Dreiste Tricks bei Angaben auf Lebensmitteln

Stand: 19.02.2021 14:52 Uhr

Beim Einkaufen haben Verbraucher meist wenig Zeit, sich die Verpackungen von Lebensmitteln genau anzusehen. Genau das nutzen Hersteller ganz gezielt aus.

von Saskia Engels

Verbraucher wissen in der Regel, dass sie mit ihrem Einkauf einen gewissen Einfluss auf die Herstellungsbedingungen von Lebensmitteln haben. Den meisten ist bewusst, dass Tiere meist nicht artgerecht gehalten werden, oder haben vom Bienensterben durch immer mehr Monokulturen in der Landwirtschaft gehört.

Gutes Gewissen als Verkaufsanreiz

Genau darauf zielen einige Hersteller auf ihren Verpackungen ab: Sie geben sich und dem Produkt einen positiven Anstrich und werben etwa mit einem Bienenprojekt, welches beim Kauf des Produkts unterstützt würde. Doch was wirklich dahintersteckt, ist für den Verbraucher im Supermarkt kaum ersichtlich.

Oder Hersteller betonen, dass die Milch des Käses von "Freilaufkühen" stammt - ein Fantasie-Begriff, mit dem assoziiert werden soll, dass Kühe draußen auf der Weide frei herumlaufen. Nur bei genauem Studieren des Kleingedruckten erfahren Verbraucher, dass sich die Kühe im Stall frei bewegen können - was heutzutage der Standard ist bei der Milchkuh-Haltung.

Hersteller werben mit Gesundheitsversprechen

Immer mehr Menschen wollen sich so gesund wie möglich ernähren und das möglichst ohne großen Aufwand. Proteinhaltige Lebensmittel sind so ein anhaltender Trend. Besonders zucker- und fetthaltige Riegel werden deshalb gerne als gesunde Eiweiß-Quelle verkauft. Das ist zurzeit noch erlaubt, eine Änderung der Vorschrift nicht in Sicht.

Denn ab einem bestimmten Gehalt an Protein darf damit geworben werden, egal wie gesund oder ungesund die übrigen Zutaten im Produkt sind. Verbraucherschützer fordern schon lange, dass gesundheitsbezogene Angaben für einen bestimmten Inhaltsstoff nur dann gemacht werden dürfen, wenn auch die übrigen Zutaten einem gesunden Nahrungsmittel entsprechen.

Irreführende Produktnamen bei Lebensmitteln

Ein ebenfalls beliebter Trick von Herstellern: Eine exotische oder teure Zutat wird im Produktnamen besonders hervorgehoben. Häufig ist das genau die Zutat, von der am wenigsten enthalten ist - sei es ein Fruchtsaft mit Mango, ein Pesto mit Rucola oder ein Müsli mit Nüssen. In solchen Fällen fühlen sich viele Verbraucher oft getäuscht. Doch bislang gibt es keine gesetzlichen Vorgaben für die Mengen von Zutaten, die enthalten sein müssen, wenn sie im Produktnamen beworben werden.

"Weniger" und "frei von" stimmt bei Produkten nicht immer

Für viele Verbraucher ist die zucker- oder fettreduzierte Variante ein Kaufanreiz. Gerade Produkte, die damit werben, frei von Aromen, Farbstoffen, Phosphaten oder Geschmacksverstärkern zu sein, sprechen gesundheitsbewusste Käufer an. Doch wer die Inhaltsstoffe dann genauer studiert, ist meist enttäuscht. Zwar wurde der Zucker in der Marmelade reduziert, dafür aber auch der Fruchtanteil und noch jede Menge Wasser untergemischt. Oder ein bekannter Schmelzkäse-Hersteller bietet eine neue Variante "ohne Zusatz von Phosphaten" an. Das klingt gut, tatsächlich sind in Form von "Milchmineralien" aber trotzdem Phosphate enthalten.

Zwar hat der Verbraucher die Möglichkeit, all diese Tricksereien zu entlarven, wenn er sich die kleingedruckte Zutatenliste genau durchliest, doch das kostet viel Zeit und setzt oft auch ein gewisses Fachwissen voraus.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 22.02.2021 | 20:15 Uhr

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