Weltklimabericht: Politiker und Klimaforscher alarmiert

Stand: 09.08.2021 20:44 Uhr

Politiker und Klimaforscher aus Schleswig-Holstein und Hamburg zeigen sich alarmiert über den aktuellen Bericht des Weltklimarates zur Erderwärmung. Danach schreitet die Erderwärmung deutlich schneller voran als bisher angenommen.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht fordert entschlossene Klimaschutz-Maßnahmen. "Ohne radikalen Klimaschutz steuern wir in eine Katastrophe", sagte der Grünen-Politiker und warnte: Wenn sich die Erderwärmung weiter wie erwartet beschleunige, würden viele Menschen in allen Teilen der Welt schon sehr bald ihre Lebensgrundlagen verlieren. Schon jetzt zeigten Großbrände, Hitzewellen und Starkregenereignisse überall auf der Welt, wie verheerend die bereits eingetretenen Folgen des Klimawandels seien. Albrecht fordert unter anderem, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Außerdem will er vom Bund ein neues Milliarden-Investitionsprogramm für Treibhausgas-Neutralität.

Experte Latif: "Die Lösungen sind da, wir müssen sie nur umsetzen"

Auch der Kieler Klimaforscher Mojib Latif fordert ein Ende der fossilen Brennstoffe. Die Menschheit verlasse gerade den klimatischen Wohlfühlbereich. Das gelte auch für Norddeutschland, sagte er NDR Schleswig-Holstein. Noch hätten wir fast 30 Jahre Zeit, die Welt umzubauen und weg von den fossilen Energien und hin zu den erneuerbaren Energien, zu den neuen Technologien zu gehen, betonte der Klimaexperte. "Die Lösungen sind da, wir müssen sie nur umsetzen - und da hapert es leider am internationalen politischen Willen."

Weltklimarat: Erde erwärmt sich schneller als bislang angenommen

Der Weltklimarat (IPCC) in Genf hatte zuvor seinen neuen Bericht über den Wissensstand zur Klimaerwärmung vorgelegt. Demnach erwärmt sich die Erde schneller als bislang angenommen. Der Bericht sagt bereits für 2030 einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter voraus - das wäre zehn Jahre früher als noch 2018 angenommen. Insgesamt haben mehr als 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit 2013 rund 14.000 Klima-Studien für den Weltklimarat ausgewertet.

Politiker aus SH reagieren mit Aufrufen zu einem entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel

Vertreter von SPD, Grünen und FDP in Schleswig-Holstein reagierten ähnlich wie Klimaforscher Latif. Der Klimawandel müsse jetzt und nicht irgendwann bekämpft werden, schrieb der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hölck. "Noch haben wir Zeit zu handeln, aber unsere Chancen sinken dramatisch", befand die Grünen-Landesvorsitzende Ann-Kathrin Tranziska. Nach Überzeugung des FDP-Landtagsabgeordneten Denny Bornhöft sollte sich die Politik darauf konzentrieren, der Volkswirtschaft Vorgaben zu machen, wie viel Kohlendioxid jährlich absinkend noch ausgestoßen werden darf. "Das schafft Planungssicherheit und die richtigen Anreize."

Hamburg: Fegebank und Kerstan bestürzt über Weltklimabericht

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Umweltsenator Jens Kerstan (beide Grüne) reagierten bestürzt auf die jüngsten, düsteren Prognosen des Weltklimarats. "Der aktuelle Bericht des Weltklimarates ist erschütternd", sagte Fegebank. Die Wissenschaft lasse keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel menschengemacht und nicht mehr viel Zeit sei, den Planeten lebenswert zu halten. Kerstan sprach von einem alarmierenden Bericht, der zeige, "dass die Zeit der warmen politischen Worte aus Berlin endgültig vorbei sein muss". Kerstan warnte, der Klimawandel werde auch Hamburg mit Wucht treffen, wenn nicht sofort Maßnahmen ergriffen würden, um die Auswirkungen der Erderwärmung zu bremsen.

Deutschland will Klimaneutralität bis 2045 schaffen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, der Bericht zeige, dass der Planet in Lebensgefahr schwebt. Der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas müsse beschleunigt werden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach von einem nicht mehr zu überhörenden Warnsignal.

Deutschland will Klimaneutralität bis 2045 schaffen, weitere Länder sollen ihre Pläne dazu bei der Weltklimakonferenz im November in Glasgow vorstellen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte, die Treibhausgase erstickten den Planeten und brächten Milliarden Menschen in Gefahr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.08.2021 | 20:00 Uhr

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