Stand: 02.09.2020 05:00 Uhr

Eine Kieler Woche für die Kieler - anders als sonst

von Frauke Hain

Normalerweise liegt wenige Tage vor der Kieler Woche in der Landeshauptstadt eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Die Menschen sind hibbelig, freuen sich auf das jährliche Ereignis und sprechen tagelang vorher von nichts anderem. Davon ist in diesem Jahr nicht viel zu spüren. In diesem Jahr, in dem wegen Corona alles anders ist, ist auch das anders. Trotzdem gibt es eine Kieler Woche. Diese wird für die Kieler sein, sagt der Leiter des Kieler Woche Büros, Philipp Dornberger. "Wir besinnen uns in vielen Sachen auf die Wurzeln zurück: Segeln im Fokus, kleinere Areale, regionale Bands. Alles ein bisschen kleiner. Ich bin mal gespannt, wie das angenommen wird." Hinter den Kulissen, im Rathaus, laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Seit vergangenem Donnerstag können online Tickets für die geplanten Konzerte reserviert werden. Die Nachfrage war so groß, dass zwischenzeitlich der Server zusammenbrach.

Die Kieler Woche startet offiziell am 5. September und geht bis zum 13. September.

Konzerte mit maximal 500 Besuchern

Normalerweise kommen rund drei Millionen Menschen zur Kieler Woche, die sich in der ganzen Stadt verteilen. Die bekannten großen und frei zugänglichen Veranstaltungsflächen gibt es in diesem Jahr aber nicht. Stattdessen entstehen sieben Festareale, für die Tickets gebucht werden müssen. Tagsüber gibt es auf der Spiellinie an der Kiellinie, auf der Geomar-Wiese, im Schlossgarten, auf dem Rathausplatz und am Bootshafen Mitmachaktionen, Eventmodule und Workshops für Familien, Kinder und Jugendliche. Abends gehören die Bühnen dann regionalen Bands und bekannten Top-Acts. Hinzu kommen Philharmonische Konzerte, eine Opernpremiere des Theaters Kiel und Filmvorführungen. Die Live-Konzerte finden am Bootshafen und auf der Freilichtbühne Krusenkoppel statt. Dort wird es täglich von 17 bis 22 Uhr zwei Auftritte vor einem begrenzten Publikum sowie ein kleines Gastronomieangebot geben. 

Auf dem Rathausplatz und im Schlossgarten gibt es eine Konzert-Kinofläche. Dort werden die Konzerte übertragen. Pro Konzert werden jeweils weitere 500 feste Plätze für Besucher vergeben. Es gibt zwei Zeitfenster von 17 bis 19 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. Die Konzerte sollen aber nicht nur einem kleinen Kreis vorbehalten bleiben. Wenn alle Plätze ausgebucht sein sollten, können Konzerte, Opernauftritte und Theaterstücke auch von zu Hause aus gesehen werden - über den Online-Livestream unter www.kiel.live. Dort können Interessierte auch die Segelwettbewerbe verfolgen - Besucher sind in Schilksee nämlich nicht zugelassen.

Karte: Kieler Woche 2020

Kieler Woche mit Vorbildfunktion

Philip Dornberger und sein Team haben sich in den vergangenen Monaten ein System überlegt, das eine gewisse Flexibilität bietet. "Wir können einzelne Elemente aus dem Konzept herausnehmen, ohne das alles zusammenbricht", erklärt er. Das sei natürlich nicht das Ziel, aber ein Notfallplan. "Wir wollen eine sichere Veranstaltung. Wir werden mit der Kieler Woche deutschlandweit etwas auslösen. Entweder werden wir zeigen, dass es geht - oder wir werden zeigen, dass es nicht geht", sagt Dornberger. Er möchte mit der Kieler Woche ein Vorbild sein für andere Veranstaltungen, denn "wir müssen im Moment davon ausgehen, dass wir mit dem Thema Corona leben müssen".

Ticket-Bestellung: online oder telefonisch

Unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Regeln des Landes Schleswig-Holstein sind auf den einzelnen Flächen maximal 500 Personen zugelassen, auf einigen sind es sogar nur 150. Der Zugang ist nur mit einem personalisierten Ticket möglich. Die begrenzten und kostenlosen Eintrittskarten können online bestellt werden: www.meine-kieler-woche.de. Außerdem ist eine Hotline ab sofort von 9 bis 19 Uhr und ab dem 4. September bis zum Ende der Kieler Woche täglich von 9 bis 21 Uhr besetzt: (0431) 901 905.

Zur Rückverfolgung möglicher Infektionsketten müssen die Kontaktdaten angegeben werden. Die hinterlegten Daten werden beim Zutritt auf die Fläche mit einem Ausweisdokument abgeglichen. Insgesamt stehen 50.000 Tickets zur Verfügung - 5.000 pro Tag für zehn Tage. 

Strenge Hygienevorgaben 

Für alle sieben Festareale gelten strenge Sicherheits- und Hygieneregeln zum größtmöglichen Schutz vor Infektionen. Es gilt: Abstand halten. Absperrungen, Bodenmarkierungen und Raumtrenner sollen helfen, sich daran zu halten. Gäste, die ein Areal betreten oder sich dort bewegen, müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. An den Plätzen selbst herrscht keine Maskenpflicht. Alle Areale werden großräumig abgezäunt. Außerdem werden Bauzäune durch Banner blickdicht verhangen, so dass keine Einblicke in die Veranstaltungsbereiche möglich sein werden. Und zwischen den einzelnen Flächen gibt es keine Gastronomie-Stände. Außerdem werden Hygienehelfer unterwegs sein. Zusammen mit dem kommunalen Ordnungsdienst und der Polizei kontrollieren sie, ob die Auflagen eingehalten werden.  

Philipp Dornberger lächelt in die Kamera. © LH Kiel Foto: Bodo Quante
Philipp Dornberger ist Leiter des Kieler Woche Büros. Er ist gespannt, ob sein Konzept funktioniert.
"Jeden Tag neu abwägen"  

Eine Generalprobe für die Kieler Woche unter Corona-Auflagen gibt es natürlich nicht. "Falls wir am ersten Freitag feststellen, das funktioniert vorne und hinten nicht, dann kann es sein, dass ab Samstag kein Areal mehr offen ist", sagt Dornberger. Er rechnet jedoch nicht damit, dass das passieren wird. Die Menschen hätten sich mittlerweile an die Corona-Auflagen gewöhnt. "Jeden Tag werden wir neu abwägen, wie mit Hotspots umgegangen wird - bis hin zum Abbruch oder Teilabsage der Veranstaltung." Eine digitale Bühne für den Online-Livestream könne auch ohne Gäste aufgenommen werden.  

Dornberger freut sich auf die Corona Kieler Woche und ist gespannt, ob sein Konzept funktionieren wird. Aber er gibt zu: "Das einzige, was ich schade finde, ist, dass das Flexible auf der Kieler Woche nicht geht. Sie lebt ja davon, dass man sich einfach durch die Stadt treiben lässt. Dann trifft man jemanden und bleibt da hängen. Das geht halt nicht." So wird es mit Sicherheit auch vielen anderen Kielern gehen. Bis zum Auftakt ist noch ein wenig Zeit, um doch noch in Kieler Woche Stimmung zu kommen - für diese neue Corona-Ausgabe der Kieler Woche.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.09.2020 | 19:30 Uhr

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