Stand: 21.09.2020 14:16 Uhr

Coronazahlen in Neumünster steigen: Garg ruft zu Verantwortung auf

Weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Neumünster stark ansteigt, ist auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) in Sorge. "Jetzt müssen aus meiner Sicht erste Maßnahmen getroffen werden, um den steigenden Infektionsgeschehen in Neumünster Herr zu werden", betonte er. Es sei wichtig, Infektionsketten schnell zu finden und zu durchbrechen - und das Isolieren von Menschen, die ansteckungsgefährdet sind. Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras (CDU) hatte gerade angekündigt: "Sollten die Fallzahlen weiter so stark steigen, werden wir gezwungen, das gesellschaftliche Leben in Teilen wieder herunterzufahren."

Minister beobachtet bei Familienfeiern eine "gewisse Sorglosigkeit"

Garg hat derzeit "bundesweit den Eindruck, dass insbesondere jüngere Menschen einfach keinen Bock mehr auf Pandemie haben". Auch bei Familienfeiern sei eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten. Oftmals trügen Menschen keinen Mund-Nasenschutz, wo dieser vorgeschrieben sei. "Wer eine Quarantäne bricht, der verstößt nicht nur gegen geltendes Recht, sondern der gefährdet ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger", sagte Garg weiter.

Gesellschaftliches Leben herunterfahren?

In Schleswig-Holstein verzeichnet Neumünster als einzige Stadt wieder massiv gestiegene Corona-Zahlen. Die 7-Tage-Inzidenz lag am Montag 0 Uhr bei 31,5 Fälle auf 100.000 Einwohner berechnet, wie aus Angaben des Robert Koch-Instituts hervorgeht. "25 bestätigte Neuinfektionen gab es in der vergangenen Woche in der Stadt und wenn noch 15 Fälle hinzukommen sollten, würde Neumünster den 7-Tage-Inzidenz-Grenzwert von 50 Fällen auf 100.000 Einwohner überschreiten", sagte ein Sprecher der Stadt am Montag.

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Neumünster hat etwa 79.500 Einwohner. In Schleswig-Holstein bewerten bereits bei einem 30er-Wert der betroffene Ort und das Gesundheitsministerium in Kiel die Situation gemeinsam. "Über Maßnahmen würde die Stadt Neumünster nach Rücksprache mit dem Ministerium entscheiden", sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. "Wir sind miteinander im Gespräch."

Amtsärztin: Verantwortlich sind nicht nur Reiserückkehrer

Die Leitende Amtsärztin Alexandra Barth spricht von einer zweiten Welle. Ein Indiz dafür ist laut Barth die Tatsache, dass sich die Neumünsteraner mittlerweile bei Veranstaltungen, am Arbeitsplatz, bei Familienfeiern sowie in der Öffentlichkeit anstecken und nicht mehr nur Reiserückkehrer für die steigenden positiv getesteten Fälle verantwortlich sind. "Die Neumünsteraner gehen absolut unvernünftig mit der bedrohlichen Situation um", meinte die Amtsärztin. Selbst ein Negativtest sei nur eine Momentaufnahme. "Wer Kontakt zu einem Infizierten hatte und negativ getestet ist, muss dennoch 14 Tage in Quarantäne bleiben, da die Krankheit noch ausbrechen kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.09.2020 | 15:00 Uhr

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