Stand: 01.06.2020 11:51 Uhr

Nach Brand eines Reetdachhauses: Ein Dorf hält zusammen

Es ist nur ein kurzes heftiges Gewitter gewesen, das es aber in sich hatte. Am 1. Mai schlug ein Blitz in das historische, reetgedeckte Haus von Familie Bohn in Seestermühe im Kreis Pinneberg ein. Das Haus brannte vollkommen nieder, nur wenige Sachen konnte das Ehepaar aus den Trümmern retten - ihrem Zuhause der vergangen 33 Jahre. Volker und Susanne Bohn engagieren sich stark in ihrem Dorf, jetzt können sich die Dorfbewohner revanchieren: Sie greifen der Familie unter die Arme.

Der dritte Blitz trifft das Haus

Es waren die Minuten vor der persönlichen Katastrophe von Susanne Bohn und ihrem Mann Volker. "Der erste Blitzschlag war dicht bei, ich sag mal 300 bis 400 Meter Luftlinie weg", erzählt der 55-Jährige. Der zweite Schlag war weiter weg. Der dritte Blitz aber war schließlich der Auslöser für einen der größten Brände in Seestermühe und Umgebung. Nach zwei Minuten brannte das Dach. Die Feuerwehr brauchte 20 Stunden, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Die 1786 erbaute Kate direkt am Deich der Elbe brannte ab.

Hilfe schnell organisiert

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen ein brennendes Reetdachhaus in Seestermühe (Kreis Pinneberg).
Rückblick: Am 1. Mai 2020 schlägt ein Blitz in das historische, reetgedeckte Haus von Familie Bohn ein.

Volker Bohn hatte gemeinsam mit Nachbar Heiner Asmussen noch versucht, das Schlimmste zu verhindern. Mit Feuerlöschern und dem Gartenschlauch hatten die beiden Männer versucht, das Feuer im Dachstuhl zu löschen - vergebens. Einen Tag nach dem Feuer, als erste Sachen aus dem Haus geholt werden konnten, sorgten Asmussen und seine Frau Gina für noch mehr Hilfe: In einer Whatsapp-Gruppe fragten sie nach Unterstützung. "Da kamen ganz schnell ganz viele und wollten wissen, was sie tun können", erinnert sich Asmussen, "das war super."

Ein Dorf hält zusammen und unterstützt die Familie

Susanne Bohn erzählt, dass plötzlich 25 Autos in der schmalen Straße vor ihrem Haus gestanden und Säcke mit Sachen abgeholt hätten, um sie zu waschen. Es ist nur eines von vielen Hilfsangeboten. Als Handschuhe für die Arbeit gebraucht wurden, hätten auf einmal Tüten mit Arbeitshandschuhen vor dem Haus gestanden. Vieles sei so schnell gegangen, dass die Bohns es gar nicht hätten realisieren können. "Als wir hier Schutt beiseiteräumen wollten und nicht wussten wohin, stand auf einmal einer aus dem Dorf mit seinem Radlader vor der Tür und hat das alles aufgeladen", erzählt Volker Bohn. Freunde brachten Verpflegung und Getränke.

Die tatkräftige Unterstützung ist das eine, ein offenes Ohr das andere - wie zum Beispiel das von Andrea Skopnik. Ihr geht das Schicksal ihrer Nachbarn besonders nah. "Volker und Susanne sind total integriert, durch die Feuerwehr und diverse Sachen, die sie veranstalten", sagt sie. Wenn sie darüber spricht, kommen Skopnik die Tränen. "Ganz klar, dass da ganz viele Leute reagieren und helfen."

Eine Ferienwohnung ohne Ferien

Über Freunde der Feuerwehr konnten die Bohns inzwischen eine Einliegerwohnung auf einem Bauernhof beziehen, ungefähr einen Kilometer entfernt von ihrem alten Haus. "Das ist wie in einer Ferienwohnung, nur ohne Ferien. Aber es ist ganz gut, dass wir dann nicht immer da draufgucken müssen", erzählt Susanne Bohn und zeigt dabei auf den Schutthaufen, der einmal ihr Haus war.

Viele Bewohner von Seestermühe melden sich immer noch bei der Familie und bieten ihre Unterstützung an. "Im Moment können wir aber erstmal nichts machen. Ich sage den Leuten dann immer: Wir kommen auf euch zu, wenn es etwas zu tun gibt", sagt Volker Bohn und es klingt, als wolle er sich entschuldigen. "Wir wissen gar nicht, wie wir uns bei den Nachbarn dafür bedanken sollen. Wir können ja nicht alle einladen." Die Hilfe anzunehmen war für Familie Bohn nicht immer leicht. Für sie steht fest: Sie bauen ihr Haus wieder neu auf. Und auch dafür hat sich das Dorf schon angemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 29.05.2020 | 20:05 Uhr

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