Stand: 23.05.2020 06:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Prostituierte geraten in Zeiten der Corona-Pandemie in Not

Es gibt Dinge, die kann man mit einem Mindestabstand von 1,50 Metern machen - Sexarbeit gehört aber nicht dazu. Seit zwei Monaten dürfen Prostituierte wegen der Corona-Pandemie im Land nicht arbeiten. Die Bordelle bleiben geschlossen. Dadurch ist für viele die eigene Existenz bedroht. Viele Prostituierte, die aus dem Ausland kommen, sind noch vor der Kontaktsperre in ihre Heimat zurückgereist. Einige sind aber hier geblieben - und beschäftigen sich jetzt mit vielen Fragen über die eigene Zukunft.

Corona: Viele Prostituierte haben Existenzängste

Schleswig-Holstein Magazin -

Sexuelle Dienstleistungen mit Körperkontakt sind wegen der Corona-Pandemie verboten. Das Gewerbe gerät in Schwierigkeiten, Prostituierte in Existenznot. Eine Sexarbeiterin berichtet über ihre Situation.

2,63 bei 30 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Beratungsstelle: Es entsteht eine gefährliche Abhängigkeit von Freiern

"Der Job ist wichtig für mich. Ich mache mir viele Gedanken, habe Schulden und ich ernähre meine Familie in der Heimat", sagt eine Sexarbeiterin NDR Schleswig-Holstein. Sie möchte nicht namentlich genannt werden. Auch wo sie arbeitet, bleibt ein Geheimnis. Sie ist aktuell bei ihrem Sohn untergekommen, schläft dort auf der Couch. Doch eine dauerhafte Lösung sei das nicht, erzählt sie. Damit stehe die Frau allerdings immer noch besser da, als einige anderen Kolleginnen, berichten die Beratungsstelle Cara Neumünster und das Frauennetzwerk Kiel. Denn einige seien aus Not bei ihren Freiern untergekommen. Dadurch entstehe ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis für die Frauen, so die Beratungsstellen.

Selten Ansprüche auf finanzielle Unterstützung

Aus der Not heraus würden einige Prostituierte daher auch illegal weiterarbeiten. Sex zum Teil für zehn Euro anbieten, nur damit sie sich Essen und Trinken leisten können, erklärt Stefanie Kohlmorgen vom Frauennetzwerk Kiel. Offiziell gemeldet sind in Schleswig-Holstein derzeit 1.353 Prostituierte. Die Beratungsstellen schätzen die Zahl aber auf 3.000 bis 8.000. Weil viele von ihnen illegal hier sind, haben sie keine Aufenthaltserlaubnis, keine Arbeitsberechtigung, keine Meldeadresse - und damit auch keine Ansprüche auf finanzielle Unterstützung. Andere können die Anträge nicht ausfüllen oder lesen. Und dann ist da noch die Angst, sich zu outen. Auch die Alternativen wie Chats, Internetportal oder Telefonsex kommen nicht in Frage. Denn teilweise haben die Frauen keine Ahnung von Computern, kein Geld für die Webcam oder es scheitert an der Unterkunft.

Kaum Kontrolle durch Ordnungsämter

Wer dennoch weiterarbeitet, wird selten überprüft. Die Polizei verweist an die Ordnungsämter. Die wiederum sagen, die Kontrolle von Spielplätzen oder Touristen hätte Priorität. Das führt bei vielen zum Zwiespalt: Entweder Geld leihen, in die Schulden rutschen oder illegal weiterarbeiten. "Einige Kunden haben sich gemeldet. Die Versuchung, weiter zu arbeiten, ist groß, weil ich das Geld brauche. Aber die Angst vor Corona ist größer", sagt die Prostituierte. Das Amt zahlt ihr nun ein Hotelzimmer - ausschließlich zum Wohnen. Ein Antrag auf Hartz IV wird geprüft.

Weitere Informationen

Ausländische Prostituierte: Ohne Geld und Familie

05.05.2020 14:00 Uhr

Viele Prostituierte, wie die in der Braunschweiger Bruchstraße, trifft die Corona-Krise schwer. Sie verdienen nichts, sind nicht versichert und sitzen fernab der Heimat fest. mehr

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.05.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:23
Schleswig-Holstein Magazin

Weitere Öffnung von Kitas und Schulen

Schleswig-Holstein Magazin
02:54
Schleswig-Holstein Magazin
03:51
Schleswig-Holstein Magazin

Wo ist eigentlich Serpil Midyatli?

Schleswig-Holstein Magazin