Schleusenkammer in Kiel: Hunderttausende Euro Schaden

Stand: 15.03.2021 19:00 Uhr

Am Nord-Ostsee-Kanal in Kiel stehen beide großen Schleusenkammern wieder zur Verfügung. Die Havarie hat mehrere Hunderttausend Euro Sachschaden in der Schleuse angerichtet. Der Austausch der Tore wird noch dauern.

Nach der Havarie eines Frachtschiffs sind seit Montagmittag wieder beide großen Schleusenkammern des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau in Betrieb. "In dem Tor ist ein Tank beschädigt - ein Auftriebskörper. Damit kommen wir gerade noch klar", sagte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Kiel-Holtenau, Detlef Wittmüß. Er sprach am Montag von "einigen Hunderttausend Euro Sachschaden". Die Unfallursache war nach Polizeiangaben zunächst unklar. Laut Besatzung könne ein technischer Defekt die Ursache gewesen sein, sagte ein Polizeisprecher. Am Sonnabend war gegen 19 Uhr die 90 Meter lange "Wilson Goole" gegen das geschlossene Tor gefahren.

Schleusenkammer in Kiel wieder in Betrieb

Am Montagvormittag waren Taucher an der Schleuse in Kiel-Holtenau im Einsatz. Sie hatten die Schäden der Havarie in Augenschein genommen und Teile geborgen. Gegen Mittag konnten die ersten Schiffe wieder die Nordkammer passieren. Allerdings werden die Schiffe zunächst vorsorglich mit einem Schlepper in die Kammer gebracht, um weitere Beschädigungen zu vermeiden. "Wir hoffen, dass wir dadurch das Sicherheitsniveau etwas erhöhen können", sagte Wittmüß.

Offenbar nur ein Schwimmtank zerstört

Konkret hatten die Taucher bei der Unterwasserinspektion des Tores festgestellt, dass von den zwölf Schwimmtanks nur einer bei der Kollision zerstört wurde. Die daneben liegenden Tanks scheinen laut WSA unbeschädigt zu sein. In einer Mitteilung der Behörde heißt es, "da neben dem zerstörten Schwimmtank ein Ballasttank liegt und dieser regulär mit Wasser gefüllt ist, konnte als Sofortmaßnahme dieser Ballasttank zum Schwimmtank umfunktioniert werden". Der durch die Havarie zerstörte Schwimmtank dient nun als Ballasttank.

Austausch der Tore wird noch dauern

Das kaputte Schleusentor in Kiel-Holtenau. © NDR Foto: Kai Peuckert
Das Schleusentor ist vor allem vier Meter unterhalb der Wasserkante beschädigt.

Bis beide Tore der Nordkammer ausgetauscht werden können, wird es noch dauern. Nach Angaben des WSA kann frühestens im Spätsommer, womöglich eher im Herbst, eines der Schleusentore ausgebaut werden. Erst dann soll ein Tor, dass bei einer Havarie vor mehr als drei Jahren schwer beschädigt wurde, fertig saniert sein. Ein zweites Tor liegt beschädigt im Binnenhafen Holtenau. Eine Ausschreibung für die Reparatur ist nach sieben Monaten noch nicht erfolgt. Ein Zustand, der aus Sicht von Politik und Wirtschaft nicht tragbar ist.

Verkehrsminister fordert mehr Vorsorge

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) forderte mehr Vorsorge für den Fall von Havarien. "Wenn die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt nur noch ein Schleusentor zur Verfügung hat, ist das nicht nur misslich, sondern eine erhebliche Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs", sagte Buchholz.

Wittmüß verwies darauf, dass normalerweise bereits zwei Tore in Reserve zur Verfügung stünden. Die beiden vorhandenen Reserve-Tore sind nach einer Havarie allerdings ebenfalls beschädigt. Eines wird seit fast zwei Jahren repariert. Für das andere gibt es auch nach sieben Monaten noch keine Ausschreibung. Ein zusätzliches Ersatztor koste zwischen 20 und 25 Millionen Euro.

Initiative Kiel Canal sieht Handlungsbedarf

Obwohl Schiffe die Kammer wieder nutzen können, sieht auch die Initiative Kiel Canal - ein Zusammenschluss unter anderem aus Handelskammern, Maklern und Verbänden - trotzdem Handlungsbedarf. Für deren Sprecher, Jens Knudsen, ist es nicht hinnehmbar, dass es keine Reserve-Tore gibt. Er fordert vom zuständigen Bundesverkehrsministerium, schnell zu handeln. "Das Ministerium gibt der Behörde den Handlungsspielraum vor. Von daher ist es notwendig, dass die Verwaltung in die Lage versetzt wird, freihändige Vergabe im Ausnahmefall zu ermöglichen. Das ist hier bis jetzt nicht der Fall gewesen", erklärt Knudsen. Eine Begutachtung und die Erteilung eines Auftrages dauere sehr lange. "Davon müssen wir dringend wegkommen", so Knudsen.

Schleusenkammern immer wieder außer Betrieb

Schleusenkammern waren in der Vergangenheit mehrfach wegen vergleichbarer Vorfälle außer Betrieb. Anfang März musste die Nordschleuse aufgrund einer Kollision zweier Schiffe vorübergehend gesperrt werden. Im August rammte ein Frachter ein Schleusentor, woraufhin zeitweise ebenfalls nur die südliche Schleusenkammer zur Verfügung stand.

Brunsbüttel: Kollision in NOK-Schleuse

Und auch in Brunsbüttel war in der Nacht zum Montag ein Containerschiff in der großen Südschleuse mit dem Mittelleitwerk kollidiert. Nach Angaben der Polizei könnten Windböen der Grund dafür gewesen sein. Menschen wurden nicht verletzt. Noch ist unklar, welche Schäden die "Elbsummer" an dem Bauwerk angerichtet hat. An dem knapp 158 Meter langen Schiff stellten Beamte der Wasserschutzpolizei lediglich Farbabrieb fest. Die Besatzung konnte ihre Reise nach Fredericia in Dänemark fortsetzen.

Bereits am Sonntag hatte ein Schiff in Brunsbüttel die Nordböschung im großen Vorhafen der Schleuse berührt. Der Kapitän sprach nach Polizeiangaben von einem Steuerfehler. Das Schiff kam aus eigener Kraft wieder frei. Die Weiterfahrt wurde von der Berufsgenossenschaft jedoch vorläufig untersagt.

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Ein Frachter steht nach einer Havarie vor dem geschlossenen Schleusentor des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau. © NDR Foto: Christian Wolf

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2021 | 19:00 Uhr

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