Stand: 29.05.2020 14:55 Uhr  - Pfote sucht Körbchen

Diabetes bei Hunden und Katzen

von Ingolf Bannemann

Nicht nur Menschen erkranken an Diabetes: Auch Hunde und Katzen leiden darunter. Nach Angaben des Bundesverbandes für Tiergesundheit sind in Deutschland rund 30.000 Hunde und 20.000 Katzen betroffen. Die Stoffwechselstörung kann auch bei anderen Haustieren auftreten, jedoch sind die Fallzahlen dort deutlich seltener.

Symptome der Zuckerkrankheit bei Haustieren

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Tiere, die an Diabetes leiden, entwickeln großen Durst und Heißhunger.

Man muss kein Spezialist sein, um die Anzeichen für eine Stoffwechselstörung zu erkennen. Aufmerksame Tierhalter erkennen die Symptome bereits am Futternapf. Typische Alarmsignale: Die Haustiere entwickeln großen Durst und Heißhunger. Gleichzeitig verlieren sie spürbar an Gewicht. Zudem erhöht sich ihr Harndrang. Ursache: Der erhöhte Blutzucker im Urin entzieht dem Körper Wasser. Diesen Verlust versuchen die Tiere durch Trinken auszugleichen. Fellveränderungen, Haarausfall und getrübte Augenlinsen können ebenfalls Folgen von Diabetes sein.

Bei Katzen achtet Tierarzt Fabian von Manteuffel auch auf deren Gang. "Bei Diabetes wird ihr Gang plumper. Statt nur die Zehen setzen sie den ganzen Fuß auf und knicken hinten etwas ein."

Kranke Tiere müssen spezielles Futter bekommen

Wenn Besitzer diese Symptome beobachten, sollten sie ihr Tier zum Arzt bringen. Mit einem Blut- und Urintest stellt er zuverlässig fest, ob der Blutzuckerwert tatsächlich erhöht ist. Ist das der Fall, muss auf spezielles Diabetikerfutter umgestellt werden. Wie bei Menschen mit dieser Krankheit ist auch bei Tieren Disziplin beim Essen sehr wichtig: Mahlzeiten nur zu festen Zeiten und auf Leckerlis zwischendurch unbedingt verzichten.

Hunde haben mit festen Mahlzeiten in der Regel kein Problem. Bei Katzen kommt es eher zu Schwierigkeiten. Sie sind es gewohnt, den ganzen Tag über zu fressen. Da sind bei den Haltern mitunter starke Nerven gefragt.

Auch Tiere bekommen Insulin

Nachdem Hunde und Katzen gefressen haben, müssen sie Insulingaben bekommen. Das Präparat können die Besitzer den Tieren nach einer kurzen Einweisung in der Regel selbst verabreichen. Das Hormon wird unter die Haut gespritzt, meist an eine Körperseite. Dabei reagieren die Haustiere unterschiedlich auf diese neue Gewohnheit. Manche Tiere wachen davon nicht einmal auf, andere mögen es überhaupt nicht. Geduld und liebevoller Umgang helfen bei der Umstellung.

Das Insulin befindet sich in Ampullen. Diese sollten im Kühlschrank gelagert und vor Gebrauch vorsichtig hin- und hergerollt werden. Heftiges Schütteln ist auf keinen Fall zu empfehlen, denn dabei würden die Insulinmoleküle zerfallen und ihre Wirksamkeit verlieren. Die Höhe der Hormongabe ermittelt der Tierarzt. Sie ist abhängig von der Schwere des Falls sowie Größe und Gewicht des Tieres. 

Auf dauerhafte Mehrkosten einstellen

Diabetes-Futter ist teurer als gewöhnliches. Dazu kommen die Kosten für das Hormonpräparat. 10 Milliliter Insulin schlagen mit etwa 100 Euro zu Buche. Die Vierbeiner benötigen zwei Injektionen täglich. Zudem müssen in der Anfangsphase häufigere Arztbesuche einkalkuliert werden. Gerade am Anfang muss regelmäßig medizinisch kontrolliert werden, wie erfolgreich die Therapie anschlägt. Längere Reisen oder Ausflüge sollte man in dieser Phase verschieben.

Wenn der Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist, können Herrchen und Frauchen mit einem Teststreifen den Urin selbst auf Zucker überprüfen. Alternativ können auch kleine Testgeräte für den Hausgebrauch eingesetzt werden. Ähnlich wie beim Menschen wird dabei ein kleiner Tropfen Blut abgenommen und der Blutzuckerwert ermittelt.

Soforthilfe bei Unterzuckerung

Auch Haustiere können unterzuckern. Genau wie bei Menschen äußert sich die "Hypoglykämie" in Schwäche, Schwanken und Zittern. Es kann sogar zur Bewusstlosigkeit kommen. Traubenzucker hilft als Notmaßnahme. Der Drops sollte dem Tier unter die Zunge gelegt oder, wenn es nicht mehr schlucken kann, ins Zahnfleisch einmassiert werden.

Wird die Insulinspritze einmal vergessen, sollten Frauchen oder Herrchen sich sofort mit dem Tierarzt absprechen. Die Injektion kann nachgeholt, muss aber unter Umständen in der Dosierung halbiert werden. Wenn sich das Tier nach dem Fressen erbricht, sollten die Besitzer am besten eine Stunde abwarten. Dann können sie dem Tier noch einmal Futter anbieten und danach das Insulin spritzen.

Diabetes bei Haustieren vorbeugen

Zur Vorbeugung empfehlen Tierärzte bei Hunden und Katzen unterschiedliche Strategien. Bei Hunden sind vor allem weibliche Tiere betroffen. Da die Geschlechtshormone einen negativen Einfluss auf Insulin haben, sollte über eine Kastration nachgedacht werden.

Bei Katzen trifft es eher die männlichen, übergewichtigen Exemplare. Ein gesundes Gewicht bei den Tieren ist die beste Prophylaxe.

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Dieses Thema im Programm:

Pfote sucht Körbchen | 31.05.2020 | 15:30 Uhr

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