportion gekostet hat. "Vielleicht ist das sogar Strategie", sagt der Markenpsychologen Oliver Errichiello. Der Verbraucher wisse in vielen Fällen gar nicht mehr, was der ursprüngliche Preis gewesen sei. "Und wenn ich das nicht mehr weiß, kann ich auch gar nicht mehr sagen, ich habe jetzt ein Angebot geschossen - oder ist das Produkt in Wirklichkeit noch teurer als zuvor?"

Rabatte sind für Verbraucher schwer nachzuvollziehen

Ein weiteres Beispiel: Persil. Hier ist man mit Waschladungen spendabel. Jetzt sind es gerade 18 plus 2, zehn Prozent sind angeblich gratis. Für den Verbraucher ist schwer nachzuvollziehen, was er tatsächlich gratis bekommt - denn wer weiß schon, wie viele Waschladungen vorher in der Packung waren. Markenpsychologe Erricchiello sieht das kritisch, denn damit setzten Hersteller das Vertrauen der Verbraucher aufs Spiel. Die Recherche von Markt ergibt: Das Geschenk von Persil fällt je nach Supermarkt unterschiedlich groß aus. Denn der Preis ist überall anders: Bei Edeka zahlt man für die Packung 5,99 Euro, bei Rewe 5,49 Euro, bei DM sind es 5,19 Euro und bei Budni - im Angebot - 4,44 Euro. Persil schrieb uns, das Unternehmen habe "keinen Einfluss auf die Endverbraucherpreise im Handel."

Bei den Spültabs von Somat gibt es ein Verwirrspiel bei den Verpackungsgrößen. Mal gibt es vier, mal drei Tabs geschenkt. Dabei kommt man ganz ohne Geschenk viel günstiger weg, wenn man eine größere Packung kauft. Somat-Hersteller Henkel erklärt dazu, eine Irreführung oder Verwirrung der Verbraucher finde nicht statt.

100 Prozent gratis? Eher unglaubwürdig!

Manche Produkte bekommt man kaum ohne Gratis-Geschenk. Zum Beispiel Einweg-Rasierer. Bei einem Herren-Rasierer von Gillette gibt es sogar 100 Prozent gratis. Aus Sicht von Oliver Erricchiello ist das allerdings ein unglaubwürdiges Angebot. Denn auch bei den Rasierern ist "gratis" nur relativ: Die Rasierer kosten bei Budni 4,69 Euro, bei DM 3,95 Euro.

Unser Fazit: So manches attraktive Gratisangebot entpuppt sich im Laden oft als faules Werbeversprechen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 16.01.2017 | 20:15 Uhr

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