Umstellung auf E-Autos: Herausforderung für Autoverwerter

Stand: 13.03.2021 17:28 Uhr

Ein Löschcontainer auf dem Hof, ein Laser zum Messen der Batterietemperatur, viele Schulungen: Hagen Hamm aus Pinneberg will den Anschluss an die E-Mobilität nicht verpassen - und investiert.

Von der Mechanik zum Starkstrom In den 70er-Jahren habe er sein Handwerk noch mit groben Werkzeugen wie Hammer, Zange und Schweißgerät gelernt, sagt Hagen Hamm. Er ist Geschäfteführer eines Autoteilekaufhauses in Pinneberg. Das benötige er in Zukunft aber immer weniger. Er gibt dem Wechsel zur Elektromobilität höchstens noch vier bis fünf Jahre. "Wir bilden jetzt schon vermehrt aus und bieten unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Fortbildungen als Starkstromelektriker und Starstromelektreikerinnen an, damit wir den Anschluss nicht verpassen", so Hagen Hamm.

Noch sind E-Autos in Werkstatt die Ausnahme

Noch ist in seiner Werkstatt alles, wie man es kennt: Autos auf Hebebühnen schweben über den Köpfen, Werkzeug klimpert, Motorengeräusche erklingen abwechselnd. An einer Stelle ist jedoch ein Auto mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Ein Mitarbeiter steht hinter Motorhaube mit roten Gummihandschuhen und Schutzvisier. Der Helm mit dem Visier schützt gegen möglichen Funkenflug, die Handschuhe isolieren - es sind andere Arbeitsbedingungen, wenn mit Starkstrom hantiert wird. Lautlos bewegt sich das E-Auto durch die Werkstatt zur Hebebühne. "Das Elektroauto ist mit einer Metallplatte am Unterboden geschützt, damit der Batterieblock am Bordstein oder bei Unfällen nicht geschrammt oder gequetscht wird", erklärt Hagen Hamm. Sonst könne es zu einer chemischen Reaktion kommen und das Auto in Flammen aufgehen.

Warten auf den Löschcontainer

Damit er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und seinen Betrieb davor bewahrt, hat er einen Laser angeschafft. So kann er die Temperatur der Batterie messen und schnell reagieren. Im Notfall käme das Auto in einen großen Löschcontainer auf dem Hof. Den hat er schon bestellt, seit Wochen wartet er auf die Anlieferung.

Lager verkleinern, Platz schaffen

Elektrofahrzeuge benötigen 50 Prozent weniger Ersatzteile als Verbrenner. Noch sind hier draußen auf seinem Hof Türme von Altautos gestapelt. Doch viele werden mit der Zeit verschrottet, um Platz für den Löschcontainer zu machen. Auch in seinem Lager, wo jetzt noch rund 40.000 Ersatzteile auf ein zweites Leben warten, wird die Hälfte überflüssig. Ein E-Auto braucht keinen Auspuff, keinen Ölwechsel, keine Kraftstoffpumpe. Hagen Hamm wird sein Lager verkleinern. Er hofft aber, in ein paar Jahren auch Ersatzteile für Elektrofahrzeuge anbieten zu können.

"Na ja, 50 Prozent weniger Ersatzteile bedeutet natürlich auch 50 Prozent weniger Umsatz bei gleichen oder auch bei gestiegen Kosten, das muss irgendwie auch kompensiert werden", sagt er. Welche Ersatzteile E-Autos in Zukunft am häufigsten benötigen, das könne er noch nicht abschätzen. Das System stecke noch in den Kinderschuhen. Die Umstellung auf Elektromobilität sei aber nach der Pandemie die nächste Krise für die Branche. Trotzdem freut sich Hagen Hamm auch darauf. "E-Autos passen einfach in unsere Zeit", sagt er.

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Schleswig-Holstein Magazin | 13.03.2021 | 19:30 Uhr

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