Stand: 17.05.2020 06:00 Uhr

Naturschützer bekämpfen Riesenbärenklau

Mehrere Meter hoch können die Stauden des Riesenbärenklaus wachsen. Der Verband der Naturfreunde Schleswig-Holstein kämpft gegen die Verbreitung der unliebsamen Pflanze. In den kommenden Monaten wollen die Mitglieder im ganzen Land dem Riesenbärenklau an den Kragen gehen - angefangen haben sie jetzt an der Ostsee in Wackerballig (Kreis Schleswig-Flensburg).

Hübsche Pflanze, aber gefährlich

Mit ganzer Kraft lehnt sich Ina Walenda von den Naturfreunden auf ihren Spaten und gräbt bis unter die Wurzel des ungefähr zwei Jahre jungen Gewächses. Schon seit vier Jahren arbeitet die Naturschützerin an der Eindämmung des Riesenbärenklau. Immer wieder, wenn sie die Stauden an den Wegen und Straßen in Schleswig-Holstein entfernt, ernte sie ungläubige Blicke von Passanten, erzählt Walenda. Manchmal fragen die Passanten, warum sie die schönen Pflanzen zerstöre. Weil sie heimische Gewächse schützen wolle, sagt sie, während sie eine weitere Staude zu den anderen auf dem immer größer werdenden Haufen legt.

Stauden vermehren sich rasant

Mittlerweile ist der Riesenbärenklau - manche nennen ihn auch Herkulesstaude - weit verbreitet. In den vergangenen Jahrzehnten hat er sich rasant vermehrt - von Flensburg bis nach Hamburg. Vor allem entlang von Straßen, Wegen und am Wasser wächst er fast unaufhaltsam. Im ausgewachsenen Zustand können an einer Staude des Riesenbärenklaus bis zu 50.000 Samen wachsen, die durch den Wind weitergetragen werden, in den Boden gelangen und dort neue Pflanzen bilden. Weil die Samen auch im Wasser überleben, sind bereits viele Strand- und Küstenabschnitte in Schleswig-Holstein vom Riesenbärenklau übersät. Dort, wo die Stauden bis zu vier Meter hoch wachsen, haben andere Pflanzen keine Überlebenschance. "Die Pflanzenvielfalt schrumpft, Wildtiere finden keine Nahrung mehr", sagt Walenda.

Früher Gartenpflanze, heute Albtraum der Naturschützer

Ursprünglich kommt der Riesenbärenklau aus dem Kaukasus. Noch bis in die 80er Jahre hinein war die Pflanze in Gartencentern erhältlich, diente als beliebte Dekorationspflanze in vielen Gärten. Auch Imker hielten sie als Nahrungsquelle für ihre Bienen. Man dürfe die Staude nicht mit Rhabarber verwechseln, warnt Walenda. Denn tatsächlich sieht der junge, lila gefleckte Riesenbärenklau dem Rhabarber zum Verwechseln ähnlich. Bei der Bekämpfung der hartnäckigen Pflanze muss die Naturschützerin Fingerspitzengefühl beweisen. Ist die Staude zu jung, lässt sie sich gar nicht richtig entfernen. Erst nachdem sie rund 30 Zentimeter hoch gewachsen ist, kann man sie rückstandslos aus dem Boden heben. Wenn die Pflanze größer wird, sollte sie unter der Blüte abgeschlagen werden. Doch das bringt zwei Tücken mit sich: Zum einen verliert sie dabei Samen, die später zu neuen Pflanzen werden. Zum anderen spritzt beim Durchtrennen der Staude giftiger Saft aus dem Stiel. Deshalb muss der Hobbygärtner am ganzen Körper Schutzkleidung tragen. Viele verletzen sich beim Versuch die Staude zu entfernen.

Starke Verbrennungen - nur durch Berührung

Der Geltinger Arzt Dr. Michael Weiß hat in seiner Praxis vor allem im Sommer immer wieder mit solchen Fällen zu tun. Anders als viele denken, seien die Verbrennungen, die durch Berührung des Saftes entstehen, nicht vergleichbar mit denen durch Brennnesseln oder Feuerquallen. "Die Verletzungen durch den Riesenbärenklau sind schlimmer", sagt der Mediziner. Sie ähneln einer Verbrennung durch Feuer. Häufig bilden sich große, schmerzhafte Quaddeln, die sehr langsam abheilen. Bei großflächiger Berührung sei der Saft sogar lebensgefährlich. Bei ausgewachsenen Stauden reiche manchmal sogar nur eine unvorsichtige Berührung am Stamm. Vor allem bei Kindern könnten dann schon Verbrennungen und Atemnot entstehen. Besonders tückisch ist laut Dr. Weiß die sogenannte phototoxische Reaktion des Saftes. Erst nachdem die Stelle am Körper mit Sonnenlicht in Verbindung kommt, entwickeln sich starke Schmerzen. Viele Patienten bemerken die Schmerzen deshalb erst Stunden nach der Berührung.

Naturschützer brauchen Durchhaltevermögen

Die Naturschützer bekämpften den Riesenbärenklau jedoch nicht, weil er so gefährlich sei, sagt Walenda, sondern, weil er andere Pflanzen verdränge und sich zu stark und schnell in Schleswig-Holstein ausbreite. Für heute ist die kleine Gruppe fertig. In den kommenden Monaten wird sie weiter - überall im Land verteilt - gegen den Riesenbärenklau vorgehen. Dabei brauchen die Naturschützer Ausdauer. Denn auch wenn sie in Wackerballig alle Stauden entfernt haben, werden sie im nächsten Jahr wiederkommen müssen. Einige Jahre dauert es nämlich, bis der Riesenbärenklau an einem Standort wirklich besiegt ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.05.2020 | 16:30 Uhr

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