Stand: 13.08.2019 16:10 Uhr

Mutmaßlicher Kindesmissbrauch: Anklage vertagt

Bild vergrößern
Ein ehemaliger Leiter einer Jugendschutz-Einrichtung muss sich vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Seit Dienstag muss sich ein Mann aus dem Kreis Segeberg vor dem Kieler Landgericht verantworten. Dem ehemaligen Leiter einer Cuxhavener Jugendeinrichtung wird schwerer Kindesmissbrauch und Vergewaltigung in mindestens 17 Fällen vorgeworfen. Als Tatorte nennen die Ermittler vor allem den Wohnort des Angeklagten im Kreis Segeberg und die Jugendhilfeeinrichtung in Cuxhaven. Auf Antrag der beiden Verteidiger des 46-Jährigen wurde die Anklage am Dienstag jedoch nicht verlesen. Die Verteidiger hatten zuvor der Staatsanwältin schwerwiegende Versäumnisse und einseitige Ermittlungen zum Nachteil ihres Mandanten vorgeworfen. Das Ermittlungsverfahren sei "fern von objektiven Erkenntnissen, rein inquisitorisch" geführt worden.

Jugendkammer lässt die Anklage zu

Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts hat die Anklage aber zugelassen und das Hauptverfahren gegen den 46-Jährigen eröffnet. Das geschieht nur, wenn das Gericht von einem hinreichenden Tatverdacht ausgeht. Nach den Einwänden der Verteidigung werde die Jugendkammer aber nun bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag erneut darüber befinden, ob die Anklage den Anforderungen genüge, sagte eine Sprecherin des Gerichts.

Kinder der Lebensgefährtin offenbar besonders betroffen

Von den Übergriffen war laut Staatsanwaltschaft besonders die Tochter der Lebensgefährtin des Mannes betroffen. Auch deren Bruder blieb offenbar nicht verschont. Den Angaben zufolge wusste die Mutter nichts von den Taten. Der 46-Jährige soll außerdem einen Jungen aus der Jugendschutzeinrichtung in Cuxhaven missbraucht haben, die der Mann mehrere Jahre geleitet hatte.

Der Angeklagte war von mindestens 2012 bis Anfang 2018 Leiter der Einrichtung der Cuxhavener Jugendfürsorge für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Im Februar 2018 wurde er nach Strafanzeigen suspendiert. 13 der 17 angeklagten Fälle von Kindesmissbrauch wertet die Staatsanwaltschaft als schwer, zwei zugleich als Vergewaltigung. Seit Anfang dieses Jahres sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück

Der 46-Jährige verbarg sein Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem blauen Aktendeckel, der beidseitig auf weißem Papier in Großbuchstaben die Aufschrift trug: "Ich bin unschuldig!" Nach Angaben der Verteidiger enthalten die Akten unter anderem "absurde" Angaben eines Jungen aus der Jugendeinrichtung. Demnach soll sich der Angeklagte an ihm rund anderthalb Jahre lang schwer vergangen haben. Das wären rund 500 Fälle und zeige, wie hanebüchen und absurd die Vorwürfe seien, sagte ein Verteidiger. Diese Vorwürfe seien aber nicht Gegenstand der Anklage, stellte eine Gerichtssprecherin klar. Der Angeklagte bestreitet die Taten.

Die Jugendkammer des Landgerichts hat 13 Verhandlungstage und etliche Zeugen vorgesehen. Auch zwei Psychologinnen sind als Sachverständige hinzugezogen. Das Urteil könnte demnach Ende Oktober fallen. Da der Mann die Vorwürfe bestreitet, müssen die betroffenen Kinder wahrscheinlich vor Gericht vernommen werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.08.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:37
NDR 1 Welle Nord
02:34
Schleswig-Holstein Magazin
03:06
Schleswig-Holstein Magazin