Stand: 11.09.2019 14:54 Uhr

Razzien: Kriminelle Banden oder Terrorhelfer?

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Zwei Männer wurden im Zuge der Razzien festgenommen.

Terrorfinanzierung oder "nur" Überweisungen von Migranten in die Heimat - vieles ist noch unklar nach den Razzien in Norddeutschland. Das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein und die Staatsanwaltschaft Flensburg haben Mittwochmorgen 16 Objekte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern durchsuchen lassen. Hintergrund ist nach Angaben der Ermittler ein Verfahren gegen zehn Männer und eine Frau. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft haben die Spezialkräfte bei den Razzien größere Geldbeträge gefunden. Zwei 34 und 37 Jahre alte Männer wurden festgenommen.

Beschuldigte überwiegend aus Syrien

Den elf Beschuldigten, die überwiegend aus Syrien stammen, wird vorgeworfen, sich gewerbsmäßig und organisiert verabredet zu haben, um von Dezember 2018 bis Juli 2019 illegale Geldgeschäfte durchzuführen. Das Geld wurde demnach ins Ausland verschoben, die Beteiligten erhielten dafür Provisionen. Es soll sich um Summen im sechsstelligen Bereich handeln.

"Wir prüfen auch, ob ein Verdacht auf Terrorfinanzierung vorliegt", sagte die Leitende Oberstaatsanwältin, Ulrike Stahlmann-Liebelt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Stephanie Gropp, sagte am Mittwochmittag NDR.de, die Hauptstoßrichtung der Ermittlungen sei allerdings der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Möglicherweise Hawala-System

Auf die Frage, ob es sich um ein sogenanntes Hawala-System handeln könne, bei dem Privatleute über Mittelsmänner Geld versenden, sagte Gropp: "Es geht um ein vergleichbares Modell." Details wollte sie unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen. Die Herkunft des Geldes ist laut Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt noch nicht bekannt. Es sei mutmaßlich in mehrere Länder geflossen.

Das Hawala-System

Hawala ist ein weltweit funktionierendes Überweisungssystem, das ohne Banken oder Konten funktioniert. Es basiert auf Vertrauen. Hawala entwickelte sich im frühen Mittelalter und ermöglicht, Zahlungen auch anonym vorzunehmen. Ebenso können Gelder in Länder geschickt werden, die mit Sanktionen belegt sind oder an Menschen, die keine Konten führen. Ein Mittelsmann in Deutschland nimmt dabei Geld entgegen - gegen eine Provision von beispielsweise zehn Prozent. Sein Partner in Syrien zahlt das Geld an den Empfänger aus. Das Geld fließt also nicht tatsächlich. Viele Syrer nutzen Hawala, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen, da dort beispielsweise WesternUnion nicht arbeitet. Ohne Genehmigung der Finanzaufsicht BaFin ist Hawala in Deutschland illegal.

Razzia an 16 Standorten

Die Razzia war an insgesamt 16 Standorten in Norddeutschland durchgeführt worden - nach NDR Informationen unter anderem in Stockelsdorf bei Lübeck, in den Hamburger Stadtteilen Eimsbüttel, Barmbek-Süd und Harburg sowie in Stralsund.

Die Flensburger Staatsanwaltschaft hat die Federführung bei den Ermittlungen, weil sie die sogenannte Staatsschutzanwaltschaft in Schleswig-Holstein ist. Sie ist damit für Straftaten zuständig, die einen politischen Hintergrund haben können.

Ein Beamter steht neben einem Polizeiwagen. © TV News Kontor Foto: Screenshot

Großrazzia in Norddeutschland

NDR 90,3 -

Die Polizei ist in mehreren norddeutschen Bundesländern gegen mutmaßliche Terror-Unterstützer vorgegangen. Auch in Hamburg gab es Durchsuchungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.09.2019 | 12:00 Uhr

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