Schulstart in der Omikron-Welle: Wie geht es den Schülern?

Stand: 14.01.2022 17:02 Uhr

Erst Schnelltest, dann Schiller. Für Schleswig-Holsteins Schülerinnen und Schüler begann das neue Jahr mit Unterricht unter höchster Inzidenz. Welche Gedanken und Gefühle löste das aus? Wir haben nachgefragt.

Wie schnell sich die Omikron-Variante des Coronavirus verbreiten kann, haben hunderte Disco-Besucher in Schleswig-Holstein erfahren. Rund um Weihnachten steckten sie sich auf Partys an. Danach schnellte die Inzidenz im Land nach oben - die Werte so hoch wie noch nie. Ausgerechnet zum vorläufigen Höhepunkt dieser Omikron-Welle begann für zehntausende Schülerinnen und Schüler der Schulunterricht im neuen Jahr. Wie haben die Schülervertreter der Heinrich-Heine-Gemeinschaftsschule in Büdelsdorf den Schulstart wahrgenommen?

Wiedersehensfreude und Quarantäne-Angst

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Eine Schülerin sitzt an einem Tisch auf der eine Federmappe mit einem negativen Corona-Schnelltest liegt. © picture alliance / Fotostand | Fotostand / K. Schmitt Foto: Fotostand / K. Schmitt

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"Man ist natürlich freudig in die Schule gegangen, weil man seine Freunde wiedersieht. Aber auf der anderen Seite natürlich auch ängstlich", sagt Schülerin Mia Fiß. "Man wusste es sind viele feiern gegangen und in der Schule ist man ja mit vielen Menschen auf engem Raum."

Um das Infektionsrisiko im Klassenzimmer zu reduzieren und einen großen Omikron-Ausbruch zu verhindern, hat das Bildungsministerium in Kiel unter anderem drei Schnelltests in der Woche angeordnet. Insgesamt 585.000 Tests haben die Schulen dem Ministerium in der ersten Schulwoche 2022 gemeldet. Davon waren 1.850 Tests bei Schülern positiv, von den Lehrern wurden 100 positiv getestet. Die Betroffenen mussten dann zum PCR-Test und im Fall der Fälle auch in Isolation.

Mit einem unguten Gefühl in den Unterricht

In Isolation zu müssen, ist für viele Schüler eine schlimme Vorstellung, auch weil sie sich Sorgen um ihre Angehörigen machen. "Meine Eltern sind beispielsweise selbstständig", sagt Karlotta Overath. "Man weiß auch nicht, wie die Quarantäne dann ist. Ob man unterrichtet wird oder nicht. Man ist dann 14 Tage weg und das ist erst einmal ein Hammer."

Ein Schüler steht auf einem Schulhof und wird interviewt. © NDR
Schülersprecher Florian Rose im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein

Diese Erfahrung müssen immer mehr Schüler machen. Laut Zahlen des Bildungsministeriums befanden sich am Ende dieser Woche mehr als 3.200 Schüler in Isolation. Hinzu kommen die Kontaktpersonen. "Es gibt einige auch aus meinem Freundeskreis, die in Isolation mussten, obwohl sie geimpft waren", sagt Florian Rose. Grundsätzliche Diskussionen darüber, wer sich impfen lassen hat und wer nicht, gebe es in den Klassen jedoch nicht so sehr. "Ich finde das Testen in unserem Alter wichtig, dass das alle machen. Wir sind jedoch alle noch minderjährig und mit 18 Jahren sollte man sich intensiv mit der Impfung beschäftigen." Bis dahin hätten die Schüler seiner Meinung nach noch einen Welpenschutz.

Freizeit ohne Freiheit

Was nicht so lang warten kann, ist die Jugend der Schülerinnen und Schüler, die nun bereits ins dritte Coronajahr geht. "Die Jugendzeit ist einmalig und wichtig und die leidet extrem", sagt Florian Rose. "Einfach mal ins Kino oder essen gehen, das muss man ganz intensiv planen und die Spontaneität, die wir früher hatten, hat man jetzt nicht mehr."

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Das empfindet auch Mia Fiß so. Erst einmal stünde immer die Frage im Raum, ob jemand bereits getestet, vielleicht sogar geimpft oder schon geboostert ist. Treffen mit gleich mehreren Freunden seien zur Zeit undenkbar: "Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich das letzte Mal mit mehr als einer Person getroffen habe, weil das uns zu unsicher ist", sagt Mia Fiß.

Medienkompetenz bei Schülern und Lehrern gestiegen

Ein Eindruck der Schüler bleibt: Auch im dritten Coronajahr müssen Schüler und Lehrkräfte häufig improvisieren, was ihnen aber immer besser gelingt. Im Laufe der Zeit hätten nämlich alle ein großes Stück Medienkompetenz gewonnen: "Viele Lehrer wussten anfangs gar nicht, wie sie mit Homeschooling umgehen und Aufgaben online hochladen sollten", sagt Florian Rose. "Inzwischen haben wir Lehrer, die vor einer Klausur noch ein YouTube-Video hochladen oder eine Online-Sprechstunde abhalten."

Die Schüler haben ihre eigenen Kommunikationskanäle umfunktioniert. Während sie die Kommunikationsplattform Discord früher vor allem für Gruppenchats rund um Online-Videospiele verwendet haben, würden sie darüber heute Projekte organisieren und sich bei Hausaufgaben gegenseitig unterstützen.

Bildungsministerin Prien zieht positive Bilanz der ersten Schulwoche

Unterdessen hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) eine positive Bilanz zur ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien gezogen. "Es war und ist die richtige Entscheidung, die Schulen mit verstärkten Hygienemaßnahmen im Präsenzbetrieb zu öffnen", schreibt Prien in einer Mitteilung. "Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen jetzt so viel Normalität wie möglich." Nach Einschätzung des Kultusministeriums seien Schüler und Lehrkräfte vergleichsweise geringer am Infektionsgeschehen beteiligt, als die Gesamtbevölkerung. Damit das so bleibt, will das Ministerium an drei Coronatests für Schüler und Lehrer pro Woche festhalten.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.01.2022 | 19:30 Uhr

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