Stand: 09.09.2019 20:20 Uhr

TH Lübeck baut nachhaltiges Haus in Marokko

von Astrid Wulf

Sie sind Bauingenieure, Elektrotechniker, Kommunikationsexperten, sogar ein Musikstudent ist dabei - und gemeinsam haben die Studierenden der Technischen Hochschule Lübeck ein Ziel: Für den internationalen Studierendenwettbewerb "Solar Decathlon" bauen sie ein Haus in Marokko. Ein Haus für die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent, das klimafreundlich und zugleich erschwinglich ist. Die Lübecker sind die einzigen Vertreter aus Deutschland und arbeiten zusammen mit Studierenden der Unis im marokkanischen Rabat und dem senegalesischen Dakar.

Auf einer Baustellen eines Hauses.

Solar Decathlon: Häuser entwerfen für Afrika

Schleswig-Holstein Magazin -

Beim Wettbewerb Solar Decathlon in Marokko zeigen 20 internationale Teams, wie erschwinglich und klimafreundlich gebaut werden kann. Auch Studenten der TH Lübeck sind dabei.

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Fristgerechte Lieferungen sind eher Glückssache

Inken Bork hat auf der Baustelle mit angepackt. Unter anderem hat die gelernte Maurerin und angehende Diplom-Ingenieurin im quaderförmigen 100 Quadratmeter-Haus einen Windturm gebaut. Eine traditionelle Klimaanlage - der Turm sorgt mit seinen Schächten für Frischluft. Der 21-jährigen hat die Arbeit großen Spaß gemacht, der Start auf der Baustelle war für sie allerdings holprig: Zunächst die drückende Hitze, dann die Kommunikationsprobleme: "Die Bauarbeiter vor Ort haben nur arabisch gesprochen, wir nur englisch. Da lief viel mit Händen und Füßen".

Marokko: Lübecker Studenten bauen nachhaltiges Haus

Der nächste Rückschlag: Die für den Baustart benötigten Lehmbausteine wurden nicht geliefert. Niemand hatte bedacht, dass das Opferfest anstand. Ein wichtiger Feiertag und klassische Urlaubszeit in Marokko - die Firma hatte schlichtweg keine Leute, um die Steine herzustellen und zu liefern. Kurzerhand bauten die Studierenden die großen Lehmquader selbst.

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Lehm ist in Marokko seit Jahrhunderten der traditionelle Baustoff. Lehmbausteine halten am Tag das Haus kühl und geben nachts die Sonnenwärme ab.
Baustoff Lehm: Traditionell, nachhaltig, klimafreundlich

Das Baumaterial Lehm ist der besondere Clou am Entwurf des Teams aus Lübeck, Rabat und Dakar, sagt Zineb El Mounhi, Projektkoordinatorin an der TH Lübeck. "Schon meine Großeltern haben ihr Haus aus Lehm gebaut", sagt die Marokkanerin. Der traditionelle Baustoff passe gut zu den Anforderungen des Wettbewerbs. Lehm sei nachhaltig, günstig und regional. Den dafür benötigten Sand und Ton gebe es in Marokko in Massen. Lehmhäuser seien außerdem energieeffizient. Tagsüber hält der Baustoff das Haus kühl, nachts gibt er die gespeicherte Wärme ab. Für den Strom sorgen Solarenergiepanels auf dem Dach.

Ein Haus für Ärzte und Lehrer in marokkanischen Dörfern

Zineb El Mounhi sieht gute Chancen, dass das Lübecker Team den Wettbewerb gewinnt. Sie ist sogar überzeugt davon, dass das Haus helfen kann, drängende soziale Probleme in Marokko zu lösen. Sie weiß aus eigener Erfahrung: Gerade in den Dörfern und ländlicheren Regionen herrscht ein massiver Lehrer und Ärztemangel, weil es keine attraktiven, modernen und erschwinglichen Wohnungen gibt. Die günstigen und leicht zu bauenden Lehmhäuser könnten da Abhilfe schaffen, glaubt sie.

Die Deadline rückt näher - in ein paar Tagen muss das Haus fertig sein

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Projektleiter Heiner Lippe von der Lübecker TH zeigt den Studierenden daheim in Lübeck per Videoschalte, wie die Arbeiten an dem Haus voran gehen.

Inken Bork ist seit Start des Herbstsemesters wieder im Unialltag angekommen. Währenddessen geben ihre Kommilitonen auf der Baustelle vor Ort in Marokko alles, um rechtzeitig fertig zu werden. Heiner Lippe von der Lübecker TH, der Projektleiter vor Ort, nimmt die Lübecker Studierenden per Videotelefonat mit auf einen Rundgang über die Baustelle. In ein paar Tagen ist Baustopp - trotzdem ist noch viel zu tun. Lippe ist optimistisch: "Marokko ist das Land der Märchen - hier ist alles möglich."

Studierende in Lübeck fiebern mit ihren Kommilitonen in Marokko mit

Bork strahlt, als sie sieht, wie die Mitstreiter voran kommen. "Ich finde es schade, dass ich hier bin und nicht auf der Baustelle mit anpacken kann", sagt sie. "Zu sehen, wie das Haus wächst, macht mich total glücklich." Auch für Projektkoordinatorin Zineb El Mounhi ist die gemeinsame Arbeit für den internationalen Wettbewerb etwas ganz Besonderes. Sie freut sich vor allem darüber, zu beobachten, wie die Studenten über sich hinauswachsen und sie voneinander lernen, sagt sie. "Besonders aus dem kulturellen Austausch nehmen die Studierenden viel mit", sagt El Mounhi. Gerade die akkuraten Deutschen hätten viel von den Marokkanern gelernt - "sie sind viel entspannter geworden".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.09.2019 | 12:00 Uhr

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