Wie Pittiplatsch mit 60 die Kinder von heute begeistern will

Stand: 09.10.2021 06:00 Uhr

Schlafengehen ohne Pittiplatsch - für Millionen von Kindern war das unvorstellbar. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er 1962 in der DDR. Zum 60. Geburtstag im kommenden Jahr entstehen in den "Woodland Studios" in Wedel nun 13 neue Folgen mit dem Kult-Kobold.

von Lennart Richter

Im Licht der großen Filmscheinwerfer kann sich Christian Sengewald deutlich an seine eigene Kindheit erinnern. Wie er damals kurz vor dem Schlafengehen vor dem Fernseher saß und mit leuchtenden Augen Pittiplatsch schaute. Aber dass er eines Tages selbst die Handpuppe mit Leben füllt, hätte er sich nicht träumen lassen. Ein Privileg sei das und eine Herausforderung zugleich, erklärt der Puppenspieler, "weil das natürlich auch ein Erbe ist, das man bewahren und weiterentwickeln möchte".

Beweglicher Mund und eine neue Haut aus Fleece

Puppenspieler Christian Sengewald und Pittiplatsch.
Christian Sengewald verleiht der Handpuppe Pitti Leben.

"Ach du meine Nase!" - der typische Spruch gehört genauso zu Pittiplatsch wie der weiße Haarschopf und die Wuschel-Weste. Mit dem braunen Körper, der aussieht wie aus Kugeln zusammengesetzt, hat sich Pitti über all die Jahre äußerlich kaum verändert. "Die große Neuigkeit ist, dass er einen beweglichen Mund bekommen hat", wirft Sengewald ein. Außerdem werde die Handpuppe nun nicht mehr aus Leder gefertigt, sondern aus einem weicheren Stoff. Darin aber liegt auch ein kleines Problem. Wieder einmal müssen die Dreharbeiten gestoppt werden. "Da war noch Staub", ruft jemand fast entschuldigend durch das Filmstudio in Wedel und bürstet Pittiplatsch ab. "Er ist weicher, er ist kuscheliger geworden. Liebenswerter vielleicht ein bisschen", schmunzelt Sengewald.

13 neue Pittiplatsch-Folgen

Vor zwei Jahren feierte der neue Pittiplatsch anlässlich des 60. Geburtstages vom Sandmännchen sein TV-Comeback - nach fast 30 Jahren Pause. Nächstes Jahr wird Pittiplatsch selbst 60 Jahre alt. In den Wedeler "Woodland Studios" entstehen deshalb 13 neue Folgen mit dem Kult-Kobold. Mehr als 30 Personen sind am Filmset. Es gibt zwei Kameras und auch altbekannte Gesichter sind dabei: die Ente Schnatterinchen und Hund Moppi.

Regisseurin Sandra Schießl verfolgt das Treiben der Handpuppen etwas abseits auf einem Monitor und ist begeistert. "Also diese Spontaneität, die Puppenspiel hat, die ist wirklich einzigartig", sagt sie und freut sich sichtlich. "Alles, was Schauspiel kann, das können die auch. Und so zusammen können diese Figuren auch agieren und so lebendig wirken, das ist schon klasse."

Zeitgemäße Charaktere und aktuelle Themen

Zwei Menschen beobachten über Bildschirme die Produktion von "Pittiplatsch".
Zwei der drei Freunde: Der Hund Moppi und Pittiplatsch.

In seinem liebevoll eingerichteten Baumhaus sitzt Pittiplatsch mit seinen Freunden an einem gedeckten Tisch. Während er sich als Figur auch in den neuen Folgen treu bleibt, hat seine beste Freundin - die gelbe Ente Schnatterinchen - eine charakterliche Entwicklung erlebt. Sie tritt nun nicht mehr so verstockt und belehrend wie früher auf, sondern offenbart ein erfrischend freches Wesen und gibt auch mal Kontra. "Jetzt wollen wir natürlich auch für Mädchen so ein Rollenvorbild haben, womit sie sich identifizieren können", erklärt Schnatterinchens Puppenspielerin Susi Claus. "Da sollte die Message schon sein, dass auch eine Ente mal frech sein kann und gute Ideen hat."

Ab Juni 2022 wieder auf Sendung

Pittiplatsch hat schon oft bewiesen, dass er mit der Zeit gehen kann: Zuerst in der DDR, dann als Teil des Sandmännchens im wiedervereinten Deutschland. In den neuen Folgen kümmern sich der Kobold und seine Freunde Moppi und Schnatterinchen um aktuelle Themen wie zum Beispiel den Umweltschutz. Ab Juni kommenden Jahres kommt das Trio wieder ins Fernsehen, im KiKA, rbb und MDR - pünktlich zum 60. Geburtstag von Pittiplatsch.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.10.2021 | 19:30 Uhr

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