Stand: 19.04.2020 05:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Brautkleider und Abendmode im Absperrband-Parcours

von Kai Peuckert

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Mit Absperrband hat Henning Jürgensen die Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter verringert.

Rot-weißes Absperrband hat in Henning Jürgensens Geschäft für Festmoden eigentlich nichts zu suchen. Doch aktuell bestimmt es den Look der Verkaufsräume in Tellingstedt (Kreis Dithmarschen). Eigentlich verkauft der Geschäftsführer von Laue Festgarderobe mit seinem Team Hochzeits-, Abend- und Geschäftsmode auf einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern. Er ist eines der größten Häuser dieser Art in Deutschland und gerade für seine Brautkleider bekannt. Am Donnerstag (16.4.) hat die Landesregierung bekannt gegeben, nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen in der Corona-Krise ab dem 20.4. wieder öffnen. "Wir hatten gehofft, dass wir die Größe unseres Raumes ausnutzen und dann eine Personenbeschränkung einführen können, damit die 4.000 Quadartmeter nicht übervölkert sind", sagte Jürgensen NDR Schleswig-Holstein.

Parcours durch Damen-, Herren- und Brautabteilung

Sein Geschäft geschlossen zu lassen, das kam für Jürgensen nicht in Frage. Der Frühling ist die Hauptsaison für Abend- und Hochzeitsmode, einen Großteil des Jahresumsatzes erwirtschaftet das Haus von Mitte März bis Mitte Mai, darum hat Jürgensen kurzerhand etwas weniger als ein Fünftel seiner Verkaufsfläche "abgeflattert", wie er es nennt. "Letztlich haben wir sozusagen einen Parcours erstellt, der sich durch die Damen-, die Herren- und die Brautabteilung erstreckt, so dass in jedem Bereich probiert werden kann und auch Ware gesehen werden kann." Allerdings erstmal nur über das Absperrband hinweg. In diese Bereiche dürfen nur die Angestellten.

Gesichtsmasken für jeden Kunden

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Die Kunden von Henning Jürgensen benötigen einen Termin. Das Geschäft stellt jedem Gast eine Gesichtsmaske zur Verfügung.

Mit Schildern wird in Tellingstedt auf den Mindestabstand von 1,5 Meter hingewiesen und im Eingangsbereich wird Desinfektionsmittel bereitgestellt. Zusätzlich erhält jeder Kunden eine Gesichtsmaske. Nicht jede Anprobe wird geöffnet sein. So wollen Jürgensen und sein Team sicherstellen, dass sich niemand in ihren Räumen mit Corona infiziert und sich die Kunden sicher fühlen. "Wir haben uns daran orientiert, dass wir eher ein bisschen zu viel machen, was diese Hygienemaßnahmen angeht", sagte Jürgensen. Denn er will auf keinen Fall, dass es eine erneute Zwangsschließung gibt. "Wir sind froh, dass es los geht. Weil es für uns und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hoffnung gibt", erläuterte der Geschäftsführer.

Pinneberg: Modehaus Kunstmann öffnet

Das wollen auch die anderen Einzelhändler in Schleswig-Holstein nicht. Viele Geschäfte mit einer zu großen Verkaufsfläche, reduzieren ihre Läden unter die 800-Quadratmeter-Grenze und setzen die geltenden Hygienebestimmungen um. In Pinneberg haben die Mitarbeiter das Modehaus Kunstmann fast vollständig desinfiziert. Zudem wurden Areale abgesperrt, so bleibt die Sportabteilung nach Angaben von Katrin Kunstmann vorerst geschlossen. Es wurde aber Ware ins Erdgeschoss gebracht, damit die Kunden sich einen Überblick verschaffen können. Teammitglieder, die alle Mundschutz tragen werden, sollen dann zum Beispiel Schuhe aus der Abteilung holen. Außerdem wurde an den Kassen ein Spuckschutz aus Kunststoff-Glas installiert. Katrin Kunstmann hätte sich gewünscht, dass es statt der 800-Quadratmeter-Regel individuelle Lösungen gegeben hätte, gerade bei mittelständische Unternehmen. Dazu zählt zwar MediaMarktSaturn nicht. Das Unternehmen kritisiert aber auch diese Regel. Nach Ansicht des Elektronikhändlers können Kunden in großen Geschäften leichter den Mindestabstand vom 1,5 Metern einhalten.

In Tellingstedt sind Termine erforderlich

Zurück in Tellingstedt. Henning Jürgensen weiß, dass es durch die Maßnahmen noch mehr auf das Einfühlungsvermögen seiner Angestellten ankommt. Sie müssten die Wünsche der Kundinnen und Kunden aufnehmen und Rückfragen konkretisieren, damit sie nicht ständig neue Ware aus dem abgesperrten Bereichen holen müssen. "Insofern hängt es noch mehr davon ab, dass Kunde und Mitarbeiter gut zusammen harmonieren", erläutert der Geschäftsführer, der davon ausgeht, dass seine Fachkräfte trotzdem deutlich mehr laufen werden als bisher. Um ganz sicher zu gehen, dass sich wirklich nicht zu viele Personen im Geschäft befinden, darf man außerdem das Geschäft ab Montag (20.4.) nur mit Termin betreten. Auch die Zahl der Begleiter ist begrenzt: Zur Brautkleidberatung darf aktuell nur eine Person mitgebracht werden. Die Kunden scheinen diesen Weg mitgehen zu wollen. Am Freitag (17.4.) hat Jürgensen den neuen Terminkalender auf der Homepage freigeschaltet. Nach gut 24 Stunden waren bereits mehr als 200 Termine vergeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.04.2020 | 15:00 Uhr

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