Stand: 09.07.2019 12:00 Uhr

Silikon-Modelle sollen Organe ersetzen

Der Prototyp einer künstlichen männlichen Blase - geformt aus Silikon. Monatelang hat Dr. Christian Damiani an der Technischen Hochschule Lübeck (TH) experimentiert, um seinem Modell naturgetreue Eigenschaften zu geben. Er forscht im Bereich Medizintechnik: "Es gibt viele Organe, unser Gewebe ist zum Teil elastisch - je nachdem, was man betrachtet- und Silikon ist bekannterweise ein elastisches Material. Und das tolle ist, man kann die Elastizität einstellen. Zum Beispiel durch die Wandstärke oder die Art der Silikone, die man verwendet." So konnte er zum Beispiel messen, welche Temperatur und welcher Druck in einer Prostata bei einer Operation entsteht. Wichtig, um Risiken bei einer echten Operation besser abschätzen zu können.

Nachbau eines menschlichen Organs, dass künstlich versorgt wird.

Forschung an Organen aus dem 3-D-Drucker

Schleswig-Holstein Magazin -

Mithilfe von Organen aus dem 3-D-Drucker wollen Forscher der Technischen Hochschule Lübeck Operationen künftig sicherer machen. Die Organkopien könnten zur OP-Vorbereitung bald Standard werden.

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Tomographie-Daten für 3-D-Drucker lesbar machen

Mit Hilfe der Daten von Computer-Tomopgraphie (CT)- und Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchungen hat Damiani außerdem die Aorta, also die Hauptschlagader, eines Patentien in einem 3-D-Modell am Computer konstruiert. Bisher war das nicht möglich. "Das Problem ist besonders schwierig, weil die Leute, die mit CT-Daten umgehen können, das sind die Ärzte. Die sind nicht in der Lage, ein Modell daraus herzustellen und die Firmen, die sich mit 3-D-Druck beschäftigen, die können nichts mit CT-Daten anfangen", sagte Damiani. Der Medizintechniker schaffte es, die vorhandenen Daten für einen 3-D-Drucker lesbar zu machen. So konnte er ein Modell einer Aorta herstellen.

Zusammenarbeit mit dem UKSH

Mit solchen Modellen wollen die Herzchirurgen des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel jetzt unterschiedliche künstliche Herzklappen testen und Licht ins Dunkle bringen. Denn es gibt noch viele ungeklärte Fragen für die Mediziner. So ist bisher nicht bekannt, wie sich der Blutfluss bei unterschiedlichen künstlichen Herzklappen verändert. In einem Versuch werden jetzt verschiedene Herzklappen mit einer Silikon-Aorta in einem MRT getestet.

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Bereits jetzt gab es eine besondere Überraschung. Bei einer Klappe strömte das Blut sehr stark gegen die Arortenwand. "Das kann dort zu vermehrter Arterios-Sklerose, Wandverkalkungen, einer krankhaften Erweiterung des Gefäßes - vielleicht einem Aneurysma - führen und ist natürlich auch für die Herzfunktion nicht besonders gut, wenn das Blut so ineffizient gepumpt wird", erläuterte Dr. med. Thekla H. Oechtering, Radiologie UKSH.

Trend in der Medizin geht zur Individualisierung

Auch Dr. med. Buntaro Fujita gehört zum Team der UKSH-Herzchirurgen. Für ihn geht der Trend zur Individualisierung in der Medizin, so dass für jeden Patienten die individuell beste Lösung gefunden werden kann. "Ich denke, in diesem Zusammenhang sind solche 3-D-Druckmöglichkeiten sehr wertvoll, um für jeden Patienten die beste Therapiemöglichkeit zu finden", sagte Fujita.

Einsatz von Silikonen in der Hirnchirurgie geplant

Auch den Hirnchirurgen wird Christian Damiani bald helfen. Für sie kann er Modelle von erkrankten Hirnarterien anfertigen. Damit könnten Operationen außerhalb des Körpers vorab getestet werden. Trotz seiner bahnbrechenden Entwicklungen bleibt der Medizintechniker bescheiden: "Es ist gut eigentlich, dass man ein Stückchen beitragen kann, dass sich etwas verbessert." Noch ist es Forschung. Aber in wenigen Jahren könnten individuelle Organkopien aus Silikon zur Vorbereitung von Operationen zum Standard werden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.07.2019 | 19:30 Uhr

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