Stand: 12.07.2020 11:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Luxuscamping und Arbeiten: Pilotprojekt startet

Ästhetik und Komfort - das sind die wichtigsten Faktoren des "Glamerous Camping", also des glamourösen Zeltens. "Glamping" heißt der Trend abgekürzt, der seit einigen Jahren auch auf Festivals und großen Veranstaltungen seinen Platz findet. Dabei geht es darum, das Zelterlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten: oftmals mit richtigen Matratzen und Bettzeug statt Aufblasmatte und Schlafsack, mit Schaffell und Spiegel statt Multifunktionsdecke und Kopflampe. Zwei, die dieses Luxuscampen mit dem Arbeitsalltag verbinden wollen, sind Oliver Puhe und Jean-Pierre Jacobi von CoWorkLand. Ihr Ziel: Camping-Urlaub der besonderen Art, Homeoffice mit Blick aufs Wasser, Workshops und Events unter freiem Himmel. Ein solcher Ort entsteht gerade auf dem Gut Mechow, direkt am Naturschutzgebiet Schaalsee (Kreis Herzogtum Lauenburg).

Genossenschaft setzt auf Gemeinschaftsbüros

CoWorkLand ist eine Genossenschaft, die Raum für mobiles Arbeiten aufs Land bringt. Auch ihr Name leitet sich von einem neuen Begriff ab, der vor allem in jung gegründeten Unternehmen und neuen Arbeitsformen auftaucht: das Co-Working. Es beschreibt in der Regel Gemeinschaftsbüros, in denen Menschen entweder dauerhaft Arbeitsplätze mieten oder sich flexibel an geteilte Schreibtische setzen können. Das, was dahinter steckt, ist oftmals der Wunsch nach weniger eigenem Besitz und der damit verbundenen Verantwortung und gleichzeitig der Wunsch nach Ressourcenteilung - wie es beispielsweise bei Carsharing der Fall ist.

Was ist Co-Working?

Als Co-Working wird ein neues Arbeitsmodell bezeichnet. Freiberufler, Kreative, Start-ups oder Gründer können sich in meist größere Räumlichkeiten zeitweise einbuchen und sowohl unabhängig arbeiten oder durch gemeinsame Projekte voneinander profitieren. Bei den sogenannten Co-Working Spaces kann es sich um ausgestattete Büros, aber auch lediglich um die Räumlichkeiten handeln.

Orte der Begegnung schaffen

In sogenannten Co-Working-Spaces schätzen die Mieter darüber hinaus auch die Möglichkeit, sich mit anderen interdisziplinär austauschen zu können. CoWorkLand möchte nach eigenen Angaben genau dort anknüpfen und auch Orte der Begegnung schaffen. "Wir erleben gerade eine Beschleunigung der Mega-Trends: New Work, Digitalisierung und Mobiles Arbeiten", weiß Puhe, der mit seinem Kollegen die Jurten auf Gut Melchow aufbaut. "Wir erleben, dass die Bedürfnisse der Menschen und die Sehnsucht nach Natur hervorkommt." Die Nachfrage nach regionalen Urlaubsstandorten aber auch nach mobilen Arbeitsmöglichkeiten sei groß. Daher sei jetzt der richtige Zeitpunkt, das Land und somit auch die Region zu stärken.

Kreative Lösung gegen die Corona-Krise

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Arbeiten und nebenbei im Grünen Urlaub machen: Das ist die Vision von Jean-Pierre Jacobi (l.) und Oliver Puhe von "CoWorkLand"

Die Jurten, Container und Möbel, die Jacobi und Puhe hier auf dem Gut Mechow aufstellen, stehen normalerweise zu dieser Zeit im Jahr auf Musikfestivals - die sind aber alle coronabedingt abgesagt. Ein Fluch, den die beiden zum Segen gemacht haben - denn nur deshalb kann hier dieses Pilotprojekt entstehen. Die Genossenschaft hat bereits Co-Working-Spaces an anderen Orten in Schleswig-Holstein geschaffen, zum Beispiel in Preetz (Kreis Plön), Felde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) oder Itzehoe (Kreis Steinburg) - dort allerdings noch ohne Glamping-Zelte. Das ist hier neu.

Tiny Houses als Alternative

Es ist ein Konzept, dass dem Gastgeber auf Hof Mechow, Landwirt Gerd Schardey, sehr zusagt. Deshalb hat er seine Flächen für das Pilotprojekt freigegeben. "Da wir hier sowieso den ökonomischen und ökologischen Wandel begleiten wollen, haben wir uns überlegt, was man neben der Tierhaltung sonst noch machen kann", sagt Schardey. So sei er auf Co-Working gekommen. Doch darüber hinaus habe er auch eine Alternative zum Vier-Sterne-Tourismus gesucht. "Wir überlegen auch, Tiny Houses aufzubauen, so dass man dann hier in der Natur arbeiten und wohnen kann." Diese Tiny Houses, also kleine Häuser, die autark stehen und meist weniger als 50 Quadratmeter Platz bieten, haben vor allem Architekten und Stadtentwickler seit einigen Jahren auf dem Schirm, da sie eine Lösung für den Wohnraummangel in Großstädten einerseits und andererseits die Sehnsucht nach einem kleinen Zufluchtsort im Grünen verspricht.

Langfristige Perspektive im Blick

Das Projekt von CoWorkLand auf Gut Mechow soll für einige Wochen stehen - dann packen die Unternehmer die Zelte wieder zusammen und gucken nach neuen Orten. Für den Hof soll es danach aber weitergehen. "Wenn wir die Räume wieder abbauen, dann kann diese Gemeinschaft im Gutshaus Platz finden", sagt Jacobi. So bliebe sie weiter bestehen - und kann vielleicht ja wieder in kleinere Räume umziehen, falls der Gutsherr irgendwann seine eigenen Jurten und Tiny Houses aufstellt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.07.2020 | 19:30 Uhr

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