Stand: 15.01.2020 05:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Husumer Modell gegen Kinderarztmangel auf dem Land

In den kommenden zehn Jahren wird mehr als ein Drittel aller Kinderärzte in Schleswig-Holstein in Rente gehen. Es braucht Nachwuchs. Doch für viele Fachärzte ist der Sprung nach der Ausbildung in eine eigene Praxis zu groß. Denn die Facharztausbildung findet ausschließlich im Krankenhaus statt. Viele junge Ärzte bleiben dann dort. Ein Weiterbildungsmodell soll jetzt schon während der Ausbildung Kliniken und Praxen verbinden - und so mehr Nachwuchs generieren.

Was tun gegen den Kinderarztmangel?

Schleswig-Holstein Magazin -

In den nächsten zehn Jahren erreichen mehr als ein Drittel der Kinderärzte in Schleswig-Holstein das Rentenalter. Daher wird für den Ärztenachwuchs ein Weiterbildungsmodell getestet.

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Ambulante Inhalte fehlen

Seit 14 Jahren arbeitet Christoph Weiß-Becker in Husum als niedergelassener Kinderarzt. Auch er hat seinen Facharzt damals im Krankenhaus gemacht. Vor vier Jahren gründete er mit Kollegen einen sogenannten Weiterbildungsverbund: 25 Kinderarztpraxen in Schleswig-Holstein kooperieren darin eng mit den Kliniken im Land. "Normalerweise werden die Ärzte bis zur Facharztprüfung im Krankenhaus ausgebildet. Der Schritt in die ambulante Versorgung ist dann groß. Viele vermissen die Inhalte der ambulanten Grundversorgung in ihrer Ausbildung", erklärt Weiß-Becker das Problem.

50 Prozent Klinik, 50 Prozent Praxis

Toni Singh ist angehender Kinderarzt und profitiert von dem Weiterbildungsverbund. 50 Prozent seiner Zeit arbeitet er im Krankenhaus in Heide, die restliche Zeit in der Husumer Praxis. Insgesamt fünf Jahre muss er - genau wie jeder Assistenzarzt - machen, um Facharzt zu werden. Danach muss auch er sich entscheiden: Klinik oder Praxis. "Ich mach hier Vorsorgeuntersuchungen, die ich in der Klinik nicht machen würde, auch Impfungen, die ich in der Klinik nicht machen würde. Ich denke schon, dass mir das nachher in der Entscheidung weiterhilft und ich in der Zeit viel gelernt habe", sagt Singh über das Weiterbildungsmodell. Zwei Jahre lang bildet Weiß-Becker den Assistenzarzt in seiner Praxis weiter.

Mit dem Verbundmodell will Christoph Weiß-Becker junge Assistenzärzte frühzeitig für die Arbeit in der Praxis begeistern. Das könnte künftig dabei helfen, offene Kinderarztstellen leichter zu besetzen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.01.2020 | 19:30 Uhr

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