Stand: 14.08.2020 13:01 Uhr

Swapfiets: Ist das Fahrrad-Abo das neue Sharing?

Es gibt in vielen deutschen Städten immer mehr Fahrräder mit blauem Vorderreifen. Hinter den blauen Vorderreifen steht kein Trend, sondern ein Unternehmen: Swapfiets aus den Niederlanden. Dabei geht es nicht um Leihräder im herkömmlichen Sinn, die man sich für eine Tour mietet, sondern um Fahrräder im Abonnement. Ist Abo das neue Sharing?

von Astrid Kühn

Ein blaues Fahrrad mit der Aufschrift Swap. © picture alliance/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich
Der auffällige blaue Vorderreifen ist kein Modetrend, sondern das Makenzeichen des Fahrradvermieters Swapfiets.

Im Ladengeschäft von Swapfiets in der Hamburger Holstenstraße hat man sofort den Geruch in der Nase, der vermutlich in jedem Fahrradladen der Welt in der Luft liegt: Gummi und Kettenfett. Es riecht irgendwie neu. Doch neu sind die meisten Hollandräder, die hier stehen, nicht - und kaufen kann man sie auch nicht, sondern nur mieten. Allerdings nicht nur für einen Tag, sondern so lange man will - für knapp 20 Euro im Monat. Eine Idee, die in Hamburg ankommt und das nicht nur trotz, sondern wegen Corona, wie Standortleiter Joshio Rojas betont. "Der April ist durch die Decke gegangen. Das war wie jetzt in den Hauptsommermonaten, in denen wir wahnsinnig viele Neukunden gewonnen haben. Viele von denen sind von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns gewechselt."

Swapfiets kann Kundenzahl fast verdoppeln

In ganz Deutschland konnte Swapfiets seine Kundenzahl in den vergangenen Monaten auf mittlerweile 60.000 fast verdoppeln. Den Fahrrad-Vermieter gibt es in 30 deutschen Städten, in Norddeutschland gibt es ihn außer in Hamburg unter anderem auch in Hannover, Oldenburg, Osnabrück, Lübeck und Bremen. Rojas und seine Kollegen geben aktuell 80 bis 100 Fahrräder pro Tag aus. Was lockt die Kunden? "Es ist unkompliziert und man kann es testen", sagt eine junge Frau. "Viele meiner Freunde haben mir gesagt, dass es cool und die Qualität hoch ist. Wenn es am Ende dann doch nicht passt, kann man auch wieder kündigen." Eine andere Kundin erzählt: "Bei meinem Fahrrad ist mindestens einmal im Jahr etwas kaputt wie die Bremsen oder die Kette. Und wenn der Service von Swapfiets wirklich so funktioniert, wie versprochen und man sofort ein neues Fahrrad bekommt, sobald irgendwas ist, dann ist das natürlich perfekt."

VIDEO: Swapfiets: Fahrräder im Monatsabo (3 Min)

Bei Schäden gibt es kostenlos Hilfe oder ein neues Rad

Das Versprechen: Ist etwas kaputt - egal ob Kleinigkeit oder Totalschaden -, gibt es kurzfristig und kostenlos Hilfe oder ein neues Rad. Die Kunden müssen sich nicht kümmern, nur radeln. Der Politologe Andreas Knie forscht seit Jahren zur Entwicklung der Mobilität. Er glaubt, dass der flexible, jederzeit kündbare Besitz den Zeitgeist trifft. "Da die Ware Fahrrad mittlerweile sehr hochwertig und damit auch sehr teuer geworden ist, wird der Trend tatsächlich auch beim Rad im Nutzen statt Besitzen liegen. Das heißt, es wird immer mehr Leasing-, Miet- oder auch andere Modelle geben und sie werden auch immer populärer werden."

"Geschäft wird nicht von heute auf morgen rentabel"

Swapfiets hat demnächst auch E-Bikes und E-Tretroller im Angebot. Doch kann man mit dem Modell Geld verdienen? "Es ist ein sehr großer logistischer Aufwand und es auch die Investition, so viele Fahrzeuge bereitzuhalten ist nicht gering", sagt Swapfiets Deutschland-Chef Andre Illmer. "Aber glücklicherweise investieren unsere Investoren nicht kurz-, sondern längerfristig. So ein Geschäft wird nicht von heute auf morgen rentabel."

Forscher sieht keine Konkurrenz zu Sharing-Modellen

Aktuell sind die Holländer Marktführer, der einzige Anbieter, der auf ähnlich viele Nutzer kommt - das Start-up Vanmoof hat sein Abo-Modell inzwischen wieder aufgegeben. Doch die Idee verbreitet sich. Viele kleinere Player laufen sich warm. Rebike zum Beispiel, das Marken-E-Bikes monatsweise vermietet oder Anbieter wie Grover, wo man vom Smartphone bis zum E-Tretroller so ziemlich alles mieten kann. "Dieser Markt entsteht ja gerade erst", sagt Forscher Andreas Knie. "Das heißt, es werden noch mehr Anbieter kommen. Dann werden die ersten wieder verschwinden und schließlich wird auch irgendwann der Preis deutlich steigen."

Dass die Abo-Anbieter die klassische Sharing-Konkurrenz ersetzen werden, glaubt Knie nicht. "Man wird ein Fahrrad für eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein halbes Jahr haben. Man wird es kaufen können. Es wird also alles geben, was das Herz begehrt."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 14.08.2020 | 07:41 Uhr

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