Stand: 15.02.2019 13:55 Uhr

Pferdepflegerin: Traumberuf ohne "Wendy"-Welt

von Christine Pilger

Ina Rudolph kann ordentlich anpacken - das merkt man bei der ersten Begegnung. Fester Händedruck zur Begrüßung, bei ihrem flotten Gang durch die Boxenflure schwingt ihr Haarzopf hin und her, freundlich und bestimmt erzählt sie aus ihrem Leben. An diesem Morgen in Neumünster strahlt die 35-Jährige wohl aber noch ein bisschen mehr als sonst. Die Stute, um die sie sich bei den VR Classics in Neumünster kümmert, hat die allererste Prüfung des Reitturniers gewonnen. Die gelbe Sieger-Schleife wird schön an der Box drapiert. Sieger-Stute "Die Fürstin" darf wieder in ihren Stall. Und Rudolph schenkt ihr ihre ganze Aufmerksamkeit.

VR Classics: Der Job einer Pferdepflegerin

Beruflich etwas mit Pferden machen - das war einfach klar

Während Rudolph der "Fürstin" die Decke abnimmt und sie anschließend im Stallgang gekonnt putzt und striegelt, erzählt sie von ihrem "Pferde-Leben". Die gebürtige Mecklenburg-Vorpommerin ist auf einem Betrieb mit Pferden aufgewachsen. "Ich habe mich schon als Kind dazu entschieden, auch beruflich etwas mit Pferden zu machen. Das war einfach klar!" Nach der Ausbildung zur Pferdewirtin verschlägt es Rudolph schnell nach Schleswig-Holstein. Sie arbeitet bei einer Profireiterin. Seit gut einem Jahr ist sie bei Friederike Hahn aus Tangstedt (Kreis Stormarn) angestellt, die nebenberuflich an Dressur-Turnieren teilnimmt. Immer dabei: Pferdepflegerin Ina Rudolph. "In der Woche bin ich bei Friederike und den Pferden, am Wochenende fahr ich dann - wenn nicht ein Turnier ansteht - nach Hause." Eine enge Verbindung, die Reiterin und Pflegerin eingehen: "Wir schlafen auch ab und an bei Turnieren zusammen im Pferdetrailer, das ist gar kein Problem", betont Rudolph und legt der fuchsbraunen Stute wieder die Decke über. Fertig gestriegelt.

Jeden Tag aufs Neue: Putzen, säubern, reiten

Wer wie Ina Rudolph bei einem Betrieb angestellt ist und sich täglich um mehrere Pferde kümmert, ist dort eine Art "Frau für alles". Die Boxen müssen ausgemistet, die Pferde gepflegt, gefüttert und betreut werden. Außerdem macht die 35-Jährige die Pferde reitfertig und stellt sie auf die Weide. "Das Wichtigste ist, dass es den Pferden gut geht. Das sie frisch und fröhlich sind, dass sie Spaß haben und auch niemand benachteiligt wird." Bei einem Turnier, wie den VR Classics, kommen noch Extra-Aufgaben dazu. Zum Beispiel flechtet Rudolph der "Fürstin" vor der Dressur-Prüfung die Haare, anschließend müssen die Zöpfe natürlich auch wieder raus. Auch das macht sie in der Box in Neumünster in Rekordzeit. Schere raus, rauf auf die Trittleiter und ran an die Zöpfe. Um all die Arbeit rund ums Pferd zu schaffen, steht Ina Rudolph in Neumünster auch schon um 5 Uhr im Stall. So kann sich Chefin Friederike Hahn mit ihrer Stute bereits um 6 Uhr in der Halle einreiten.

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Pferdepflegerin ist kein Nine-to-five-Job

Für die Mecklenburg-Vorpommerin gibt es nichts, was sie in ihrem Beruf als Pferdepflegerin nicht gerne macht. Klar ist aber auch: Es ist ein harter Job. "Das geht halt nicht nach Uhrzeiten - wenn was ist, muss man da sein. Das muss man einfach wissen, bevor man diesen Job lernen will. Das Tier sagt ja nicht - 'oh, es ist Weihnachten - bleib' ruhig ein paar Tage zuhause, dass stört mich nicht'." Rudolph erzählt, dass viele Reiter im Moment nach Pferdepflegern suchen, denn "den Job will am Ende dann doch nicht jeder machen. Es ist halt kein Reiterhof-Urlaub, oder so, wie man es sich beim Lesen der "Wendy" vorstellt." Feiertage fallen weg, viele kommen auch krank zur Arbeit, denn das Pferd muss versorgt werden. Für Ina Rudolph ist es aber trotz allem ihr Traumberuf.

Bei jeder Prüfung sind die Daumen fest gedrückt

Auch wenn Rudolph an diesem Morgen nicht selbst auf der Stute reitet, ist sie bei der Dressurprüfung aufgeregt und drückt am Rand Friederike Hahn und der "Fürstin" die Daumen. "Klar, guck ich beim Abreiten schon zu, wie es läuft. Da konnte ich heute schon sehen, dass die Form echt gut war - ganz locker und easy." Am Ende hat die gute Form für den ersten Platz gereicht - das Frauen-Trio aus Reiterin, Pflegerin und Stute funktioniert offenbar ziemlich gut. Und noch etwas passt gut: Neumünster. "Ach, Neumünster ist das schönste Turnier überhaupt," strahlt die 35-Jährige. "Ich bin total gerne hier, die Atmosphäre ist toll und es ist toll, wie man sich hier um die Reiter und die Pfleger kümmert."

Bescheiden im Hintergrund

Wie viel Anteil hat denn eine Pferdepflegerin generell am Erfolg von Turnierreitern? Ina Rudolph zögert mit ihrer Antwort nicht lange: "Friederike würde das sicher auch alleine hinbekommen. Aber ich bin ja auch da, um sie zu unterstützen und zu entlasten, so kann Friederike auch mal weg. Und generell macht ein Pfleger schon viel - der kennt das Pferd, weiß, wie es drauf ist. Bei Turnieren sind viele ja auch für mehrere Pferde zuständig. Da ist der Reiter schon von seinem Pfleger abhängig." Die 35-Jährige liebt ihren Beruf, deswegen würde sie sich den Erfolg wohl nie auf die eigene Fahne schreiben. Aber eines ist Ina Rudolph noch mal wichtig zu sagen: "Pferdepfleger ist schlicht und einfach ein wichtiger Beruf." Und auch sie hat zwischendurch ein bisschen Zeit durchzuatmen. Die "Fürstin" bleibt in ihrer Box, Rudolph geht mit ihrem Hund "Schweini" eine Runde über das Gelände - natürlich in flottem Tempo. Aber bald geht es auch wieder zur Stute, "dass die auch bespaßt ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.02.2019 | 09:00 Uhr

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