Stand: 28.08.2019 18:05 Uhr

Mehr Jäger sollen Problemwolf jagen dürfen

von Nikolai Hotsch, Jörg Jacobsen

Seit einem halben Jahr versucht eine Expertengruppe einen sogenannten Problemwolf in den Kreisen Steinburg und Pinneberg zu erlegen. Das Tier hatte mehrfach sogenannte Herdenschutzzäune überwunden und dahinter Schafe gerissen. Das Umweltministerium will jetzt weitere Jäger einbeziehen, um den Wolf zu erlegen. Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) plant eine Allgemeinverfügung. Demnach dürfen alle Jäger, deren Revier in dem Streifgebiet des Wolfes liegt, auf das Tier schießen. Bislang war das einer von Ministerium geheim gehaltenen Expertengruppe vorbehalten. "Unsere bisherigen Bemühungen zur Entnahme des Wolfes waren trotz des großen Einsatzes aller Beteiligten bislang nicht erfolgreich", sagte Albrecht. "Wir arbeiten intensiv daran, den Abschuss des Problemwolfs zu erreichen."

Jagd seit Januar erfolglos

Das Tier mit der Kennung GW 924 m hält sich seit etwa 14 Monaten in dem Gebiet zwischen A7, A23 und B206 auf. Seit Ende Januar gilt eine Abschussgenehmigung. Das Tier hat seitdem erneut in mehr als 20 Fällen Schafe gerissen. Darunter waren auch Herden, die mit vermeintlich wolfssicheren Elektro-Zäunen geschützt waren. Forscher konnten die DNA des Problemwolfs zuletzt Mitte Juni in Wulfsmoor im Kreis Steinburg an einem getöteten Nutztier nachweisen. Bei etlichen anderen Nutztierrissen aus der Region stehen die Ergebnisse nach Angaben des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) noch aus.

Alle Jagdausübungsberechtigten sollen schießen dürfen

Durch mehr Jäger will Albrecht nach eigenen Angaben die "Maßnahmen zum Abschuss effizienter gestalten" und damit auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Tier zu erlegen. Bevor die Allgemeinverfügung in Kraft tritt, muss das Ministerium die Naturschutzverbände anhören. Der Plan des Ministers sieht vor, dass die jeweiligen Jagdausbüngsberechtigten in ihren Revieren auf dem Wolf schießen dürfen. Allerdings nur in den Gebieten, in denen der Wolf auch bislang gejagt werden durfte - in Teilen der Kreise Steinburg und Pinneberg. Wie viele zusätzliche Jäger die Regelung betrifft, ist nicht genau klar. Meist sind pro Revier zwei oder drei Jäger zuständig. Das Ministerium geht davon aus, dass mehr als 150 Schützen berechtigt sind.

Naturschützer lehnen die Pläne ab

Schäfer begrüßen das Vorhaben. "Anders kann der Wolf nicht erlegt werden. Die Neuregelung macht Sinn", sagte Karl-Henning Hinz, Vorsitzender des Landesverbandes der Schaf- und Ziegenzüchter, im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. "Bislang war es so, dass quasi ein Elfmeter gepfiffen wurde aber niemand schießen durfte." Die Schäfer im Land hatten schon lange gefordert, dass mehr Jäger auf den Wolf angesetzt werden.

Bevor die Allgemeinverfügung in Kraft tritt, muss das Ministerium die Naturschutzverbände anhören. Die Organisation BUND lehnt den Plan ab - auch, weil die Zahl der Nutztierrisse rückläufig ist. "Er scheint jetzt ein anderes Beuteschema ergriffen zu haben", sagt BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers. Brigitte Sommer vom Verein "Wolfsschutz Deutschland" nennt den Plan des grünen Umweltministers einen "Kniefall vor der Agrar- und Jäger-Lobby". "Das ist eine Ungeheuerlichkeit", sagte Sommer dem NDR Schleswig-Holstein. "Der Wolf steht unter dem höchsten Schutzstatus und dabei soll es auch bleiben."

Wolf GW924m unterwegs in Südholstein

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.08.2019 | 13:00 Uhr

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