Stand: 19.12.2018 17:16 Uhr

Zu kleine Feuerwehr: In Grömitz wird Löschen Pflicht

Die Freiwillige Feuerwehr in Grömitz (Kreis Ostholstein) an der Ostsee wird zu einer Pflichtfeuerwehr. Das hat die Gemeindevertretung beschlossen. Der Hintergrund: Es gibt zu wenige Freiwillige. Jetzt müssen die Grömitzer damit rechnen, dass sie zum Dienst verpflichtet werden. "Ich bin damit nicht glücklich, aber es bleibt uns nichts anderes übrig", sagt der Gemeindewehrführer in Grömitz, Björn Sachau. Obwohl es in Schleswig-Holstein derzeit noch drei weitere Pflichtwehren gibt, sieht der Landesfeuerwehrverband keinen entsprechenden Trend. Menschen zu zwingen, dass sie helfen - das müsse wirklich das letzte Mittel sein, sagt Sprecher Holger Bauer.

Bürger ließen sich nicht überzeugen

Der Verband bietet deshalb an, bei Anwerbemaßnahmen oder beim Schlichten von Streit innerhalb einer Wehr zu helfen, bevor aus der Freiwilligen eine Pflichtwehr wird. In Grömitz hat Werbung nichts gebracht. Dort gibt es aktuell nur 35 Feuerwehrleute, gesetzlich vorgeschrieben sind aber mindestens 63. Man habe Bürger angesprochen, sie aber nicht überzeugen können, in die Wehr einzutreten, so Gemeindewehrführer Sachau. Die Gemeindeverteter haben deshalb die Reißleine gezogen und nun die Satzung für eine Pflichtfeuerwehr beschlossen.

Alle zwischen 18 und 50 können verpflichtet werden

Nun kann der Bürgermeister Frauen und Männer aus Grömitz zwischen 18 und 50 Jahren vorladen und sie dann verpflichten, wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. "Ich bin absolut nicht glücklich darüber", sagt Sachau. "Ich arbeite lieber mit hochmotivierten Leuten zusammen als mit Leuten, die eigentlich keine Lust haben."

Pflichtwehren in Friedrichstadt, List und Burg

Pflichtfeuerwehren gibt es auch in Friedrichstadt (Kreis Nordfriesland), List auf Sylt und Burg in Dithmarschen. In Burg hatte es nach einem Streit etliche Austritte gegeben. Mittlerweile sei aber alles wieder in Ordnung, berichtet Wehrführer Thomas Kusch: "Wir haben eine sehr junge, motivierte Gruppe. Es sind viele Freundschaften entstanden, die Kameradschaft ist super."

Kommt die Rückkehr zur Freiwilligen Feuerwehr?

Kusch ist optimistisch, dass aus der Pflichtfeuerwehr in Burg bald wieder eine Freiwillige Feuerwehr werden könnte, weil seiner Meinung nach kaum jemand auf das Gemeinschaftsgefühl verzichten will. Laut Landesfeuerwehrverband sind auch die Pflichtwehren in List und Friedrichstadt auf einem guten Weg, in den kommenden Jahren wieder freiwillige Wehren zu werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.12.2018 | 15:00 Uhr

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