Die Polarstern in der Dunkelheit der Arktis. Wegen der Polarnacht waren es lange Zeit nur die Scheinwerfer des Forschungsschiffs, die dem Team Licht gespendet haben. © Esther Horvath Foto: Esther Horvath

Neubau der "Polarstern II" - kommt der Auftrag nach SH?

Stand: 27.05.2022 14:03 Uhr

Der Bundestag hat zusätzliche Mittel für den Neubau des Forschungsschiffes "Polarstern II" bewilligt. Schleswig-Holsteins maritimer Koordinator hofft, dass heimische Werften den Auftrag bekommen.

von Christian Wolf

Vor mehr als 40 Jahren ist das Forschungsschiff "Polarstern" in Kiel und Rendsburg gebaut worden. Seitdem sorgte das schwimmende Labor weltweit für Aufsehen. Zuletzt bei der sogenannten Mosaic-Mission. Von 2019 an trieb die "Polarstern" ein Jahr lang im Eis um den Nordpol. Währenddessen wurden an Bord von internationalen Wissenschaftlern die Auswirkungen des Klimawandels erforscht. Doch in fünf Jahren soll das Schiff durch einen Neubau ersetzt werden. Seit fast zehn Jahren laufen die Planungen dafür. Jetzt soll der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden, nachdem der Bundestag zusätzliche Mittel bewilligte.

Schleswig-Holstein hat das Know-how zum Bau

Andreas Burmester ist der Maritime Beauftragte des Landes. Aus seiner Sicht kann die neue Polarstern nur in Schleswig-Holstein gebaut werden: "Wir haben hier die Bauwerften, wir haben in Schleswig-Holstein die Technologie dafür. Ein solches Schiff ist technologisch in der Komplexität auf dem Level einer Fregatte oder eines U-Bootes." Mit Blick auf die Werften und die Zulieferbetriebe könne sich ein wettbewerbsfähiges Konsortium bilden, erklärte Burmester auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein. So sieht es auch das Wirtschaftsministerium und erklärte: "Schleswig-Holstein bietet mit der großen Expertise natürlich beste Voraussetzungen. Auch das Vorgängerschiff wurde schon hier gebaut." Es sei aber natürlich eine Entscheidung der Werften, ob sie sich um den Auftrag bemühen oder nicht, heißt es.

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) zum Beispiel bezeugt Interesse: "Wir werden uns um den Auftrag zum Bau der neuen "Polarstern" bewerben. Dabei sind wir offen für die Bildung eines Werften-Konsortiums. Es ist uns wichtig, diesen hoch anspruchsvollen Neubau nach Schleswig-Holstein zu holen", sagte Philipp Maracke, Geschäftsführer der FSG.

IG Metall wünscht sich deutschen Auftragnehmer

Mit den jetzt zusätzlich bewilligten Mitteln durch den Bundestag endet für die IG Metall "endlich auch eine Hängepartie" um den Neubau des deutschen Forschungsschiffes. Die Gewerkschaft hofft, dass sich nun auch viele deutsche Werften auf diesen Auftrag bewerben. "Es sind jetzt alle gefordert, ihr Know-how einzubringen, damit am Ende auch die Arbeitsplätze im Land davon profitieren", erklärte Gewerkschaftssprecher Heiko Messerschmidt. Gleichzeitig hofft die IG Metall, dass solche Aufträge künftig nicht mehr europaweit ausgeschrieben werden müssen. "Der Bau von Forschungsschiffen ist inzwischen Schlüssel-Technologie, so ist es im Koalitionsvertrag festgehalten, allerdings fehlt noch die Umsetzung", so der Gewerkschaftssprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.05.2022 | 08:00 Uhr

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