Stand: 28.09.2020 19:21 Uhr

Mojib Latif erhält Seniorprofessur der Kieler Uni

Man kennt ihn von der Tagesschau, von Talksshows und auch aus dem Schleswig-Holstein Magazin. Aber es geht nicht etwa um einen Moderator, sondern um Mojib Latif: Klimaforscher. Seit über 30 Jahren forscht er zur Veränderung des Klimas, erklärt dieses Phänomen einfach verständlich für Klein und Groß und ist deswegen ein gefragter Interviewpartner und TV-Experte. Die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel hat dem Professor deswegen am Montag eine Seniorprofessur verliehen. Sie ermöglicht es Latif, der am Dienstag 66 Jahre alt wird, trotz Ruhestands in der Lehre der Uni aktiv zu bleiben. "Wissenschaft ist Beruf und Hobby zugleich. Sie ist spannend, verbindet Menschen über Grenzen hinweg und bringt verschiedene Generationen zusammen", freut sich Latif über diese Möglichkeit.

VIDEO: Seniorprofessur der Kieler Uni für Mojib Latif (2 Min)

Seltene Professur an der CAU

Der Wahl-Schönberger Latif ist seit 2003 Professor an der CAU und leitet den Forschungsbereich Maritime Meteorologie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Er ist unter anderem Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und Vorsitzender des Deutschen Klima-Konsortiums. Eine Seniorprofessur haben vor Latif erst vier andere Professoren an der Kieler Universität erhalten.

"Mit der Seniorprofessur ehren wir nur ausgewählte, herausragende Persönlichkeiten. Professor Mojib Latif gehört zweifellos in diese Reihe", sagte CAU-Vizepräsidentin Professorin Anja Pistor-Hatam. "Wir möchten damit nicht nur seine exzellente Forschung würdigen, sondern ihm auch für seinen unermüdlichen und wichtigen Einsatz für die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse danken, wodurch er insbesondere der Debatte um den Klimawandel mehr Sachlichkeit verleiht."

Klimaforschung - eine missionarische Arbeit

Schon seit Jahren prognostiziert Latif die Erderwärmung, sprach damals wie heute im Fernsehen über die Folgen - wie Dürre, Stürme und Überflutungen. Privat wie beruflich setzt er sich für das Thema Klimawandel ein. Der Forscher unterstützt die "Fridays for Future"-Bewegung, motiviert auch junge Menschen, sich für das Klima einzusetzen. Doch er wird auch nicht müde zu erwähnen, dass nicht nur jeder einzelne sondern auch die Politik gefragt ist. Seine Arbeit bezeichnete er deshalb als missionarisch. Eine Aufgabe, die er von seinem Vater hat, wie er im Interview einst erzählte. Denn Latif ist als Sohn eines pakistanischen Imams in Hamburg geboren und aufgewachsen. "Dieses Missionarische habe ich natürlich von meinem Vater geerbt, der ja schließlich Missionar war. Ich führe das jetzt halt fort, zwar in einer etwas anderen Richtung, aber diese Beharrlichkeit habe ich sicherlich von ihm", erzählte der Klimaforscher.

Ein Experte für alle

Genau diese Arbeit brachte Latif schon diverse Auszeichnungen, unter anderem 2015 den Deutschen Umweltpreis - die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck überreichte den Preis persönlich. Latif sei eine der herausragenden Persönlichkeiten der Klimaforschung und in seiner jahrzehntelangen Arbeit getrieben von der persönlichen Sorge um den Zustand des Planeten, begründete die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Preisvergabe. Der Forscher weise darauf hin, dass der Planet Erde ohne intakte Ozeane für Menschen unbewohnbar zu werden drohe. Latif erkläre komplexe Zusammenhänge zwischen Klima und Meer verständlich und anschaulich. Er wende sich an ein breites Publikum, auch an Kinder und Jugendliche. "Sprachgewandt, voller Optimismus, Leidenschaft und Faszination widmet sich Latif seinem Thema. Dabei bleibt er nicht bei der Vermittlung von Fakten stehen, sondern fordert immer wieder sehr konkret zum Handeln auf", sagte DBU-Generalsekretär Heinrich Bottermann.

Forschung aus Leidenschaft

Dank der Seniorprofessur wird sich Mojib Latif sicher nicht zur Ruhe setzen, sondern weiter forschen, lehren und für alle immer wieder verständlich erklären, was es mit dem Klimawandel auf sich hat, was uns droht und was wir tun können, um die Erde zu retten.

Weitere Informationen
Prof. Mojib Latif (links) und Prof. Christian Berg.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.09.2020 | 19:30 Uhr

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