Stand: 14.01.2020 15:48 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Marine-Auftrag zu "MKS 180": Kritik von Günther

von Christian Wolf

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist enttäuscht darüber, dass das neue Mehrzweckkampfschiff "MKS 180" der Deutschen Marine von einem Konsortium unter niederländischer Führung gebaut werden soll. Aus sicherheits- und industriepolitischer Sicht sei es schwer nachzuvollziehen, wie diese Entscheidung zu Beschlüssen der Bundesregierung und der Verabredung im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD passen solle, den Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie einzustufen, erklärte Günther. "Für das bisher größte Rüstungsprojekt der Deutschen Marine wäre es wichtig gewesen, dass die Bundesregierung auf das vorhandene Know-How in Deutschland setzt", sagte der Regierungschef. Daher hoffe er nun, dass der Bund helfe, qualifizierte Arbeitsplätze im Land zu sichern.

Die Kieler Werft German Naval Yards hatte sich vergeblich um den Marineauftrag beworben. Es soll nun unter niederländischer Federführung bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut werden. Auch die Wolgaster Peene-Werft wird am Bau der Marine-Kampfschiffe beteiligt.

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IG Metall sieht Bundesregierung in Verantwortung

Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag, Christopher Vogt, erklärte, er befürchte, dass die Entscheidung viele Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein kosten werde. Die IG Metall Küste sieht die Bundesregierung in der Verantwortung. Bei einer Entscheidung dieser Tragweite dürfe sie die Branche und die Beschäftigten nicht ihrem Schicksal überlassen, so der Bezirksleiter der Gewerkschaft, Daniel Friedrich. Dass die niederländische Damen Shipyards Group jetzt den Zuschlag bekommen habe, dürfe nicht zu Lasten der Werften und Zulieferer in Norddeutschland gehen, so der Gewerkschaftler. Für Donnerstag hat die IG Metall Küste die Betriebsräte von Werften und Zulieferern zu einem Krisentreffen nach Hamburg eingeladen.

Wertschöpfungskette soll größtenteils in Deutschland bleiben

Die Lürssen-Gruppe aus Bremen ist Subunternehmerin bei dem Auftrag. Die niederländische Damen Shipyards Group hat angekündigt, dass 80 Prozent der gesamten Nettoinvestition als Wertschöpfung in Deutschland bleiben soll. Auch vom Bau der elektronischen Einsatzsysteme solle Deutschland profitieren - namentlich die Thales-Gruppe, die unter anderem in Kiel und Wilhelmshaven entwickelt.

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Wie wichtig der Schiffbau für Schleswig-Holstein ist, zeigen Zahlen aus dem Kieler Wirtschaftsministerium. Das Bruttoinlandsprodukt von Schleswig-Holstein liegt bei etwa 100 Milliarden Euro. Davon steuern die Werften im Land rund fünf Milliarden bei. Außerdem sind knapp 5.000 Menschen direkt beschäftigt, weitere 15.000 sind es in der Zulieferer-Industrie.

Verteidigungsministerium veranschlagt 5,27 Milliarden Euro

Das Bundesverteidigungsministerium hat für die Beschaffung von vier Mehrzweckkampfschiffen insgesamt 5,27 Milliarden Euro veranschlagt. Das Projekt "MKS 180" war vor Jahren europaweit ausgeschrieben worden, da der Überwasserschiffbau für Marineschiffe bislang keine Schlüsseltechnologie ist. Die Bundesregierung will das laut Koalitionsvertrag ändern. Schiffe könnten dann direkt bei deutschen Werften bestellt werden. 

German Naval Yards könnte noch vor Gericht ziehen

German Naval Yards wollte sich auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein noch nicht zu der Auftragsvergabe äußern. Laut Staatssekretär Peter Tauber ist die Entscheidung der Vergabestelle des Bundesverteidigungsministeriums noch vorbehaltlich einer möglichen Rüge beziehungsweise einer gerichtlichen Nachprüfung durch die Kieler Werft vor der Vergabekammer. Auch der Bundestag muss sich noch mit dem Auftrag befassen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.01.2020 | 12:00 Uhr

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