Stand: 14.07.2017 20:43 Uhr

"Zora" soll Kinderaugen zum Leuchten bringen

"Heute möchte ich dir zeigen, wie aus einem Blumensamen eine Blume wird", ertönt eine Kinderstimme in einem Raum des UKSH in Kiel. Die Stimme ist weiblich, der Redefluss ist mechanisch abgehackt, aber trotzdem freundlich. Die Stimme gehört zu "Zora", einem humanoiden Roboter. "Zora" ist 59 Zentimeter groß und wiegt 4,5 Kilogramm. Sie hat einen weiß-blauen Körper mit zwei Beinen, zwei Armen und wirkt insgesamt sehr futuristisch. Sie spricht, bewegt sich, fokussiert ihr Gegenüber mit den Augen und zwinkert sogar. "Lass uns gemeinsam Spaß haben!", fordert sie den Klink-Clown Dr. med. Wurst auf und geht auf die Knie. Er macht es ihr nach.

Singen, Tanzen, an Medikamente erinnern

Genau das und noch einiges mehr soll "Zora" demnächst mit den Kindern und Jugendlichen auf der Station der Klinik für Jugend- und Kindermedizin machen: Singen, Tanzen, an die Einnahme von Medikamenten oder ans Trinken erinnern und Geschichten erzählen - auch in der Muttersprache der kleinen Patienten. Dabei geht es weniger um den medizinischen Nutzen des Roboters als vielmehr um die Entlastung des Personals. "'Zora' kann beispielsweise stündlich an die Durchführung einer bestimmten Atemübung erinnern, wo das Personal das vielleicht nur zweimal täglich schafft", erklärt Prof. Dr. Ulrich Stephani, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Gleichwertiger Gesprächspartner

Doch noch ist "Zora" nicht so weit. In Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten werden ihr momentan noch Programme und Bewegungsabläufe einprogrammiert. Seit zwei Wochen läuft die "Eingewöhnung". Es ist deutschlandweit das erste Projekt mit einem humanoiden Roboter in einer Klinik. Ziel des Projekts ist es, die Bedingungen für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter zu verbessern. "Für Erwachsene ist der Roboter vielleicht gewöhnungsbedürftig, doch für Kinder sind viel mehr Dinge noch normal. Für sie ist "Zora" ein gleichwertiger Gesprächspartner", erklärt Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH.

Noch nicht auf Zuruf

Mit Bewegungen erzählt "Zora", wie eine Blume entsteht. Erst kauert sie auf dem Tisch wie ein Samenkorn, dann richtet sie sich auf wie eine Blume, die wächst. Der Clown ahmt ihre Bewegungen nach - wie es später die Kinder tun sollen. Während "Zora" erzählt, lässt sie gleichzeitig passende Geräusche zur Untermalung ertönen. Das Rascheln der Blätter und Gräser in der Umgebung, prasselnder Regen, der die Blume wachsen lässt und eine leichte Brise, in der sich die Blume bewegt. Im Hintergrund haben die Techniker einen Blick auf die Steuerung. Noch funktionieren die Programme in "Zora" nicht auf Zuruf, sondern müssen über ein Tablet manuell gesteuert werden.

Kein Personal ersetzen

37.500 Euro haben Entwicklung und Bau von zwei Robotern gekostet - bezahlt von der Förderstiftung des UKSH. "Rund um die Uhr wach, immer gut gelaunt und nie krank", preist Prof. Dr. Scholz die kleine Maschine an. Doch Personal ersetzen solle sie nicht, betont er. Das könne sie auch gar nicht, denn menschliche Zuneigung ist nicht programmierbar. Das bestätigt auch Stefanie Frimm. "'Zora' kann gar nicht das komplette physiotherapeutische Programm abdecken. Sie soll die Therapie sinnvoll unterstützen", erklärt die leitende Physiotherapeutin. Und für einen Roboter, der sogar den "Gangnam Style" tanzen kann, hofft die Leitung des UKSH, legen die jungen Patienten auch mal Smartphone und Fernbedienung aus der Hand.

Einführung durch den Klinik-Clown

Noch hatte "Zora" keinen Kontakt mit ihren zukünftigen Patienten. Doch das UKSH ist sich sicher, dass Kinder und Jugendliche sehr positiv auf den kleinen Roboter reagieren werden. Der Klinik-Clown wird sie einführen. Wie jetzt wird er auf seiner Visite mit "Zora" interagieren und die Kinder zum Mitmachen animieren. "Jetzt macht der Clown für dich noch eine Blume aus einem Luftballon", übergibt "Zora" am Ende ihrer Geschichte den Ball an den Clown. Der zaubert eine lange Luftballonschlange hervor und verdreht sie in wenigen Sekunden zu einer Blume. Mit einer kleinen Verbeugung legt er sie "Zora" zu Füßen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 14.07.2017 | 17:40 Uhr

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