Stand: 25.02.2019 18:00 Uhr

Kosten für den Wolf in SH stark gestiegen

von Jörn Schaar und Jörg Jacobsen

Im vergangenen Jahr haben Wissenschaftler sechs verschiedene Wölfe in Schleswig-Holstein zweifelsfrei nachgewiesen. Einige der Raubtiere waren nur kurz im Land. Mindestens zwei Wölfe haben sich im Norden niedergelassen. Die Zahl der gerissenen Nutztiere stieg stark an - und damit auch die Kosten für das Wolfsmanagement. Im Jahr 2018 gab das Land nach eigenen Angaben knapp eine halbe Million Euro für DNA-Tests, Entschädigungszahlungen und Schutzzäune aus. Das ist fast drei Mal so viel wie im Jahr davor. Der größte Posten sind Beschaffungen, unter anderem von speziellen Elektrozäunen, die Wölfe von Schafherden fernhalten sollen. Dafür zahlte das Ministerium etwa 250.000 Euro. "Im Durchschnitt kostet ein laufender Meter Zaun zwei Euro", teilte Sprecher Joschka Touré vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein mit. In diesem Jahr rechnet das Ministerium mit Kosten von mehr als einer Million Euro.

Untersuchungen für 43.600 Euro

Wenn ein Nutztier gerissen wird, fahren Wolfsbetreuer des Landes zu der Weide und suchen Spuren. Sie nehmen unter anderem Abstriche aus den Wunden der verletzten oder getöteten Tiere. Meist schicken sie zwei Proben zur DNA-Untersuchung zum Senckenberg-Institut nach Hessen. Das Labor berechnet nach Angaben des Landes 214 Euro je Probe, wenn es sich um einen Wolf handelt. Die Genetiker versuchen in diesem Fall auch herauszufinden, welches Tier genau der Verursacher ist. "Ist es eine andere Art oder ist diese nicht bestimmbar, werden 107 Euro netto in Rechnung gestellt", heißt es vom Land. Im vergangenen Jahr gab das Land für genetische und toxikologische Untersuchungen im Zusammenhang mit Nutztierrissen insgesamt 43.600 Euro aus.

Entschädigung richtet sich nach Marktwert

Die Untersuchungsergebnisse sind für die betroffenen Tierhalter besonders wichtig. Sie bekommen vom Land nur dann eine Entschädigung, wenn das Labor einen Wolf als Verursacher identifiziert hat. Die Summe der Zahlungen an die Tierhalter ist im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls stark gestiegen - von 2.260 Euro (2016), 4.910 Euro (2017) auf etwa 26.100 Euro (2018). In diesem Jahr zahlte das Land den Tierhaltern bis Mitte Februar bereits 32.600 Euro aus. Darin enthalten sind aber auch Entschädigungen für Rissvorfälle aus dem vergangenen Jahr, bei denen die Analyse erst in diesem Jahr abgeschlossen und berechnet wurde. Die Höhe der jeweiligen Entschädigung ist "unterschiedlich und richtet sich allein nach dem aktuellen Marktwert des Tieres", so ein Sprecher des Ministeriums. Für ein Lamm zahlt das Land beispielsweise etwa 180 Euro, für ein Mutterschaf aus der sogenannten Herdbuchzucht knapp 315 Euro. Rinder wurden nur in wenigen Fällen vom Wolf angegriffen.

Was kostet die Problemwolf-Jagd?

Das Land erfasst allein die Sachkosten für das Wolfsmanagement. "Eine konkrete Zuordnung entstandener Personalkosten des Landes im Zusammenhang mit dem Auftreten des Wolfs ist leider nicht möglich, da verschiedene Personen mit unterschiedlichen und auch wechselnden Zeitanteilen involviert sind", sagt Sprecher Joschka Touré aus dem MELUND.

Auch zu den Kosten der Jagd auf einen sogenannten Problemwolf in den Kreisen Steinburg und Pinneberg gibt es keine Auskunft. "Zum Schutz der Beauftragten werden Fragen in diesem Kontext derzeit nicht beantwortet", sagt Touré.

Kosten steigen weiter

In diesem Jahr stehen dem MELUND für das Wolfsmanagement noch einmal doppelt so viele Haushaltsmittel zur Verfügung wie 2018 - rund 1,1 Millionen Euro. "Die höhere Summe im Haushaltsjahr 2019 dient vor allem der Finanzierung von Zäunen bei den Betrieben in Präventionsgebieten", sagt Touré. Zum Präventionsgebiet zählen die Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg und Segeberg. Dort finanziert das Land größeren Betrieben dauerhafte Schutzzäune. Wie viel diese Zäune durchschnittlich kosten werden, ist nach Angaben des Ministeriums noch nicht klar. "Die Kosten hängen sehr stark ab von flächen- und betriebsspezifischen Gegebenheiten", sagt Touré. "Eine belastbare Aussage zu durchschnittlichen Kosten kann daher nicht getroffen werden."

BUND: Ziel, Wolf heimisch machen

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Das Land geht derzeit von vier Wölfen aus, die sich in Schleswig-Holstein aufhalten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht es als "notwendig" an, dass mehr Geld für die Wölfe ausgegeben werden soll. "Langfristig ist es das Ziel, den Wolf in Deutschland wieder heimisch zu machen. Wenn wir mit dem Wolf koexistieren möchten, dann müssen wir gucken und fragen: Was können wir machen, um das möglich zu machen?", sagte Ann Kristin Montano vom BUND dem NDR Schleswig-Holstein.

Kritik der Schafzüchter

Der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter kritisiert, dass das Land ausschließlich Material für den Zaunbau zur Verfügung stellt. "Wir kommen damit nicht hin, weil die Arbeitszeit nicht entlohnt wird. Das ist unser Problem", sagt Janine Bruser, die Geschäftsführerin des Verbandes. Nach ihren Angaben müssten die betroffenen Schäfer im Durchschnitt im Winter etwa 100 Kilometer Zaun aufstellen, wenn die Herden auf unterschiedlichen Weiden unterwegs sind. "Das ist nicht zumutbar. Die Schäfer müssten ein bis zwei Personen einstellen, um alle Weiden vermeintlich wolfssicher einzuzäunen."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.02.2019 | 19:30 Uhr

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