Firmengelände des Unternehmens Caterpillar. © NDR Foto: Christian Wolf

Nach Betriebsversammlung bei Caterpillar: Frust und Enttäuschung

Stand: 09.07.2021 15:18 Uhr

Betriebsversammlung bei Caterpillar in Kiel: Nachdem das Aus für das Motorenwerk verkündet wurde, trafen sich am Freitag 350 Mitarbeiter auf dem Betriebsgelände.

Bis Ende 2022 will Caterpillar an seinen Standorten in Deutschland und China keine MSE-Motoren mehr herstellen. Alleine in Kiel-Friedrichsort sind rund 670 Menschen angestellt. Wie es für sie weitergeht, ist aber auch nach der Betriebsversammlung am Freitag immer noch völlig unklar.

Nach Angaben von Thomas Stark aus dem Caterpillar-Betriebsrat laufen im Hintergrund schon Gespräche. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) will mit Vertretern aus dem Betriebsrat und Gewerkschaftsvertretern sprechen. Bereits am Freitagnachmittag telefonierte Thilo Rolfs, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, mit Caterpillar-Manager Mark Kingsley. "Die Firma hat mir deutlich gemacht, dass man ganz am Anfang eines Prozesses steht und zugesagt, bei allen weiteren Schritte, Betriebsrat und Belegschaft eng einzubinden." Rolfs zufolge wurde Stillschweigen über die Details der Gespräche vereinbart. Die Arbeitnehmervertretung selbst wäre gerne dabei gewesen, wurde aber laut Betriebsrat wieder ausgeladen.

"Einfach nur eine Frechheit, respektlos"

Nach der rund halbstündigen Betriebsversammlung auf dem Kieler Firmengelände wirkten viele Mitarbeiter frustriert. Vorarbeiter Holger Splittgerber sagte: "Ich kann es immer noch nicht realisieren. Man spricht jetzt darüber an allen Stellen, aber ich kann und ich will es wahrscheinlich noch nicht glauben. Das wird eine Zeitlang dauern, bis ich das wirklich realisiere und der Sache wirklich auch ins Auge blicken kann." 42 Jahre hat er bei Caterpillar gearbeitet. Eine Mitarbeiterin meinte, sie fühle Leere, Enttäuschung und Trauer.

Auch die jungen Kollegen sind zum Teil wütend. Ein Auszubildener sagte NDR Schleswig-Holstein: "Ich bin sehr enttäuscht, weil, als wir unsere Ausbildungsverträge unterschrieben haben, da hieß es noch, die Azubis werden für die Zukunft der Firma gebraucht." Er hatte damit gerechnet nach der Ausbildung eine gesicherte Beschäftigung zu haben. "Da hat man jetzt natürlich Fragezeichen im Kopf, wie es mit der Zukunft aussieht."

"Tief sitzende Schocknachricht"

Besonders enttäuscht hat viele, dass sie die Nachricht über das geplante Aus über eine rund acht Minuten lange Videobotschaft aus der US-Konzernzentrale erreicht hat. Vorarbeiter Holger Splittgerber zeigte sich schockiert: "Wir waren da, wenn sie uns gebraucht haben. Und dann sowas: einfach nur eine Frechheit, respektlos. Ich habe mein Leben lang hier gearbeitet, ich kann es noch nicht glauben. Ich bin wie hypnotisiert."

Viele Mitarbeiter - besonders aus der Verwaltung - sind seit eineinhalb Jahren im Homeoffice. "Immerhin haben wir uns heute mal gesehen. Einige mussten dringend mal in den Arm genommen werden. Nach dieser immer noch tief sitzenden Schocknachricht", sagte ein Mitarbeiter. Nach Angaben des Caterpillar-Betriebsrates soll nicht einmal die Geschäftsführung des Kieler Standortes vorab über das geplante Aus informiert gewesen sein.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.07.2021 | 13:00 Uhr

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