Stand: 16.06.2019 05:00 Uhr

Zwei Sylter auf Hawaii - mit Ziegen und viel Käse

von Thomas Samboll

Sie heißen "Sunset", "Soho", "Ringo", "Booboo", "Pipe" oder "Hansi". Und sie hören alle auf Thomas Kafsack, den Ex-Nordfriesen. Er ist Ziegenfarmer auf Maui und führt gerade mal wieder ein paar Touristen über seinen Hof: "Hier seht ihr die jungen Mädels," erklärt der 66-Jährige, "Ihr könnt ihnen ein bisschen Heu geben", sagt er und versucht den Schaulustigen die Angst zu nehmen. "Sie können euch nicht beißen. Ziegen haben nur im Unterkiefer eine Zahnreihe."

Thomas Kafsack lebt seinen Traum auf Hawaii

Auf Sylt kam das Maui-Fieber

Neugierig kommen die kleinen Ziegen näher und zupfen den Besuchern das trockene Gras aus den Händen. Davon gibt es hier an den sanft ansteigenden, windgeschützten Nordwest-Hängen des Haleakala, an denen es nur selten regnet, eine Menge. Zwei Drittel der rund 17 Hektar großen Farm sind Weideland, auf dem neben tropischen Gräsern auch Palmen und Kakteen wachsen. In der Ferne liegen Zuckerrohrfelder, dahinter der tiefblaue Pazifik. Thomas Kafsack liebt das Meer. Und den Windsurf-Weltcup auf Sylt. Dort hatte ihn einst auch das "Maui-Fieber" gepackt.

Die Insel, die süchtig macht

"Da waren ja jede Menge Surfer dabei, die hier aus Maui oder aus Hawaii kamen", erinnert sich Thomas Kafsack an die Surf-Feten, die es am Brandenburger Strand von Westerland schon in den 90er-Jahren gab. Sein heutiger Insel-Nachbar Robby Naish war damals einer der Superstars der Szene. "Dann sind wir in den Herbstferien mit den Kindern nach Maui geflogen. Diese Inseln machen einfach süchtig, speziell Maui. Sie hat den Vorteil, dass wir eigentlich alles an Klima haben", nennt der 66-Jährige Gründe. "Wir haben wie hier ganz trockenes Klima. Gehst Du auf die andere Seite der Insel, da regnet es eigentlich fast täglich. Wenn Dir das zu warm hier unten ist, fährst du halt eben den Vulkan rauf. Da oben ist es kälter", erzählt Thomas Kafsack. "Im Winter liegt dort oben auch Schnee." Was dem ehemaligen Sylter aber nie einer glaubt, wenn er es erzählt.

Zwei Ziegen vor ihrem Stall mit weiter Grünfläche im Hintergrund. © Thomas Samboll Foto: Thomas Samboll

Sylter macht auf Hawaii in Ziegenkäse

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Thomas Kafsack hat seine Heimat Sylt verlassen, um auf der hawaiianischen Insel Maui in Ziegenkäse zu machen. Mittlerweile kommt der Käse bei den Insulanern am anderen Ende der Welt gut an.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Die Idee mit dem Ziegenkäse

Was es auf Hawaii jedoch lange nicht gab, war frischer Ziegenkäse. Im Hofladen ihrer Ex-Nachbarn auf Sylt waren Thomas und Eva Kafsack auf den Geschmack gekommen. Sie nahmen die Idee mit nach Maui. Obwohl er, der Computer-Fachmann, und sie, die Lehrerin, von Ziegen und Käse überhaupt keine Ahnung hatten: "Wir haben dann gelernt, wie das geht", sagt Thomas Kafsack. "Meine Frau hat das dann auf verschiedensten Ziegenhöfen in Schleswig-Holstein gelernt. Dann haben wir diverse Höfe in Frankreich und in Österreich besucht und alles, was wir an Tipps aufsaugen konnten, haben wir nur aufgesaugt", sagt der ehemalige Norddeutsche.

Beide lernten schließlich jedes Jahr mehr dazu. Es macht ihnen mittlerweile sehr viel Spaß, mit Ziegen zu arbeiten. "Die Tiere sind sehr schlau, sehr intelligent. Und sie lieben dich. Wenn du die ein paar Mal fütterst, laufen die hinter dir her", lacht Thomas Kafsack.

Surfbretter als Weidezäune

Ziegen können aber auch ziemlich anstrengend sein. Besonders wenn man die Böcke von den über 100 Ziegen-"Ladies" trennen will. Die ganz normalen Weidezäune haben sie zunächst einfach übersprungen. Deswegen mussten die Kafsacks diese noch höher machen - mit Surfbrettern. Ausgediente Surfboards als Weidezaun-Ersatz und als Klettergerüste für die Ziegen-Kinder - das gibt es wohl nur auf Maui. Die guten Kontakte der Kafsacks zur Surferszene machten es möglich - und gaben der Farm schließlich auch ihren Namen: "Surfing Goat Dairy".

Das fanden auch die Surfer klasse. "Und deswegen liegen und stehen inzwischen einige Hundert Surfbretter auf der Farm herum", schätzt der 66-Jährige: "Wenn Boards kaputt sind oder die nicht mehr mit diesen Boards surfen, tauschen wir das Board gegen Käse. Oder zwei, je nachdem, wie gut das Surfboard noch aussieht."

Ziegenkäse ohne "Ziegengeschmack"

Das mit dem Käse war am Anfang aber alles andere als einfach. Normalerweise ist Ziegenkäse auf Hawaii nämlich nicht so der Verkaufsschlager: "Fast alle Amerikaner mögen keinen Ziegenkäse, wenn er nach Ziege schmeckt", betont Thomas Kafsack. Frischer Käse von seiner Farm schmecke dagegen garantiert nicht nach Ziege, versichert er - und lässt seine Besucher einmal naschen: "Oh Mann, ich mag das total. Es schmeckt wunderbar", sagt einer, der offenbar gerade Ziegenkäse-Fan geworden ist.

"Ziege ist okay", meint ein anderer, deutlich zurückhaltender: "Eigentlich bin ich nicht so ein Fan von säuerlich-cremigem Käse." Eindeutig dagegen das Urteil der deutschen Touristin Pia Fritsch aus Hamburg: "Das schmeckt ein bisschen nach Pizza. Total witzig. Aber lecker. Scharf. Schmeckt jetzt vielleicht nicht wie normaler Ziegenkäse, man kann sich auf jeden Fall dran gewöhnen."

Auch die Obamas haben schon probiert

Bild vergrößern
Selbst Ex-US-Präsident Barack Obama soll schon Ziegenkäse von den Kafsacks bekommen haben.

Selbst Ex-US-Präsident Barack Obama habe sich schon Ziegenkäse von der "Surfing Goat Dairy" schmecken lassen, erzählt Thomas Kafsack stolz. Ständig würde er mit seiner Frau neue Käse-Kreationen entwickeln. Klingt nicht so, als würde der 66-Jährige und seine zwei Jahre ältere Ehefrau bald wieder nach Sylt zurückkehren: "Nein, wir haben beschlossen, dass wir hier auf Maui bleiben," sagt er und fügt an: "Die Leute, die hier auf Maui leben, die haben eine der längsten Lebenserwartungen überhaupt. Die Leute werden hier 105, 106, 108, 112 Jahre alt."

Manchmal kommt das Heimweh

Schöne Aussichten. Haben die beiden Norddeutschen im Pazifik ihr Paradies gefunden? Eva Kafsack zögert. Sie vermisse doch einiges auf Maui, sagt sie dann. Es klingt fast ein bisschen nach Heimweh. "Ich vermisse Museen, ich vermisse Geschichte in den Städten, ich vermisse Hamburg mit den breiten Straßen und der Alster", zählt sie auf. Es spreche aber auch viel für Maui, vor allem im Winter. "Im Sommer ist es mir zu heiß. Ich bin ein Nordlicht", stellt sie zum Abschluss klar.

Weitere Informationen
03:47
Nordtour

Ziegen-Trekking im Naturschutzgebiet

Nordtour

Svenja Furken bietet Ziegen-Trekking-Touren im Hamburger Naturschutzgebiet Höltigbaum mit streichelzahmen Tieren wie Thüringer Waldziegen an. Spaziergänge der besonderen Art. Video (03:47 min)

Der NDR

Sportclub History – Pioniere des Windsurfens

Der NDR

Erste Versuche im Windsurfen vor Sylt 1972 endeten im Chaos. "Sportclub History" erzählt von der Entwicklung der Trendsportart und vom Flair der Insel in den 1970er-Jahren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 06.06.2019 | 20:05 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:31
Schleswig-Holstein Magazin

Fahrfitness-Check für Senioren

Schleswig-Holstein Magazin
05:34
Schleswig-Holstein Magazin
01:00
Schleswig-Holstein 18:00