Südermarkt in Heide: Jugendliche wollen mehr Treffpunkte

Stand: 19.07.2022 08:02 Uhr

In einer Studie wurden die Ursachen der Jugendgewalt am Südermarkt in Heide untersucht. Ergebnis: Die Jugendlichen wünschen sich Ansprechpartner und eigene Rückzugsorte in der Stadt.

von Carsten Rauterberg

Der Verein Kieler-Anti-Gewalt-und Sozialtraining (KAST) hatte die Studie im Auftrag des Kreisjugendamtes erstellt. Am Montag wurden die Ergebnisse präsentiert.

Gewalt am Südermarkt: "Gefährlicher Ort"

Zuvor war es am Heider Südermarkt im Kreis Dithmarschen immer wieder zu Auseinandersetzungen und Polizeieinsätzen gekommen - dort, wo sonst Touristen und Passanten bummeln. Zwischen der St. Jürgen Kirche, der Tourist-Info, einer Fußgängerzone und der angrenzenden Markt-Passage trafen sich nachmittags und vor allem abends manchmal bis zu 30 oder 40 Jugendliche. Regelmäßig kam es zu Straftaten wie Bedrohung, Raub oder Schlägereien. Mitte Mai wurde ein 20-jähriger bei einer Schlägerei in der Markt-Passage lebensgefährlich am Kopf verletzt. Er verstarb eine Woche später im Heider Westküstenklinikum.

Die Polizeidirektion Itzehoe, die auch für Heide zuständig ist, hatte den Südermarkt und angrenzende Bereiche deshalb zum sogenannten "Gefährlichen Ort" beziehungsweise zum "Kontrollort" erklärt. Die Polizei Heide hatte daraufhin regelmäßig mit einem großen Aufgebot Kontrollen am Südermarkt durchgeführt, teilweise mit Unterstützung der Landespolizei. Mehrere Streifenwagen, an einigen Tagen sogar Mannschaftswagen, gehörten zum typischen Südermarkt-Bild.

Fachleute erstellen Studie

Die Stadt Heide wandte sich mit dem Problem rund um den Südermarkt auch an das zuständige Kreisjugendamt. Dieses wiederum beauftragte den Verein KAST, eine Studie über die Ursachen der Jugendgewalt zu erstellen. Mehrere Mitarbeitende haben dann vier Wochen lang in Heide direkt auf dem Südermarkt Kontakt mit den Jugendlichen aufgenommen und Interviews mit ihnen geführt.

Dabei hätten die Jugendlichen zwei Wünsche deutlich zum Ausdruck gebracht, sagte Vereinsgeschäftsführer Udo Gerigk: "Das eine ist, das die Jugendlichen gerne jemanden hätten, mit dem sie reden können, der mit ihnen redet - das heißt, dass ihre Bedürfnisse weitergegeben werden. Und das zweite ist, das es mehr Plätze geben sollte, an denen sie sich versammeln können."

Der Diplom-Sozialpädagoge und Anti-Gewalt-Trainer kam sehr schnell mit den jungen Leuten in Heide ins Gespräch. "Wir haben uns immer kurz vorgestellt, wer wir sind und was wir wollen, und dann den Jugendlichen gesagt, dass es uns überhaupt nicht interessiert, ob sie Stress mit der Polizei hatten oder gerade haben. Wir wollten immer möglichst offen und unvoreingenommen mit ihnen reden. Das ist uns in den meisten Fällen auch gelungen."

Positive Reaktionen beim Runden Tisch

Udo Gerigk und ein weiterer Mitarbeiter von KAST stellten ihre Studie dem Runden Tisch Südermarkt vor. Zu dieser Runde hatte der Heider Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat (SPD) bereits zum zweiten Mal ins Heider Bürgerhaus eingeladen. Mit dabei Vertreter von Schulen, Sportvereinen, Kirchen, dem Lokalen Bündnis für Familie, Politik, Stadtverwaltung, Kreisjugendamt und Polizei.

Der KAST-Geschäftsführer bekam dort ein sehr positives Feedback auf seine Studie. "Wir hatten zum Teil das Gefühl, das ist wie Eulen nach Athen tragen, weil sich vieles tatsächlich aus diesem Runden Tisch heraus bereits in der Entwicklung befand. Das ist zum Teil ja ein Zeichen, dass viele der Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Jugendlichen beschäftigen, am Ohr der Jugendlichen sind. Das ist das Beste, was passieren kann." 

Gerigk: Jugendlichen fehlte sinnvolle Beschäftigung

Konkret bedeutet das: Mitarbeitende vom Heider Jugendzentrum, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Sportvereinen und von privaten Initiativen sind bereits auf dem Heider Südermarkt gewesen, haben mit den Jugendlichen gesprochen und sie zum Mitmachen eingeladen. Auch Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat sieht das positiv: "Ich freue mich sehr über die Angebote, die ich am Runden Tisch, aber auch darüber hinaus aus der Zivilgesellschaft bekommen habe. Da ist schon vieles in Bewegung gekommen." Udo Gerigk ergänzt: "Mein Eindruck ist, dass es offenbar vielen Jugendlichen an einer sinnvollen Beschäftigung und an einem Ansprechpartner gefehlt hat. Jetzt haben wir hier schon Ansätze, die beides haben."  

Stadt Heide will Wünsche der Jugendlichen umsetzen

Laut Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat will die Stadt nun mehr Plätze für Jugendliche schaffen. "Wenn ich an meine eigene Jugend zurück denke, da gab es massenweise diese Räume, wo man sich treffen konnte, wo man niemanden gestört hat. Die müssen wir in Heide auch wieder schaffen." Ein Beispiel sei die neue Grün- und Freizeitfläche am Bahnhof mit Basketball-Körben und einer Street-Soccer-Fläche. Außerdem werde er der Politik vorschlagen, an den Heider Schulen Anti-Aggressions-Trainings durchzuführen, so Schmidt-Gutzat.

Polizei: Lage am Südermarkt beruhigt

Die Situation am Südermarkt hat sich in den vergangenen Wochen beruhigt, sagt Heides Polizeichef  Uli Kropp. Gründe seien die massive Polizei-Präsenz mit den regelmäßigen Kontrollen, aber auch die Video-Überwachung. Nach der Forderung der Polizei hatte die Stadt Heide vor knapp drei Wochen zwei Video-Kameras am Südermarkt und eine in der angrenzenden Großen Westerstrasse installiert.

Die Maßnahme "Gefährlicher Ort" läuft am 11. August aus. Theoretisch ist eine Verlängerung möglich. Man werde das alles genau überprüfen, aber nach jetzigem Stand gebe es für eine Verlängerung keinen Anlass, so Polizeichef Kropp.

KAST-Chef ist zuversichtlich

Eine beruhigte Lage, deutlich weniger Straftaten - am Südermarkt ist vorerst Ruhe eingekehrt. Udo Gerigk von KAST ist optimistisch, dass das keine Moment-Aufnahme bleibt. "Es gibt viele gute Ansätze in Heide, und es wäre toll, wenn diese Ansätze auch weiter verfolgt würden", sagt er. Dann werde der Südermarkt von einem "Gefährlichen Ort" wieder zu einem Ort der Begegnung.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.07.2022 | 19:30 Uhr

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Soziales Engagement

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