Stand: 28.09.2020 19:55 Uhr

Steigende Corona-Zahlen: Kommunen in SH reagieren

Die Städte Flensburg, Rendsburg und Wesselburen (Kreis Dithmarschen) sowie die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Pinneberg haben mit stark gestiegenen Corona-Infektionen zu tun. Noch liegt Flensburg beim Corona-Richtwert knapp unter 30. Doch erst Mitte bis Ende der Woche liegen die Testergebnisse von mehreren Hundert Schülern vor. 160 von ihnen waren am Sonntag an einer mobilen Station getestet worden.

Weitere Massentests in Flensburg

250 weitere Schüler werden am Dienstag und Mittwoch getestet. Somit bereitet sich die Stadtverwaltung bereits jetzt darauf vor, dass Flensburg zum Risikogebiet innerhalb Deutschlands werden könnte und die Warnschwelle überschreitet. In diesem Fall wären für alle Flensburger Reisen innerhalb Deutschlands eingeschränkt. Aus dem Rathaus heißt es, ein Lockdown solle vermieden werden.

Zuletzt lag laut Robert Koch-Institut - Stand Sonntag um Mitternacht - die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet auf 100.000 Einwohner für Flensburg bei 29. "Wir hoffen, dass wir den Zenit erreicht haben", sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf. "Aber man muss damit rechnen, dass noch was dazukommt."

Private Feier in Dänemark als Infektionsherd?

Alle neuen Corona-Fälle in Flensburg gehen offenbar auf eine Hochzeits- oder Verlobungsfeier vor zwei Wochen in der dänischen Kommune Apenrade zurück. Mehr als 100 Menschen waren laut der Stadt Flensburg bei der Feier dabei. "Etwa ein Viertel der Teilnehmer kam aus Flensburg", sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf NDR Schleswig-Holstein. Die Flensburger Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich auch viele deutsche Gäste dort mit dem Coronavirus infiziert haben. Über schwere Verläufe ist nichts bekannt. "Es ist schwer nachzuvollziehen, was genau auf dieser Feier passiert ist", so Teschendorf. Auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein hatten die dänischen Behörden keine Kenntnis von der Veranstaltung.

Mehr als 350 Flensburger in Quarantäne

14 Schulklassen aus Flensburg und insgesamt mehr als 350 Menschen sind inzwischen in Quarantäne - laut Teschendorf voraussichtlich bis zu den Herbstferien. Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) rief auf Facebook dazu auf, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und gerade jetzt mitzuhelfen, weitere Infektionen zu vermeiden. "Wir wollen schauen, was konkret notwendig ist, um dieses eine Fallgeschehen (die Folgen der Feier in Apenrade, Anm. d. Red.) in den Griff zu kriegen", sagte Lange NDR Schleswig-Holstein.

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Mund-Nasen-Schutz-Pflicht an Rendsburger Schulen

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde verschärfte seine Corona-Auflagen - speziell für die Stadt Rendsburg. An allen Schulen der Stadt gilt jetzt: Alle Kinder müssen überall einen Mund-Nasen-Schutz tragen, nur wenn sie in der Klasse an ihrem Platz sitzen nicht. So sollen laut Kreis auch Ansteckungen innerhalb der Kohorten minimiert werden. Außerdem gibt es ganz konkrete Regeln, wie und wie oft die Klassenräume belüftet werden müssen.

Rendsburg-Eckernförde: Verschärfte Meldepflicht für Veranstaltungen

Im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde gilt darüber hinaus ab sofort: Private Veranstaltungen mit 25 oder mehr Menschen müssen spätestens drei Tage vor Beginn angemeldet werden. Die Anzeigepflicht gelte für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, bei denen keine festen Sitzplätze vorhanden sind oder diese nicht nur kurzzeitig verlassen werden sowie für Veranstaltungen im privaten Wohnraum und auf dem dazugehörigen Grundstück, hieß es in einer Mitteilung des Kreises. Außerdem ist ein Hygienekonzept vorzulegen.

Bußgeld bis zu 25.000 Euro

Nach der Veranstaltung muss spätestens nach drei Tagen eine Liste mit den tatsächlich gekommenen Personen eingereicht werden. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen können ein Bußgeld bis zu 25.000 Euro nach sich ziehen. Die Einführung einer Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch im öffentlichen Raum sei geprüft, allerdings vorerst zurückgestellt worden, hieß es.

Minister Garg will landesweite Verschärfungen vermeiden

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) reagierte am Montagabend zurückhaltend auf die Frage, ob Corona-Regeln landesweit wieder verschärft werden müssten. "Ich möchte wirklich vermeiden, dass wir wieder zu Verschärfungen von Maßnahmen kommen", sagte Garg NDR Schleswig-Holstein. "Ich finde, die zurückgewonnenen, mühsam erarbeiteten Freiheiten sollten wir nicht durch leichtsinniges oder sogar mutwilliges Verhalten aufs Spiel setzen."

Kreis Pinneberg: Mund-Nasen-Schutz-Empfehlung an Schulen

Im Kreis Pinneberg sind aktuell 200 Schüler in Quarantäne. 400 werden derzeit zu Hause unterrichtet. Außerdem empfiehlt der Kreis dringend allen Schülern und Lehrern den gesamten Tag über in den Einrichtungen eine Mund-Nase-Maske zu tragen. Hunderte Schüler im Kreis waren am Wochenende beim Corona-Test. Die Ergebnisse erwartet die Kreissprecherin für die kommenden Tage. Hintergrund der vielen Tests sind mehrere Infizierte und Verdachtsfälle an insgesamt sechs Schulen im Kreis Pinneberg.

Wesselburen sperrt Sportplatz und Spielplätze

In Wesselburen (Kreis Dithmarschen), wo in den vergangenen Tagen ebenfalls viele neue Fälle auftraten, reagierten die Behörden auch mit Einschränkungen. So bleiben unter anderem Sportplatz, Spielplätze und die Bücherei bis zum 11. Oktober geschlossen, wie die Stadt am Montag auf ihrer Homepage mitteilte.

In der Kleinstadt waren mehrere Corona-Fälle in einem Viertel festgestellt worden. Dort sollen demnächst ganze Straßenzüge getestet werden. Solche Tests wären freiwillig, sagte Renate Agnes Dümchen, die den Geschäftsbereich Familie, Soziales, Gesundheit beim Kreis Dithmarschen leitet.

Die Watt'n Meer School in Wesselburen wurde vorsichtshalber geschlossen. Die Schüler werden bis zu den Herbstferien zu Hause unterrichtet, genauso wie die der Eider-Nordsee-Schule.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.09.2020 | 15:00 Uhr

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