Medizinische und FFP-2-Masken liegen auf einem Tisch. © NDR Foto: Anja Deuble

Corona: Diskriminiert, obwohl von der Maskenpflicht befreit

Stand: 29.04.2021 14:42 Uhr

Mehr als doppelt so viele Eingaben wegen Diskriminierung - und oft geht es um die Maskenpflicht: Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle El Samadoni fordert einen behördlichen Ausweis zur Befreiung von der Pflicht.

Die Anzahl der Beratungsfälle hat sich im Berichtszeitraum 2019/2020 im Vergleich zu den beiden Vorjahren mehr als verdoppelt. Fast 700 Eingaben gingen in Kiel ein, in mehr als 300 Petitionen ging es um Fälle rund um die Maskenpflicht.

Trotz Attest: Keine Maske, kein Zutritt

Meist sind es gesundheitliche Gründe: Die Landesverordnung sieht Ausnahmen für Menschen vor, die nachweisen können, dass sie von der Maskenpflicht befreit sind. Doch trotzdem werde manchen von ihnen in Geschäften der Zutritt verwehrt, berichtet Samiah el Samadoni: "Es besteht ein ganz großes Problem für Menschen, die zurecht befreit sind vom Mund-Nasen-Schutz, weil wir im Moment eine Situation haben, in der Geschäftsinhaber auch den Zutritt trotz einer Befreiung nicht erlauben."

Ein behördlicher Ausweis als Lösung?

Die Betroffenen würden so von der Teilhabe ausgeschlossen und damit diskriminiert, so El Samadoni. Ein Grund für dieses pauschale Vorgehen von Geschäftsleuten liegt nach ihren Worten darin, dass die Befreiung von der Maskenpflicht unter anderem von sogenannten Querdenkern massenhaft missbraucht werde und sich die Geschäftsinhaber dagegen kaum wehren könnten. So gebe es in sozialen Netzwerken Hinweise auf Ärzte, die Gefälligkeitsatteste ausstellen würden. El Samadoni wirbt deshalb für einen offiziellen, fälschungssicheren behördlichen Ausweis zur Befreiung von der Maskenpflicht.

Ärger um Vergabe von Impfterminen

Außerdem landeten zahlreiche Beschwerden von älteren Menschen bei der Antidiskriminierungsstelle. "Wir hatten auch den Schwerpunkt, dass im Bereich der Digitalisierung zunehmend auch Altersdiskriminierung vorkommt. Ganz einfach, weil die Digitalisierung natürlich sehr exklusiv ist, und wer die Kompetenzen nicht hat, wer die Technik nicht hat, der kann dann oft auch nicht mehr teilhaben", erklärte El Samadoni.

Als Beispiel nannte sie die organisatorischen Probleme und technischen Hürden bei der Terminvergabe für die Impfungen gegen das Corona-Virus. Es ging aber auch generell um Leistungen, die zunehmend nur noch digital zur Verfügung gestellt werden. "Wir haben auch ein Problem dort, wo zum Beispiel die Bewerbung um Wohnraum nur noch digital mit E-Mail-Adresse oder über ein Formular im Internet erfolgen kann."

Analoge Alternative ist nötig

El Samadoni appellierte, bei allen Digitalisierungsprozessen müsse stets auch die Lebensrealität von lebensälteren Menschen beachtet werden. Es sei nach wie vor notwendig, neben digitalen Möglichkeiten auch eine analoge Alternative anzubieten. Menschen ab einem bestimmten Lebensalter könnten nicht pauschal ausgeschlossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.04.2021 | 12:00 Uhr

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