Stand: 27.10.2019 13:57 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Sülfeld: Protest gegen Neonazis

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Innenminister Grote würdigt das gesellschaftliche Engagement in Sülfeld gegen Rechtsextremismus.

Zahlreiche Menschen haben am Sonnabend in Sülfeld (Kreis Segeberg) im Rahmen eines Handballspiels ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. Die Handballerinnen des SV Sülfeld hatten dazu aufgerufen. Normalerweise passen rund 400 Zuschauer in die Sporthalle. Am Sonnabend gab es keine freien Plätze mehr. Nach Angaben des Veranstalters versammelten sich rund 800 Menschen in der Halle, um unter dem Motto "Sülfeld ist bunt - wir sind mehr" ein Zeichen gegen einen Übergriff mutmaßlicher Neonazis in dem Ort zu setzen.

Auch Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) war vor Ort und dankte den Sportlerinnen für ihre Initiative. Er würdigte das gesellschaftspolitische Engagement in Sülfeld gegen Rechtsextremismus. "Unsere demokratische Gesellschaft tritt den Rechtsextremisten gemeinsam und geschlossen, unerschrocken und selbstbewusst entgegen", sagte Grote. Während es in und vor der Halle friedlich blieb, versammelten sich am Marktplatz einige Neonazis. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben alles im Griff.

"Die Vorfälle haben uns alle schockiert"

Mitte Oktober waren ein Mann und eine Frau in dem 3.000-Einwohner-Dorf Sülfeld von einem 23 Jahre alten Mann aus der Neonaziszene attackiert worden, als sie Aufkleber mit der Aufschrift "Aryan Circle" ("Arischer Zirkel") entfernen wollten. Die Polizei ermittelt gegen den Tatverdächtigen.

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Pastor Steffen Paar (rechts) und Innenminister Grote setzen zusammen mit Hunderten Sülfeldern ein Zeichen gegen Rechts.

"Die Vorfälle haben uns alle schockiert", sagte der Sülfelder Pastor Steffen Paar, der ebenfalls einen solchen Aufkleber an seinem Pastorat gefunden hatte. "Die Rechten werben ganz gezielt für ihren arischen Zirkel. Treten wir gemeinsam dafür ein, dass Sülfeld weiter offen und tolerant bleibt", sagte er unter dem Beifall der Zuschauer. Er habe den Urhebern des Aufklebers ein Gespräch angeboten, einen konkreten Termin gebe es aber noch nicht, sagte er.

Polizei warnt

In Bad Segeberg sorgt vor allem die Präsenz des Neonazis Bernd T. für Unruhe. Sein Name fällt immer wieder im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Sülfeld. In den 1990-er Jahren war Bernd T. eine schillernde Figur in der Neonaziszene in Schleswig-Holstein. Vor wenigen Wochen wurde er aus der Haft entlassen und ist zurück in seiner Geburtsstadt Bad Segeberg. Seitdem soll es zu Anwerbeversuchen der Rechtsextremen vor verschiedenen Schulen kommen. Die Polizei warnt: "Die Person hat zehn bis fünfzehn Leute um sich gescharrt. Die haben wir im Blick."

Sicherheitsbehörden beobachten rechte Szene

Grote versicherte, die Polizei stünde den führenden Mitgliedern dieser rechtsextremistischen Gruppierung fast sprichwörtlich auf den Füßen. "Polizei, Justiz und Verfassungsschutz schöpfen alle rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten aus, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuwehren", betonte der Minister. Dies sei in einem wehrhaften demokratischen Rechtsstaat eine selbstverständliche Pflicht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.10.2019 | 19:30 Uhr

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