Stand: 19.07.2019 11:04 Uhr

Rasensamen im Vergleich

Bild vergrößern
Vor allem in billigem Saatgut finden sich Grassorten, die in einem Rasen nichts zu suchen haben.

Im Frühjahr oder Sommer ist es wieder so weit: Alles grünt und blüht, doch der Rasen sieht häufig sehr mitgenommen aus. Dann ist es oft das Beste, den Rasen komplett oder teilweise neu auszusäen. Bei der Wahl des Rasensaatguts lässt sich allerdings viel falsch machen. Im schlimmsten Fall sieht der neue Rasen nach einem Jahr sogar schlechter aus als der alte.

Mann beim Giessen

Wie gut sind Rasensamen aus dem Baumarkt?

Markt -

Wer neuen Rasen anlegen möchte, kann dafür Saatgut aus dem Baumarkt verwenden. Wie unterscheiden sich günstige und teure Rasensamen in der Qualität?

4,71 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Wundertüte Rasensaatgut

Im Prinzip kann jeder Saatguthersteller Rasensamen unter jeder beliebigen Bezeichnung verkaufen, denn es existieren in diesem Bereich keinerlei gesetzliche Standards. Bezeichnungen wie "strapazierfähig", "besonders trittfest" oder "pflegeleicht" müssen also nicht viel heißen. Sie sagen nichts über die Zusammensetzung der Mischungen aus. Im Prinzip können alle möglichen Grassorten in einer Mischung vorhanden sein, auch wenn diese für den Nutzungszweck überhaupt nicht geeignet sind. Vor allem in billigem Saatgut finden sich in großer Anzahl Grassorten, die in einem Rasen nichts zu suchen haben.

Hände weg von Billigmischungen

Diese Billigmischungen, die vor allem in Baumärkten angeboten werden, versprechen eine Neuanlage der Rasenfläche zum halben Preis. In der Tat: Der neue Rasen wird sehr schnell sehr grün. Doch das böse Erwachen folgt spätestens im nächsten Jahr. Der Grund: Viele dieser Mischungen verwenden Grassorten, die eigentlich als Futtergras für Weidetiere gezüchtet worden sind und sehr schnell wachsen. Doch diese Sorten vertragen wöchentliches Rasenmähen überhaupt nicht. Die Konsequenz: Direkt nach der Aussaat verdrängen die schnell wachsenden Futtersorten die langsam wachsenden Rasengräser und am Ende des Sommers bleiben große Löcher in der Narbe zurück. Dort siedeln sich bevorzugt Wildkräuter wie Löwenzahn an, die kaum mehr aus der Rasenfläche zu verdrängen sind.

Gute Rasenmischungen müssen teurer sein

Die Herstellung von gutem Rasensamen ist teuer. Grassorten, die den Anforderungen eines Rasens entsprechen, müssen verschiedene Eigenschaften haben: Sie sollten trockenresistent sein, langsam wachsen und spät blühen. Aus solchen Sorten Samen zu gewinnen, ist zeitaufwendig und die Erträge sind wesentlich geringer als etwa bei Futtersorten.

Regelsaatgutmischungen versprechen Qualität

Bild vergrößern
Saatgut ist nicht gleich Saatgut. Es gibt 21 verschiedene Regelsaatgutmischungen.

Wer eine Qualitätsmischung kaufen will, sollte auf der Verpackung unbedingt auf die Bezeichnung RSM (Regelsaatgutmischung) achten. Eine Rasenmischung, die diese Bezeichnung trägt, wurde von unabhängigen Labors getestet und zwar nicht nur die einzelnen Grassorten, sondern die gesamte Mischung. Somit ist gewährleistet, dass sie auch tatsächlich für den gewünschten Nutzungszweck geeignet ist. Es werden 21 verschiedene Regelsaatgutmischungen unterschieden. Sie wurden für Ausschreibungen und öffentliche Bauvorhaben entwickelt und sind der einzige Qualitätsstandard für Rasensaatgut:

  • RSM 1.1 Zierrasen
  • RSM 2.1 Gebrauchsrasen Standard
  • RSM 2.2 Gebrauchsrasen Trockenlage
  • RSM 2.3 Gebrauchsrasen Spielrasen
  • RSM 2.4 Gebrauchsrasen Kräuterrasen
  • RSM 3.1 Sportrasen Neuanlage
  • RSM 3.2 Sportrasen Regeneration
  • RSM 4.1 Golfrasen Grün
  • RSM 4.2 Golfrasen Vorgrün
  • RSM 4.3 Golfrasen Abschlag
  • RSM 4.4 Golfrasen Spielbahnen
  • RSM 4.5 Golfrasen Halbrauhflächen
  • RSM 4.6 Golfrasen Verbindungswege
  • RSM 5.1 Parkplatzrasen
  • RSM 6.1 Extensive Dachbegrünung
  • RSM 7.1.1 Landschaftsrasen Standard ohne Kräuter
  • RSM 7.1.2 Landschaftsrasen Standard mit Kräutern
  • RSM 7.2.1 Landschaftsrasen Trockenlagen ohne Kräuter
  • RSM 7.2.2 Landschaftsrasen Trockenlagen mit Kräutern
  • RSM 7.3.1 Landschaftsrasen Feuchtlagen ohne Kräuter
  • RSM 7.4.1 Landschaftsrasen Halbschatten ohne Kräuter

Tipps für einen schönen Rasen

Als erstes sollte sich der Gartenbesitzer über die gewünschte Nutzung im Klaren sein: Gute Rasenmischungen liefern im besten Fall genaue Angaben auf der Verpackung. Der Standard ist der gewöhnliche Gebrauchsrasen für eine sonnige Fläche. Wessen Rasen viel von Bäumen oder Häusern beschattet wird, sollte sich unbedingt für eine Schattenrasenmischung entscheiden. Wer den Rasen intensiver nutzt, sollte sich für spezielle Sport- und Spielrasenmischungen wählen. Soll der Rasen eher ein Schmuckstück werden, empfiehlt sich eine Zierrasenmischung.

Gebrauchsrasen: Robust und pflegeleicht

Die meisten Gartenbesitzer entscheiden sich für einen Gebrauchsrasen. Er zeichnet sich durch eine höhere Trockenverträglichkeit und einen geringeren Pflegeaufwand aus. In der Wachstumsphase sollte zwar auch einmal die Woche gemäht werden, in den Sommermonaten reicht es aber nur alle zwei Wochen zu schneiden.

Eine Sonderform des Gebrauchsrasens ist der Sport- und Spielrasen. Die verwendeten Grassorten sind besonders robust gegenüber Belastungen. Der Pflegeaufwand ist allerdings ein wenig höher als beim Standard-Gebrauchsrasen: Im Sommer sollte man im Wochenrhythmus mähen.

Zierrasen: Erst nach zwei Jahren trittfest

Zierrasen, etwa der englische Rasen, sollte anfangs sehr pfleglich behandelt werden. Spielende Kinder oder ein permanentes Auf -und Abbauen der Gartenmöbel sind vor allem in den ersten zwei Jahren nach der Aussaat Gift für die empfindlichen Gräser. Ist danach die Grasnarbe dicht, so ist der englische Rasen allerdings besonders trittfest. Er braucht aber enorm viel Pflege: Nur bei kurzen Schnittintervallen (alle fünf bis sieben Tage) und häufigem Düngereinsatz wird ein englischer Rasen seinem Namen gerecht. Wichtig: Das Rasensaatgut braucht mindestens 15 Grad Bodentemperatur zum Keimen, eine Aussaat wird frühestens Anfang Juni empfohlen.

Schattenrasen sind lichtempfindlich

Diese Mischung enthält Grassorten, die mit wenig Sonneneinstrahlung gut zurechtkommen. Doch Vorsicht: Schattenrasengräser vertragen längere direkte Sonne nur sehr schlecht. Wer nur ein paar dunkle Ecken in seinem Garten hat, sollte auch nur dort Schattengräser aussäen und sich bei der übrigen Fläche für einen normalen, nicht lichtempfindlichen Samen entscheiden. 

Rasen richtig schneiden

Bild vergrößern
Der normale Gebrauchsrasen hält einiges aus. In den Sommermonaten muss er nur alle zwei Wochen gemäht werden.

Die Pflege ist das A und O für einen gesunden Rasen. Dabei spielt Art und Häufigkeit des Mähens eine bedeutende Rolle. Eine Vermehrung durch Samen kann nicht stattfinden, da vor der Blüte das Gras geschnitten wird. Dabei fällt der richtigen Schnitthöhe eine entscheidende Bedeutung zu: Wird das Gras zu tief geschnitten, zum Beispiel, weil man den nächsten Schnitttermin hinauszögern möchte, werden die Vegetationspunkte der Gräser verletzt und das Gras treibt schlechter aus. Der Rasenmäher sollte daher besser auf die eingestellte Schnitthöhe überprüft werden. Niedriger als 40 bis 45 Millimeter sollte das Gras nicht geschnitten werden. In der Wachstumsphase ist das Rasenmähen mindestens alle sieben Tage vorzunehmen. Im Hochsommer und Herbst reicht es, alle 14 Tage zu mähen.

Rasengräser laugen den Boden aus

Jeder Rasenschnitt entzieht dem Boden Nährstoffe. Deshalb braucht ein schöner Rasen eine regelmäßige Düngung. Grundsätzlich ist ein Depotdünger vor allem in Norddeutschland einem Flüssigdünger vorzuziehen. Denn ersterer löst sich nur langsam auf und setzt die Nährstoffe über einen längeren Zeitraum frei. Ein Flüssigdünger zeigt zwar schneller Wirkung, doch dabei gelangt in sandigen Böden zu viel davon ins Grundwasser und steht den Gräsern nicht zur Verfügung. Dreimal im Jahr sollte gedüngt werden: Zu Beginn der Wachstumsphase im Frühjahr, im Hoch- und im Spätsommer. Alternativ kann das Schnittgut auf dem Rasen gelassen werden (Mulchen), dafür benötigt der Rasenmäher einen Mulchaufsatz. Ist es allerdings zu feucht, kann das Schnittgut den Rasen ersticken.

Rasensamen richtig aussäen

Die Empfehlungen der Hersteller bezüglich der Aussaatmenge sind unbedingt einzuhalten. Wer nicht mit der Hand aussäen möchte, kann einen Aussaatwagen für etwa 20 Euro zu Hilfe nehmen. Das Saatgut sollte unbedingt kräftig durchgemischt werden, da sich die unterschiedlich großen Grassamen in den Beuteln leicht entmischen. So ausgebracht, sähe der Rasen wie ein Flickenteppich aus. Wichtig: nicht zu früh aussäen. Je höher die Bodentemperatur ist, desto besser keimt das Saatgut. Experten empfehlen, mit der Aussaat bis Mitte Mai zu warten.

Weitere Informationen

Für kleine Flächen: Rollrasen verlegen

Schön gewachsen und sattgrün - Rollrasen hat viele Vorteile, ist aber recht teuer. Wer die Soden selbst verlegt, spart Kosten. Eine Alternative: vorhandenen Rasen ausbessern. mehr

Moos und Unkraut im Rasen entfernen

Verfilzter Rasen braucht besondere Pflege. Was hilft gegen Moos und Unkraut? Wie saniert man den Boden? Und was gibt es bei der Rasensaat zu beachten? mehr

Was hilft gegen Lücken im Rasen?

Im Baumarkt gibt es Reparatur-Sets, die Löcher im Rasen schnell und einfach beseitigen sollen. Sind solche "Rasenpflaster" besser als herkömmliche Rasensaat? mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 22.07.2019 | 20:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/garten/Rasensamen-im-Test,rasensaat101.html

Mehr Ratgeber

01:15
NDR Fernsehen
07:50
Mein Nachmittag
08:13
Mein Nachmittag