Stand: 15.05.2020 19:30 Uhr

Nach Moorbrand: Neuanfang für das Ökosystem

Anfang Mai sind geschätzte fünf Hektar des Hochmoores in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) verbrannt. Ein so großes Feuer gab es in 50 Jahren nicht, meint Johannes Engelbrecht, der sich im Auftrag des Naturschutzbundes (NABU) um das Moor kümmert. Und immer noch steigt ihm der beißende Geruch des Brandes in die Nase. "Es ist auf den ersten Eindruck eine Katastrophe: Die Oberfläche ist total weggebrannt. Aber durch die aktive Löscharbeit, die auch sehr schnell kam, konnte sich das Feuer nicht in die Torfmasse hineinfressen", beschreibt Engelbrecht die Auswirkungen des Feuers. Die Tierwelt hat es härter getroffen. Bodenbrüter und Kreuzottern sind in den Flammen umgekommen. Nur ein paar Eidechsen und Ameisen haben im Unterholz durch das Löschwasser überlebt.

Mindestens zwei Jahre Regeneration

Das Wasser kommt auch den Pflanzen zu Gute. "Das Gras sprießt schon drei, vier Zentimeter hoch - und das nach einer Woche", freut sich Engelbrecht. Er schätzt, dass das Moor aber mindestens zwei Jahre benötigt, um sich vollständig zu regenerieren. Vorausgesetzt es regnet. "Anfang April hatten wir einmal zwei Millimeter Niederschlag, und dann in den letzten Tagen neun Millimeter. Das wars." Engelbrecht befürchtet, dass das zweite Jahresquartal sehr trocken bleibt. Das Hochmoor zieht das Wasser aus dem Niederschlag. Wenn er ausbleibt, dann wird es länger dauern.

Unverantwortliches Verhalten im Moor

Genauso wichtig wie das Wasser ist, dass das Ökosystem nicht gestört wird. Deshalb sind auch einige Bereiche abgesperrt. "Man trifft aber immer wieder Leute, die hier über Trampelpfade gehen und rauchen. Das ist unverantwortlich - wirklich unverantwortlich", sagt Engelbrecht. Die Polizei hatte nach dem Brand die Ermittlungen aufgenommen. Noch ist nicht klar, was das Feuer ausgelöst hat. Als Brandursache kann eine weggeworfene Zigarette aber nicht ausgeschlossen werden.

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Schleswig-Holstein Magazin | 15.05.2020 | 19:30 Uhr

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