Forscher aus Lübeck erzielen Erfolg bei Long Covid

Stand: 04.11.2021 18:00 Uhr

Long Covid ist eine mögliche Folge von Corona und trifft immer mehr Menschen - auch jüngere. Wissenschaftler von der Uni Lübeck forschen an den Ursachen und haben jetzt neue Erkenntnisse gewonnen.

Long Covid kann nach einer Infektion mit dem Coronavirus entstehen. Gedächtnisstörungen, Atemnot bei Belastung, extreme Erschöpfung - etwa 200 Symptome gehen mit Long Covid einher. Oft treten die Symptome erst Monate nach der Corona-Erkrankung auf. Zehn Prozent der Genesenen entwickeln das Post-Covid-Syndrom, schätzungsweise sind das bundesweit aktuell bis zu 800.000 Menschen. Arbeiten ist für Betroffene oft nicht mehr möglich, Ausruhen bringt keine Linderung. Die Erkrankten sind oftmals verzweifelt, viele Ärzte ratlos. Mittlerweile gibt es zwar spezielle Maßnahmen zur Rehabilitation, Training und körperliche Anstrengung verschlimmern allerdings oft den Zustand. Die Ursache von Long Covid und die Aussichten auf Heilung sind bisher noch unklar. Unsicher ist auch, ob es sich vielleicht sogar um bleibende Schäden handelt.

Corona lässt Gehirnzellen sterben

Forscher von der Uni Lübeck sind den Ursachen von Long Covid im Labor auf der Spur. Erste Erkenntnis: Das Coronavirus lässt Gehirnzellen absterben. In Versuchen mit Mäusen konnten die Lübecker Forscher nachweisen, dass ein bestimmtes Protein dafür verantwortlich ist: das Nemo-Protein. "Nach unseren Befunden wird Nemo durch das Virus gespalten", sagt der Institutsleiter Prof. Markus Schwaninger. "In manchen Zellen ist Nemo aber unersetzlich. In Zellen, die die Blutgefäße im Gehirn auskleiden, muss Nemo vorhanden sein, damit die Zellen überleben können", erklärt Schwaninger weiter. Die Folge der Spaltung: Die Zellen sterben ab.

Parallelen zu Alzheimer und Schlaganfall

Am Nemo-Protein forscht das Team an der Uni Lübeck schon lange, denn auch bei Krankheiten wie Alzheimer und Schlaganfällen ist es verantwortlich für den Zellverfall. Für die Corona-Forschung bedeuten die neuesten Erkenntnisse einen Durchbruch. Das Team der Lübecker Uni muss die Ergebnisse aber noch mit weiteren Tests belegen.

Medikament theoretisch möglich, aber in ferner Zukunft

Eine Unterbindung des Zellverfalls steht auch im Fokus der Forscher: "Wir haben herausgefunden, wie der Zelluntergang bei diesen Gefäßen zustande kommt, und interessant ist, dass wir eingreifen können", sagt Schwaninger. Die Entwicklung eines Medikaments würde allerdings mindestens ein Jahr dauern und ein bestehendes Long Covid-Syndrom könnte es nicht lindern. Wirken würde solch eine Arznei nur im Akutstadium - vorbeugend. Vor den Wissenschaftlern liegt also noch ein weiter Weg.

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Schleswig-Holstein Magazin | 04.11.2021 | 19:30 Uhr

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