Zwei Polizisten stehen hinter Absperrband, das eine Auffahrt eines ländlichen Hofs abgrenzt © Westküsten-News Foto: Karsten Schröder

Mordprozess Dammfleth: Tochter des Opfers vor Gericht

Stand: 21.10.2020 05:00 Uhr

Vor drei Jahren wurde ein Mann auf einem Reiterhof in Dammfleth (Kreis Steinburg) ermordet. Nun auch die heute 17-jährige Tochter des Opfers vor Gericht.

von Jörn Schaar

Die Tat selbst ist aufgeklärt: Der 42-jährige Vater der heute Angeklagten starb in ihrem Kinderzimmer durch zwei Schüsse in den Kopf. Seine Leiche wurde nach der Tat zerstückelt, teilweise in einer Halle verscharrt und teilweise einbetoniert in einer Wettern versenkt. Die Mutter der Angeklagten und deren neuer Freund verbüßen dafür lebenslange Haftstrafen. Für die Staatsanwaltschaft ist aber klar, dass auch die 17-Jährige damals an dem Mord an ihrem Vater beteiligt war. Sie soll den Mann gemeinsam mit ihrer Mutter in ihr Kinderzimmer gelockt und auf einen Schreibtischstuhl bugsiert haben, auf dem er wenig später starb.

Verfahren wird neu aufgerollt

Die 17-jährige stand schon einmal vor der Jugendkammer: Der erste Anlauf ihrer Verhandlung war wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Nun soll der Prozess wieder aufgenommen werden. Dazu werden alle Beweise und Zeugenaussagen neu gewürdigt. Besondere Bedeutung dürfte dabei der Aussage ihres früheren Freundes zukommen: Durch seine Aussage bei der Polizei hatte er die Ermittler überhaupt erst auf den Mordverdacht gebracht. Ursprünglich hatten die Beamten in einer Vermisstensache ermittelt. In der Verhandlung gegen die Mutter der Angeklagten und ihren neuen Freund hatte der Jugendliche die heute Angeklagte so schwer belastet, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhob. Die Vorsitzende Richterin lobte damals in ihrer Urteilsbegründung die Zivilcourage des jungen Mannes: Ohne seinen Mut zur Polizei zu gehen, wäre dieser Mordfall wohl nie aufgeklärt worden, so die Richterin.

"Heute bringen wir meinen Vater um"

In dem ersten Prozess kam auch heraus, dass die heute Angeklagte am mutmaßlichen Tattag eine verklausulierte Whatsapp-Nachricht an ihren damaligen Freund verschickt hatte. Die jeweils ersten Wörter der Sätze darin ergaben einen neuen Satz: "Heute bringen wir meinen Vater um." Nach der Tat soll sie mehrfach mit ihrem damaligen Freund über den Mord gesprochen und ihm Spuren gezeigt haben.

Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen

Weil die Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 14 Jahre alt war, verhandelt die Jugendkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht hat bereits klar gemacht, dass Inhalte aus der Verhandlung nicht öffentlich werden dürfen. Beim ersten Anlauf der Verhandlung waren die Sicherheitsmaßnahmen besonders streng: Anwesende Journalisten durften nur in einem abgesteckten Bereich Foto- und Videoaufnahmen machen, Justizbeamte überwachten sogar, dass Handys in den Hosentaschen blieben. Neun Verhandlungstage sind angesetzt, der letzte am 15. Januar 2021.

Weitere Informationen
In einem Gerichtssaal stehen zwei Angeklagte in Handschellen und verdecken ihr Gesicht. © NDR

Mordprozess von Dammfleth: Was bisher geschah

Vor einem Jahr haben Polizisten eine zerstückelte und einbetonierte Leiche auf einem Reiterhof in Dammfleth gefunden. Im Prozess gab es viele überraschende Wendungen. mehr

Ein Blick von außen auf das Landgericht Itzehoe.  Foto: Bodo Marks

Einbetonierte Leiche: Lebenslange Haft für Pärchen

Im Prozess um eine zerstückelte und einbetonierte Leiche in Dammfleth ist das Urteil gefallen. Die beiden Angeklagten müssen lebenslang in Haft. Das Gericht verurteilte sie wegen heimtückischen Mordes. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2020 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Wasserpfützen vor einem Tor auf dem mit Blättern bedeckten Spielfeld. © picture alliance / Norbert Schmidt Foto: Norbert Schmidt

Sportvereine kämpfen mit Mitgliederschwund

Die Sportvereine in Schleswig-Holstein haben aufgrund der Corona-Krise deutlich mehr Austritte als Eintritte zu verzeichnen. mehr

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. © dpa Foto: Sebastian Gollnow

Corona in SH: 145 neue Infektionen gemeldet

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 13.053 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. mehr

An einem Stand auf einem Wochenmarkt im Berliner Stadtteil Steglitz werden Mund-Nasenbedeckung zum Kauf angeboten. © Kay Nietfeld/dpa Foto: Kay Nietfeld

Corona: Oft kein Zutritt trotz Masken-Befreiung

Viele von der Maskenpflicht Befreite wenden sich an die Antidiskriminierungsstelle, weil sie keinen Zutritt zu Geschäften bekommen. mehr

Vier Menschen und ein Hund gehen am Strand spazieren, während sich am Himmel dunkle Wolken auftürmen. © NDR Foto: Wolfgang Bayer aus Neubrandenburg

Neue Corona-Regeln trotz teils niedriger Inzidenzwerte in SH?

Einige Kreise in SH haben derzeit relativ niedrige Werte bei Neuinfektionen. Was bedeutet das für mögliche neue Corona-Regeln? mehr

Videos