Stand: 16.06.2020 18:40 Uhr

Neue Schleusenkammer in Brunsbüttel nicht vor 2026 fertig

von Christian Wolf

Es hätte ein Jahr der Festlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Nord-Ostsee-Kanals werden sollen, doch ganz so feierlich verläuft das Jahr 2020 nicht: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie buchen weniger Reedereien eine Durchfahrt, fahren stattdessen lieber um Dänemark herum. Das große Jubiläumsfest musste um ein Jahr verschoben werden. Und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Der Bau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) verzögert sich erneut. Frühestens 2026 sollen Schiffe das neue Bauwerk nutzen können - ursprünglich war eine Freigabe für diesen Herbst geplant, zuletzt war 2024 das Ziel.

Behörde plant mit Kosten von 830 Millionen Euro

"Diese Zahl 2026 ist Ergebnis einer detaillierten Planung", erklärt Hans-Heinrich Witte, Präsident der zuständigen Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt im Interview mit NDR Schleswig-Holstein. Trotz der erneuten Verzögerungen erwartet der Behördenchef keine erneute Kostensteigerung: "Wir gehen aktuell von einer Summe von 830 Millionen Euro aus. Wir sind noch im Streitschlichtungsverfahren, die Zahl kann sich aber noch verändern." Ziel sei es ein sicheres Bauwerk in einen überschaubaren Zeitraum herzustellen, so Witte.

Verkehrsministerium will Senkung der Durchfahrts-Kosten

Ein Schiff passiert eine der schmalsten Stellen im Nord-Ostsee-Kanal in Höhe Landwehr-Fähre. © NDR
Im östlichen Teil des Nord-Ostseekanals gibt es zahlreiche Engstellen, die große Schiffe nur einzeln durchfahren können.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Damit die Abkürzung durch den Kanal wieder attraktiver wird, sollen die Durchfahrtskosten gesenkt werden. Allerdings macht Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein auch klar, dass das Bundesverkehrsministerium diese Entscheidung nicht alleine trifft: "Letztlich muss das Bundesfinanzministerium dabei mitmachen. Insofern werden wir den Vorschlag machen, dass man hier so eine Senkung kommt." Der CDU-Politiker ist optimistisch, dass die Gebührensenkung kommt.

Einbruch bei Schiffen und Ladung durch Corona

Im ersten Quartal des Jahres hat es laut Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,58 Prozent gegeben. Dieser Trend hat sich in den beiden Folgemonaten noch mal deutlich verschärft. So fuhren im April 25 Prozent weniger Schiffe auf der künstlichen Wasserstraße als noch 2019. Entsprechend weniger Ladung wurde transportiert. 2020 wurden nur etwa fünf Millionen Tonnen durch den Kanal geschleust. Im Vorjahr waren es sieben Millionen - ein Minus von 29 Prozent. Im Folgemonat Mai verschärfte sich die Situation. 30 Prozent weniger Schiffe 2019, nur noch etwa 4,9 Millionen Tonnen Ladung statt rund 6,5 Millionen.

Weitere Informationen
Ein historischer Vergleich des Nord-Ostsee-Kanals. © NDR Foto: Christian Wolf

Nord-Ostsee-Kanal: Zahlen und Hintergründe

Der Nord-Ostsee-Kanal kann für Schiffe eine gigantische Abkürzung sein - aber auch ein Flaschenhals - Hintergründe und Historisches. mehr

Die Hochbrücke Rendsburg ist fast fertig gebaut. © Landesarchiv Schleswig-Holstein LASH LSH_Abt. 548.3 Nr. 3213(1)

Jahrhundertbau Nord-Ostsee-Kanal

Mit dem Nord-Ostsee-Kanal errichten Ingenieure und Arbeiter innerhalb von acht Jahren ein Jahrhundertbauwerk. Ein Dossier. mehr

Zwei große Passagierschiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal © WSA Kiel-Holtenau

Nord-Ostsee-Kanal: Schiffe und Schleusen zum Greifen nah

Wenn Container- und Kreuzfahrtschiffe durch Schleswig-Holstein gleiten, bieten sich spektakuläre Perspektiven. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 16.06.2020 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Mann in Arbeitsjacke und Hose schmeißt einen kaputten Computerbildschirm auf seine Ladefläche. © NDR

Rendsburg zieht positive Mängelmelder-Bilanz

Per App können Rendsburger Mängel wie übergelaufende Mülleimer oder Schlaglöcher an das Ordnungsamt melden. mehr

Ein Schild steht vor dem Klinikum Nordfriesland. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske

Positive Corona-Tests: Klinikum Nordfriesland bleibt zu

Die Sicherheitslücke ist noch nicht gefunden. Die Standorte in Husum und Niebüll nehmen für eine weitere Woche keine Patienten auf. mehr

Ein Corona-Schnelltest wird durchgeführt. © picture alliance / dpa Foto: Sven Hoppe

Kieler Virologe sieht Corona-Schnelltests für zu Hause kritisch

Bald könnte es Corona-Schnelltests für zu Hause in Apotheken geben. Der Virologe Fickenscher befürchtet falsche Ergebnisse. mehr

Westküstenklinikum Heide © dpa-Bildfunk Foto: Wolfgang Runge, dpa

Ausgleichszahlungen für Kliniken abhängig vom Inzidenzwert

Viele Kliniken bekommen kein Geld aus dem Rettungsschirm des Bundes, obwohl sie Corona-Patienten aus anderen Kreisen aufnehmen. mehr

Videos