Stand: 18.08.2019 12:00 Uhr

Professionelle Spurenleserin beim LKA

von Christian Nagel

Um Verbrechen aufzuklären, können Schuhabdrücke enorm wichtig sein. Ob ein Abdruck am Tatort zum Schuh eines Verdächtigen gehört, ermittelt beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein (LKA) Karin Bruder. Die 49-Jährige arbeitet im Sachgebiet "Formspuren" als Sachverständige. Können ihre Kollegen an einem Tatort Schuhabdrücke sicherstellen, beginnt ihre Arbeit. "Wird dann so ein Schuh bei einem Verdächtigen gefunden, ist das ein wichtiger Hinweis für die Ermittler", erklärt Bruder. In den meisten Fällen kann sie sagen, um welchen Schuh es sich handelt. Die 49-Jährige nutzt bei ihrer Suche eine komplexe Computersoftware. "In unserer Datenbank sind jetzt 28.000 unterschiedliche Modelle katalogisiert", berichtet Bruder. Erst kürzlich hat das LKA Schleswig-Holstein seine Datenbank mit 11.000 Schuhmodellen erweitert. "Das LKA Niedersachsen arbeitet auch mit diesem System, die haben uns eine Kopie ihrer Daten verkauft", sagt die Beamtin.

Eine Datenbank für Schuhabdrücke

In Handarbeit zum richtigen Abdruck

Beide Landeskriminalämter verfügen jetzt über eine der größten Referenzmuster-Datenbanken, wie die Schuhsohlen-Kartei im Polizei-Deutsch heißt. Die LKA-Mitarbeiter gehen bei ihrer Datenbanksuche fast immer gleich vor: Die Spurensicherung leitet ein Foto der entdeckten Schuhsohlenabdrücke an Bruder und ihre Kollegen weiter und bittet um Auswertung. Die Sachverständigen arbeiten sich dann anhand unterschiedlicher Kategorisierungen Stück für Stück durch die Datenbank.

Ist die Sohle glatt, hat sie Profil? Gibt es Zacken oder runde Kreise? Ist vielleicht ein Markenname zu erkennen? Diese und viele weitere Angaben fragt die Software nacheinander ab. "Das ist Handarbeit und geht nicht automatisch", erläutert Bruder. Am Ende macht der Computer Vorschläge und zeigt im Idealfall den zu 100 Prozent richtigen Schuh an.

Entscheidender Hinweis zur Aufklärung eines Mordes in Kiel

Durch diese Methode konnten die Ermittler des Landeskriminalamtes unter anderem einen wichtigen Hinweis für die Aufklärung eines Mordes an einem älteren Herren in Kiel geben. Der Täter hatte den Tatort nach der Tat zwar gereinigt. Die Spurensicherung konnte jedoch mit speziellen Chemikalien Reste von Blutspuren sichtbar machen. Darunter befand sich der Abdruck einer Schuhsohle.

"Wir konnten mithilfe der Datenbank sehr schnell herausfinden, dass es sich um einen sehr seltenen Schuh gehandelt hat, der nicht sehr häufig verkauft wurde", sagt Karin Bruder. Schließlich fanden die Ermittler heraus, dass ein Mann im Umfeld des Toten genau diesen Schuh besitzt. "Es war die entscheidende Fährte zur Aufklärung des Falles", freut sich die 49-Jährige.

Notfalls werden "unsichtbare" Spuren sichtbar gemacht

Karin Bruder und ihr Team können auch selbst Spuren sichtbar machen, wo der Laie keine erkennt - zum Beispiel den Schuhabdruck auf einem Stück Papier, etwa auf einer Zeitung. "Mit einem speziellen Verfahren wird das Papier statisch aufgeladen", erläutert die Expertin. Dort, wo sich der Abdruck befindet, verändert sich das Papier dabei nicht so sehr, wie dort, wo das Papier nicht eingedrückt wird. "Wir verwenden dann eine Art Kohle, die wir über das Papier rieseln lassen", sagt die 49-Jährige. Ähnlich wie bei Fingerabdrücken ist der Sohlenabdruck dann gut zu erkennen. Die Auswertung erfolgt dann ebenfalls im Datenbanksystem.

Auch privat immer ein Blick auf Schuhsohlen

Weil laufend neue Schuhe und Sohlen auf den Markt kommen, wird die Datenbank ständig um neue Modelle ergänzt. "Wir erhalten viele Schuhe, die von unseren Ermittlern beschlagnahmt werden", erzählt Karin Bruder. Diese werden dann genauestens erfasst und in die Datenbank eingepflegt. Wie so oft, wirkt sich auch der Beruf von Karin Bruder auf ihr Privatleben aus. "Wenn ich im Schuhgeschäft bin, schaue ich mir oft erst mal die Sohlen genauer an. Da wurde ich schon oft etwas komisch angeschaut", lacht sie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.08.2019 | 13:00 Uhr

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