Schleimünde: Taucher findet sechs weitere Enigma-Chiffriermaschinen

Stand: 21.01.2021 18:25 Uhr

Der Fund der legendären Chiffriermaschine Enigma auf dem Grund der Geltinger Bucht im vergangenen Jahr war schon eine kleine Sensation. Nicht weit davon entfernt tauchten jetzt sechs weitere Maschinen auf.

Der Finder Christian Hüttner steht hinter zwei der gefundenen Chiffriermaschinen. © Christian Hüttner Foto: Christian Hüttner
Berufstaucher Christian Hüttner steht hinter zwei der gefundenen Enigmas.

Wieder war es ein Taucher, der eigentlich etwas ganz anderes suchte - in diesem Fall einen verlorenen Propeller. Christian Hüttner stieß auf dem Ostsee-Grund bei Schleimünde (Kreis Schleswig-Flensburg) Anfang des Jahres dabei gleich auf sechs Enigmas aus dem Zweiten Weltkrieg und verständigte sofort das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein. "Teilweise sind sie offensichtlich bereits vor dem Entsorgen unbrauchbar gemacht worden. Funktionieren werden die Dinger nie wieder", erklärte Berufstaucher Hüttner dem Landesamt.

Nur wenige Enigmas sind erhalten

Die besonderen Fundstücke, die im Zweiten Weltkrieg dazu dienten, Funksprüche der Wehrmacht zu ver- und entschlüsseln, kommen nach Angaben des Landesamtes zunächst in die Röhre, um mit Hilfe einer Computertomografie ihre Struktur in 3D zu erfassen. Danach sollen sie in der Werkstatt des Museums für Archäologie auf Schloss Gottorfin Schleswig konserviert und restauriert werden - ebenso wie der Fund aus dem vergangenen November. Eine Ausstellung zu Enigma-Chiffriermaschinen im Museum für Archäologie ist nach Abschluss der Konservierung geplant. Nach Angaben des Landesamtes ist noch offen, wie die nun gefundenen Maschinen an ihren Fundort gelangten. Mehr als 100.000 Enigmas sollen in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs gebaut worden sein, doch nur wenige sind erhalten.

Auf dem Ostsee-Grund könnten noch mehr Enigmas liegen

Das Archäologische Landesamt geht davon aus, dass in schleswig-holsteinischen Gewässern zahlreiche Chiffriermaschinen versenkt wurden. Sowohl die Enigmas als auch die Fundorte könnten Aufschluss über Ereignisse zum Ende des Zweiten Weltkrieges bringen, vermuten die Forscher. Viele der Geräte waren zum Kriegsende vernichtet worden. In der Geltinger Bucht hatte die deutsche Kriegsmarine damals 50 U-Boote versenkt, um sie nicht an die Alliierten zu übergeben. Das Archäologische Landesamt warnt aber: Falls jemand künftig weitere Maschinen findet, soll er sie auf keinen Fall selbst bergen. Demnach könnte sich auch Munition in der Nähe des Fundortes befinden.

Weitere Informationen
Der Unterwasser-Archäologe Florian Huber begutachtet die gefundene Enigma © Christian Howe/submaris Foto: Christian Howe

Geltinger Bucht: Taucher finden "Enigma" auf Ostseegrund

Eigentlich sollten alte Netze geborgen werden. Mit der Chiffriermaschine wurden im Zweiten Weltkrieg Funksprüche verschlüsselt. mehr

Fassade von Schloss Gottorf © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Foto: Bodo Nitsch

Schloss Gottorf: Zwei Museen und ein Barockgarten

Die schöne Anlage in Schleswig beherbergt die Landesmuseen für Kulturgeschichte und Archäologie. Dahinter liegt ein weitläufiger Park. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.01.2021 | 17:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Eine Bilder-Collage zeigt vier Frauen: Anja Babbe-Wulff (oben links), Claudia Baldus (unten rechts), Friederike Kühn (oben rechts) und Katja Seevers (unten links). © NDR

Führungsfrauen aus SH: "Gemischte Teams führen besser"

In nur knapp 30 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein stehen Chefinnen an der Spitze. Warum sind es nicht längst mehr? mehr

Videos