Stand: 16.09.2018 04:00 Uhr

Neue Häuser per Schwertransport nach Helgoland

Von Carsten Rauterberg und Jörg Jacobsen

Weiße Planen verdecken die Sicht auf die Ladung des Pontons im Helgoländer Hafen. Jedes Teil ist etliche Meter breit und hoch. Einige sind rechteckig, andere dreieckig, alle einzeln verpackt. Nur unschwer ist zu erkennen, dass es sich um das Dachgeschoss eines Hauses handelt. Die riesigen Pakete sind vorgefertigte Module für neue Häuser auf Helgoland. 68 Wohnungen lässt die Gemeinde gerade bauen, weil auch auf Deutschlands einziger Hochseeinsel bezahlbarer Wohnraum knapp geworden ist. "Den brauchen wir hier, damit Hotellerie und Gastronomie funktionieren", sagt Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). "Das Personal kann ja von und nach Helgoland nicht täglich pendeln."

Bauarbeiter finden Bombe

Von der Pier am Hafen im Unterland der Insel zieht ein Traktor mit einem Anhänger die Teile langsam über die steile und schmale Straße hinauf ins Oberland. Dort - zwischen dem Leuchtturm und der Inselschule - haben Bauarbeiter bereits alles vorbereitet: Absperrgitter und Hinweisschilder sollen Tagesgäste und Touristen von der Baustelle fernhalten. Rohre, Stromkabel und die Fundamente haben die Arbeiter im roten Sandstein bereits installiert. Dabei sind sie auch auf einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Ein Spezialkran aus Elmshorn ist ebenfalls bereits vor Ort, um die Module für die Häuser übereinander zu setzen. In den Tagen zuvor war absolute Ruhe auf der Baustelle - wegen des schlechten Wetters und wegen Lieferschwierigkeiten auf dem Festland.

Von der Straße aufs Schiff

Die Fertighausteile kommen aus Polen. Im Hafen von Glückstadt an der Elbe (Kreis Steinburg) geht es vom Schwertransport aufs Schiff. 18 Module passen auf einen Ponton. Dazu kommen noch einige Paletten. Zusammen ist die Ladung rund 200 Tonnen schwer. "Vom Gewicht her ist das relativ entspannt, aber es ist eben was anderes als Stückgut und Schüttgut, was wir hier sonst haben", sagt Nico Andritter-Witt, der die Arbeiten im Glückstädter Hafen koordiniert.

Ein Segelboot im welligem Wasser vor den Felsen von Helgoland. © Hinrich Franck Foto: Hinrich Franck

Helgoland im Wandel: Eine Insel erfindet sich neu

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Durch Windparks, neue Schiffslinien und mehr Touristen verändert sich Helgoland rasant. Die Gemeinde baut gerade neue Wohnungen für 15 Millionen Euro. Der Wandel der Insel war Thema in Zur Sache.

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Gemeinde baut in Eigenregie

In Helgolands Wirtschaft geht es wieder aufwärts. Zum einen sind durch die drei Offshore-Windparks nördlich der Insel neue Arbeitsplätze entstanden, zum anderen sind durch den Tourismus-Boom Menschen auf die Insel gezogen. Sie alle brauchen Wohnungen und die sind auf Helgoland seit Jahren knapp. Das Thema wurde seit Monaten auf der Insel diskutiert, dann schaffte die Gemeindevertretung Fakten. Nach dem Motto "Wir packen es an" beschloss der Gemeinderat, selbst Wohnungen zu bauen. 15 Millionen Euro nimmt die Gemeinde nun in die Hand. "Wenn alles klappt, ist das Konzept ein Quantensprung für entlegene Tourismusstandorte", sagt Bürgermeister Singer.

Vergabe nur an Helgoländer

Das Interesse an den neuen Wohnungen auf dem Oberland ist riesig. Laut Bürgermeister Jörg Singer haben sich etwa 250 Interessenten bei der Gemeindeverwaltung gemeldet. Die Gemeinde hatte bereits vor dem Baubeginn festgelegt, dass ausschließlich Helgoländer die Wohnungen beziehen sollen. Familien mit Kindern hatten bei der Vergabe während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses ebenfalls Vorrang. "Nach Vorgaben, Punkten und zum Teil auch nach Losverfahren wurden die Wohnungen vergeben - neutral und transparent", sagt Jörg Singer. Nach seinen Angaben liegen die Kaltmieten zwischen 8,50 und 9,90 Euro je Quadratmeter. Die Lokalpolitiker hoffen nun, dass sich der Wohnungsmarkt insgesamt entspannt.

Erste Mieter können im Sommer einziehen

Viele Helgoländer begrüßen das Bauprojekt auf dem Oberland. Jahrelang sei zum Thema bezahlbarer Wohnraum nichts passiert, sagten einige Insulaner im Gespräch mit dem NDR. Umso positiver sei, dass nun endlich gebaut werde. Die direkten Anwohner haben bislang nur die Vorarbeiten erlebt. Wenn der Trecker die großen Bauteile anliefert und die Bauarbeiter die Module aufstellen, wird es noch einmal laut und schmutzig am ruhigen Siedlungsrand auf dem Oberland. Die Gemeinde hat die Arbeiten nur zwischen morgens und nachmittags genehmigt. Trotzdem haben die meisten Anwohner Verständnis, schließlich wird auf Helgoland nicht alle Tage gebaut. Im Januar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die ersten Mieter bereits in die neuen Häuser am Leuchtturm auf Helgoland einziehen.

Haus-Transport über die Nordsee

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 16.09.2018 | 18:05 Uhr

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